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Trotz niedriger Leitzinsen : Recht stabile Zinsmargen

Die Marktmacht der Banken gestattet es ihnen gerade bei steigenden Leitzinsen der Notenbank starken Einfluss auf ihren Einlagenzins zu nehmen. Bild: dpa

Die niedrigen Leitzinsen der Europäischen Zentralbank verhageln den Banken das Geschäft, behaupten sie. Deshalb müssten sie Gebühren und Strafzinsen erheben. Doch Berechnungen zeigen: Die Zinsmargen sind fast unverändert.

          Vertreter von Banken und Sparkassen beklagen häufig, die niedrigen Leitzinsen der Notenbanken verhagelten ihnen das Geschäft. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass dies gar nicht so offensichtlich ist. So belief sich die Zinsspanne, das ist die Differenz der von den Banken und Sparkassen erhobenen Kredit- und Einlagenzinsen, im Jahre 2001 nach Angaben der Deutschen Bundesbank auf 1,12 Prozent. Damals lag der Leitzins bei rund 4 Prozent.

          Im Jahre 2015 (neuere Daten liegen nicht vor) war der Leitzins auf nahe null gefallen, aber die Zinsspanne der Banken und Sparkassen war mit 1,11 Prozent nahezu genauso hoch wie zu Beginn des Jahrtausends. In diesen Berechnungen sind sowohl die Geschäfte der Banken mit ihren Kunden als auch die Geschäfte zwischen Banken erfasst. Schaut man nur auf die Geschäfte der Banken mit Kunden, ergibt sich im Vergleich der Jahre 2001 und 2015 ein geringer Rückgang der Zinsspanne von 1,55 auf 1,42 Prozent – bei einem um rund 4 Prozentpunkte unterschiedlichen Leitzins.

          Für die Vereinigten Staaten gelangt eine Untersuchung von drei Ökonomen der New York University ebenfalls zu dem Schluss, dass der Zusammenhang zwischen dem Leitzins der Fed und der Zinsmarge der amerikanischen Banken bestenfalls lose ist. So schwankte die Zinsmarge der Banken im Zeitraum von 1955 bis 2013 in einem schmalen Band zwischen 2,2 und 3,7 Prozent, während sich der amerikanische Leitzins in diesem Zeitraum in einem sehr breiten Korridor zwischen 0 und 19 Prozent bewegte.

          Als wesentlichen Grund für die relative Stabilität der Zinsmarge nennen die Ökonomen eine Marktmacht der Banken, die es ihnen gerade bei steigenden Leitzinsen gestattet, starken Einfluss auf ihren Einlagenzins zu nehmen. 70 Prozent der Verbindlichkeiten der Banken bestehen aus Kundeneinlagen. Die Marktmacht lässt sich erkennen, indem man den Zinssatz für kurzfristige Einlagen mit einem Zins für kurzfristige Geldmarktpapiere vergleicht. Der Abstand zwischen diesen beiden Zinsen nimmt immer dann zu, wenn die Notenbank ihren Leitzins erhöht.

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