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Umfrage : Euroraum-Renditen werden weiterhin niedrig gesehen

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Das Urteil zur kommenden Ratssitzung am Donnerstag fällt eindeutig aus. Alle befragten Volkswirte erwarten eine Bestätigung des Zinsniveaus. Auch die Renditen werden bis auf weiteres relativ niedrig gesehen.

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          Die Renditen am europäischen Anleihemarkt werden nach Einschätzung von Volkswirten kurz- bis mittelfristig nach wie vor vergleichsweise gering bleiben. Auf Sicht von drei Monaten gehen von Dow Jones Newswires regelmäßig befragte Experten von einer Rendite zehnjähriger Bundesanleihen von 3,85 Prozent aus, über einen Horizont von sechs Monaten werden sie im Konsens bei 4,00 Prozent gesehen.

          Die Europäische Zentralbank (EZB) ist über das geringe Renditeniveau zunehmend besorgt, da sie vor dem Hintergrund der Überschußliquidität in der Eurozone und der stark wachsenden Kreditvergabe an den privaten Sektor Übertreibungen bei den Vermögenspreisen fürchtet.

          Leicht gesunkene Wachstumserwartungen

          Die Wachstumserwartung für die Eurozone im laufenden Jahr wurde im Vergleich zur vorangegangenen Umfrage leicht nach unten genommen. Nunmehr wird 2005 eine Expansion des Bruttoinlandsprodukts von 1,6 Prozent erwartet, während einen Monat zuvor noch 1,7 Prozent prognostiziert worden waren. Hintergrund dürften vor allem die schwachen Zahlen zum Wirtschaftswachstum im vierten Quartal sein, wodurch sich der statistische Überhang für 2005 reduziert. Der Euro-Kurs wird dagegen wie bereits im Vormonat auf Sicht von drei wie sechs Monaten bei 1,32 USD erwartet.

          Mit Blick auf die kommende Ratssitzung der EZB am Donnerstag rechnen die 45 Befragten einhellig mit einer Bestätigung der Leitzinsen. Bis zum Ende des zweiten Quartals erwarten vier Ökonomen eine Zinserhöhung, 39 prognostizieren ein unverändertes Zinsniveau. Bis zum Ende des dritten Quartals ändert sich dieses Verhältnis allerdings auf 23 zu 19, während nahezu alle Befragten (41) die Zinswende bis zum Jahresende eingeleitet sehen.

          Gefahr von Vermögenspreisblasen die größte Sorge

          Kritische Blicke richten sich derzeit noch auf die monetäre Entwicklung. Bemerkenswert sei hier, daß sich die Überschußliquidität im Unterschied zu früheren Jahren nun auch in einer spürbar hohen Kreditvergabe an den privaten Sektor zeige. Entsprechend hatte die EZB jüngst mehrfach gewarnt, es bestehe die Gefahr, daß sich in einigen Ländern der Eurozone Vermögenspreisblasen bilden könnten. Das Geldmengenaggregat M3 wuchs im Januar gegenüber dem Vorjahresmonat um 6,6 Prozent, für den gleitenden Dreimonats-Durchschnitt wurde ein Plus von 6,3 Prozent gemeldet.

          Mit Spannung werden überdies die neuen Projektionen der Frankfurter Notenbanker erwartet. Nach dem schwachen vierten Quartal dürfte der Mittelwert eines Wachstums von 1,9 Prozent im laufenden Jahr nach Ansicht zahlreicher Experten kaum noch zu halten sein, zumal die aktuellen Konjunkturindikatoren eher schwache Signale geliefert haben. Bislang geht die EZB von einem Wachstum in einer Bandbreite von 1,4 bis 2,4 Prozent aus, für 2006 veranschlagt sie es auf 1,7 bis 2,7 Prozent.

          Der designierte Chefvolkswirt der HVB Group, Jörg Krämer, rechnet mit einer Abwärtsrevision für 2005 im Mittelwert auf 1,6 Prozent, mindestens aber auf 1,7 Prozent, Lehman Brothers-Volkswirt Klaus Baader erwartet nur eine leichte Abwärtskorrektur um ein bis zwei Zehntel. Unklarer ist hingegen, ob auch die Inflationsprognosen geändert werden. Zwar könnte sich sich der Preisdruck schneller verflüchtigen als von EZB zuvor angenommen, doch sprechen die jüngst wieder deutlich anziehenden Ölnotierungen gegen größeren Handlungsbedarf. Vor drei Monaten sah die EZB den Mittelwert für das laufende Jahr noch bei 2,0 Prozent.

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