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Umfrage unter Analysten : Die Niedrigzinsphase lässt das Tal hinter sich

Gute Konditionen: Staatsfinanzierung bleibt erschwinglich für Italien (Finanzminister Saccomanni neben seinem deutschen Kollegen Wolfgang Schäuble) Bild: picture alliance

Die Renditen der Bundesanleihen werden auch in diesem Jahr niedrig bleiben. Doch für Analysten sind die Zeiten der Rekordtiefstände vorbei. In einer Umfrage der F.A.Z. erwarten sie bis Jahresende einen leichten Anstieg.

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          Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon wird auch in diesem Jahr noch ausreichend Gelegenheit haben, die niedrigen Zinsen als Enteignung der Sparer zu kritisieren und gleichzeitig vor spekulativen Blasen zu warnen. Doch die Zeiten, in denen die Renditen deutscher Staatsanleihen auf Rekordtiefs fallen, scheinen vorbei zu sein. Denn in einer Umfrage dieser Zeitung unter 24 Analysten erwarten 22 einen leichten Anstieg der zehnjährigen Rendite. Im Durchschnitt könnte dieser Zins, der als Maßstab für den gesamten Euroraum gilt, demnach am Jahresende 2,26 Prozent erreichen. Am Freitag lag die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe bei 1,94 Prozent. Damit hält sich der von den professionellen Investoren erwartete Zinsanstieg in Grenzen.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nach Ansicht der Commerzbank bleibt das Niedrigzinsumfeld erhalten. Sie verweist auf die „Nullzinspolitik“ der Europäischen Zentralbank (EZB), weshalb Anleger auf längere Laufzeiten oder schwächere Bonitäten ausweichen müssten. Im November hatte die sie ihren Leitzins von 0,5 Prozent auf das Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt. Fahrenschon hatte dies als falsches Signal für die Sparer kritisiert. EZB-Präsident Mario Draghi hatte damals angekündigt, die Zinsen noch längere Zeit auf diesem oder einem noch niedrigeren Niveau zu belassen. Seitdem rechnen die Märkte mit einer weiteren Maßnahme der Notenbank wie etwa ein breites Ankaufprogramm von Staatsanleihen oder ein neues, zinsgünstiges Finanzierungsgeschäft für Banken.

          Prognosen zur Zinsentwicklung im Jahr 2014

          Allerdings gibt es auch ermutigende Signale aus den Euro-Krisenländern, die auch hier auf eine anziehende Konjunktur hoffen lassen. So sank die Arbeitslosigkeit in Spanien im Dezember so stark wie seit dem Jahr 1999 nicht mehr. Die zehnjährige Rendite spanischer Staatsanleihen fiel am Freitag auf 3,896 Prozent, den niedrigsten Stand seit sechs Monaten. Auch für Italien ist der Marktzins in der zehnjährigen Laufzeit unter 4 Prozent gefallen. Der Risikoaufschlag für beide Länder gegenüber Bundesanleihen ging auf weniger als 2 Prozentpunkte zurück.

          Die Normalisierung an den europäischen Kapitalmärkten auch im Zuge einer wieder breiteren Streuung von Anlagekapital spreche gegen deutsche Staatsanleihen und für weiter sinkende Risikoaufschläge in der europäischen Peripherie, erwarten die Analysten der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Ihrer Ansicht nach werden sich die Zinsen am kurzen Ende auf einem niedrigen Niveau stabil entwickeln, während sich bei langen Laufzeiten der negative Einfluss amerikanischer Staatsanleihen bemerkbar machen wird.

          Eine steilere Zinskurve hilft den Banken

          Die vor Weihnachten getroffene Entscheidung der amerikanischen Notenbank, ihre Anleihekäufe etwas zu reduzieren, hat zwar seitdem die Märkte nicht belastet, aber die Hinweise ihrer Vertreter haben seit dem Spätsommer eine erste Zinswende eingeleitet. Die zehnjährige Rendite amerikanischer Staatsanleihen hat sich von weniger als 2 auf 3 Prozent erhöht. Auch die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe, die noch im Mai auf 1,17 Prozent gelegen hatte, ist inzwischen deutlich höher. Im September hatte sie schon kurzzeitig die Marke von 2 Prozent überschritten. Die erste Straffung der amerikanischen Geldpolitik, die an den Finanzmärkten als „Tapering“ bezeichnet wird, hatten die Analysten in der Zinsumfrage dieser Zeitung vor einem Jahr noch nicht auf ihrem Radar. Denn sie hatten für die zehnjährige amerikanische Rendite Ende 2013 nur 2,23 Prozent erwartet, während es tatsächlich 3,03 Prozent waren. Bis Ende des Jahres dürfte die amerikanische Rendite nach der aktuellen Umfrage auf 3,35 Prozent steigen. Umso treffsicherer hatten die Analysten aber vor zwölf Monaten die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe mit 1,92 Prozent vorausgesagt. Die Abweichung von 0,01 Prozentpunkten ist nur sehr geringfügig.

          Am kurzen Ende erwarten die Analysten in der aktuellen Umfrage nur wenig Bewegung. Derzeit liegt die Rendite der zweijährigen Bundesanleihe auf 0,2 Prozent. Zum Jahresende beträgt der Durchschnitt der Prognosen 0,34 Prozent. Damit fiele der Anstieg am langen Ende etwas deutlicher aus. Dadurch wird die Zinskurve steiler, was den Banken helfen kann. Denn in der Regel vergeben sie langfristige Kredite und finanzieren sich eher kurzfristig, zum Beispiel über Kundeneinlagen. Je höher der Abstand zwischen lang- und kurzfristigen Zinsen, desto größer ist der Zinsertrag für die Banken.

          Dass der Renditeabstand zwischen amerikanischen und deutschen Staatsanleihen hoch bleibt, ist ebenfalls ein Ergebnis der Umfrage und eine Folge der geringeren Anleihekäufe der amerikanischen Notenbank. Dies belastet auch den Euro, der seit Jahresanfang 1,6 Cent auf 1,3635 Dollar verloren hat. Diese Entwicklung wird sich nach der aktuellen Umfrage unter Analysten im weiteren Jahresverlauf fortsetzen. Ende Juni dürfte demnach der Euro 1,31 Dollar kosten und am Jahresende nur noch 1,28 Dollar.

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