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Folgen der Negativzinsen : Umlaufrendite für Bundesanleihen negativ

Der Neubau der EZB überragt die Zentrale der Bundesbank in Frankfurt. Bild: dpa

Der Verfall der Anleiherenditen setzt sich fort. Die Umlaufrendite ist mittlerweile negativ und die rendite der zehnjährigen Bundesanleihe nähert sich auch der Null.

          Viele Anleger stöhnen über die sehr niedrigen Anleiherenditen. Aber auch sehr niedrige Renditen können immer noch weiter fallen. So notiert die Umlaufrendite für Bundesanleihen seit Wochenbeginn erstmals in ihrer Geschichte unter der Null-Linie. Bei nunmehr -0,01 Prozent hat sie sich bisher nur leicht vom Montagstief von -0,02 Prozent erholt.

          Die von der Deutschen Bundesbank veröffentlichte Umlaufrendite errechnet sich aus den Renditen von Bundespapieren mit Laufzeiten von 3 bis 30 Jahren. Weit mehr als die Hälfte aller Bundespapiere weisen nunmehr negative Renditen aus. Noch kein Negativrekord lässt sich jedoch für die viel beachtete Zehnjährige des Bundes beobachten, deren Rendite am Mittwoch bei 0,039 Prozent liegt.

          Im Handel werden im Wesentlichen zwei Gründe für den Rückgang der Renditen genannt. Dies ist zum einen die schwindende Erwartung einer baldigen Leitzinserhöhung der Fed nach der Veröffentlichung enttäuschender Konjunkturdaten am vergangenen Freitag. Zwar haben daraufhin mehrere Mitglieder aus der Führung der Federal Reserve (Fed) vor einer Überbewertung der Daten gewarnt, aber an den Märkten gilt eine Leitzinserhöhung schon im Juni als nicht mehr sehr wahrscheinlich.

          Ein zweiter Grund für die Nachfrage nach Anleihen mit guter Bonität sind neue Umfrageergebnisse aus Großbritannien, nach denen die Zustimmung für einen „Brexit“ wächst und die Mehrheit der „Brexit“-Gegner zu schwinden scheint. Diese Umfragen setzen nicht nur den Wechselkurs des Pfunds am Devisenmarkt unter Druck, sondern stärken auch die Nachfrage nach sicheren Kapitalanlagen. Hierzu zählen die Staatsanleihen vieler Industrienationen.

          Rekordtiefs weltweit

          Daher ist es nicht erstaunlich, dass nicht nur in Deutschland die Renditen sinken. Eine Index für solche Anleihen - der Bloomberg Global Developed Sovereign Bond Index - notiert mit einer durchschnittlichen Rendite von 0,62 Prozent derzeit auf dem niedrigsten Stand seit dem Jahre 2010. Die Rendite zehnjähriger australischer Staatsanleihen erreichte am Dienstag mit 2,148 Prozent den niedrigsten Stand aller Zeiten.

          Die negativsten Leitzinsen und Anleiherenditen sind seit längerer Zeit in der Schweiz zu beobachten. Dort beträgt der kurzfristige Leitzins der Schweizerischen Nationalbank (SNB) minus 0,75 Prozent. „Dieser Leitzins lässt sich in der Praxis nicht mehr deutlich senken“, sagte der frühere Vizepräsident der SNB, Jean-Pierre Danthine, am Donnerstag auf einer Konferenz der Brookings Institution in Washington.

          „Negative Zinsen sind unpopulär, und das ist ein Problem“, konstatierte Danthine. „Viele Menschen verstehen das Konzept nicht, weil sie negative Zinsen für etwas Unnatürliches halten. Es funktioniert nicht, wenn Ökonomen ihnen das Gegenteil einreden wollen.“

          Danthine erwähnte daneben Lobbying gegen negative Zinsen durch Interessengruppen wie die Anbieter privater Altersvorsorge. Eine Durchsetzung noch viel niedrigerer Leitzinsen als minus 0,75 Prozent würde begleitende Maßnahmen erfordern, die aus demokratischer Sicht schwer umsetzbar wären. Solche Maßnahmen wären eine Beschränkung des Bargeldgebrauchs oder die Einführung eines Wechselkurses zwischen Bankeinlagen und Bargeld.

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