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Trotz niedriger Zinsen : Bundesanleihen stehen hoch im Kurs

Günstige Finanzierung: Wolfgang Schäubles Finanzministerium kann mit weiter niedrigen Zinsen rechnen. Bild: Matthias

Die Schuldtitel des deutschen Staates sind vor allem im Ausland begehrt. Dort liegen fast 75 Prozent des Bestandes. Größter Gläubiger des Bundes ist zurzeit die Schweizer Notenbank.

          Wer Geld verleiht, will auch etwas davon haben. Nur guten Freunden leiht man Geld zum Nulltarif. Gemessen daran hat der deutsche Staat sehr viele gute Freunde. Denn in den Laufzeiten bis zu drei Jahren bezahlen die Anleger sogar Geld dafür, dass sie ihm Geld leihen dürfen. Auch in den längeren Laufzeiten sieht es für die Anleger mager aus: Die zehnjährige Bundesanleihe, der wichtigste Zinstitel Europas, weist eine Marktrendite von weniger als 1 Prozent aus. Diese Woche verlief die Aufstockung einer zehnjährigen Anleihe enttäuschend: Das Angebot von 5 Milliarden wurde nur mit 4,7 Milliarden Euro nachgefragt. Schon am Jahresanfang gab es zwei Auktionen mit Unterdeckung.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die tatsächlichen Zahlen sprechen aber eine andere Sprache: Zum einen sind die niedrigen Renditen verbunden mit hohen Kursen, mit anderen Worten: Bundesanleihen stehen hoch im Kurs. Der Terminkontrakt auf die maßgebliche Bundesanleihe, der Bund-Future, notiert in der Nähe seines Rekordhochs von fast 152 Prozent. Zum anderen erfreuen sich auch die neu begebenen Bundesanleihen einer großen Beliebtheit. Im bisherigen Jahresverlauf hat der Bund nach Angaben seiner Schuldenverwalterin, der Finanzagentur, Schuldtitel über 172 Milliarden Euro begeben. Diese wurden von den Investoren mit 254 Milliarden Euro nachgefragt.

          Es stellt sich die Frage, warum das so ist und welche Investoren bereit sind, die negativ oder kaum noch verzinsten Schuldtitel des deutschen Staates ins Depot zu legen. Ein Blick in die Statistik der Bundesbank zeigt: Von den deutschen Staatsanleihen - neben Bundes- auch Länderanleihen - über 1644 Milliarden Euro liegen fast drei Viertel im Ausland. Für die Bundesanleihen über 1146 Milliarden Euro dürfte der Auslandsanteil noch höher liegen, weil die Titel für ausländische Investoren dichter handelbar sind als Länderanleihen.

          Investoren deutscher Staatsanleihen und Volumen ausstehender Staatsanleihen in Europa Bilderstrecke

          Eine explizite Aufstellung nur für den Bund gibt es nach Angaben eines Sprechers der Finanzagentur nicht. Bundesanleihen seien keine Namensschuldverschreibungen und daher nur grob nachzuverfolgen, fügt er hinzu. Doch die hohe Bedeutung des Auslands, die in den vergangenen Jahren ähnlich hoch war, spiegelt sich auch in der Bietergruppe Bundesemissionen wider. Von den 37 Mitgliedern, über die Bundesanleihen plaziert werden, sind 27 Niederlassungen oder Tochtergesellschaften ausländischer Banken.

          Ein großer Teil der Bundesanleihen dürfte auf andere Zentralbanken entfallen. An erster Stelle muss die Schweizerische Nationalbank (SNB) genannt werden, die den Wechselkurs zum Euro auf 1,20 Franken halten will. Um die Schweizer Exporte durch eine Franken-Aufwertung nicht zu gefährden, kauft sie vor allem deutsche Bundesanleihen. Ihren Bestand weist die SNB nicht aus, aber er wird am Markt auf mehr als 100 Milliarden Euro geschätzt. Damit dürfte die Schweizer Notenbank der größte Gläubiger des deutschen Staates sein.

          Schäuble kann sich über das Rekordtief der Zinsen freuen

          „Die Bundesanleihen werden zu großen Teilen an andere Zentralbanken, Banken und private Vermögensverwalter verkauft“, sagt Stefan Winter, Vorstandsmitglied der UBS Deutschland AG und Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Auslandsbanken. Nach Ansicht des Investmentbankers steht bei Zentralbanken und Banken die hohe Liquidität der Bundesanleihen im Vordergrund. Darunter ist die jederzeitige Handelbarkeit der Titel zu verstehen. Damit haben Bundesanleihen den Charakter von Bargeld. Winter verweist auch auf die hohe Sicherheit, die sich in den erstklassigen Ratings („AAA“) für den deutschen Staat ausdrückt. Dadurch könnten Bundesanleihen als Sicherheiten ohne Haircut, also ohne Risikoabschlag, eingesetzt werden. Vor allem Banken wissen das zu schätzen, weil sie Wertpapiere als Pfänder für Finanzierungsgeschäfte bei Zentralbanken oder Wettbewerbern einsetzen.

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