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Studie : Liquidität stützt Hochzinsanleihen - noch

  • Aktualisiert am

Bild: Standard & Poor's

Das Kreditvolumen zur Finanzierung von Übernahmen erreicht immer neue Höhen, was nichts Gutes für die Bonität der Unternehmen bedeutet. Wenn die Ausfallraten steigen, dürfte auch die Party an den Hochzinsmärkten vorbei sein.

          Mit Hochzinsanleihen konnten Anleger in den vergangenen Jahren viel Geld verdienen. Vor einer heftigen Korrektur dieses Marktes wurde zwar schon häufig gewarnt, eingetroffen ist sie bislang freilich nicht.

          Die Rating-Agentur Standard & Poor's betont in einer aktuellen Studie einmal mehr die Risiken der kreditfinanzierten Übernahmen für die Bonität der Unternehmen. Die Analysten verweisen aber auch darauf, dass die hohe Liquidität die Kurse der Hochzinsanleihen weiterhin stützt.

          Rekordwerte auf den Kreditmärkten

          Mit Blick auf die Liquidität fällt S&P nur das Wort „Vollgas“ ein: Insgesamt flossen im ersten Quartal 72 Milliarden Dollar (54,1 Milliarden Euro) auf die europäischen Kredit- und Anleihenmärkte. Das neue Anleihenvolumen belief sich auf knapp sieben Milliarden Euro und liege damit auf Vorjahresniveau. Auf den Kreditmärkten wurden S&P zufolge aber sowohl bei der Zahl der Transaktionen als auch beim Volumen (47,2 Milliarden Euro) neue Rekordwerte erreicht (siehe Grafik).

          Kreditfinanzierte Übernahmen (LBOs) machten davon 44,6 Milliarden Euro oder 94,4 Prozent aus. In den Vereinigten Staaten dagegen trugen die LBOs nur 28,9 Prozent zum gesamten Kreditvolumen bei. „Das Aufkommen dieser neuen Spieler bedeutet ein neues Element der Unsicherheit“, schreiben die Analysten.

          „Frühe Warnung für erhöhte Kreditrisiken“

          Noch seien die Rating-Entwicklungen freundlich. Die hohen Unternehmensgewinne milderten den Druck von Herabstufungen. „Aber die Kombination von mehr kreditfinanzierten Übernahmen, Dividendenzahlungen, Aktienrückzahlungen und Anleihen mit laxeren Klauseln ist eine frühe Warnung für erhöhte Kreditrisiken, sobald der Kreditzyklus dreht“, heißt es in der Studie.

          Die Zahl der Kreditausfälle (Default) nehme zu, bewege sich aber weiterhin auf einem niedrigen Niveau. So habe es im ersten Quartal dieses Jahres nur einen Ausfall gegeben: Luxfer Holdings Plc. Der Anteil der säumigen Schuldner schlechter Bonität sei im Zwölfmonats-Durchschnitts bis Ende März auf 2,3 Prozent gestiegen. Im Dezember betrug diese Kennzahl noch 1,8 Prozent, 2005 lag sie nur bei 0,46 Prozent (siehe Grafik).

          „Wenig Raum für riesige Gewinne“

          „Die Renditen bleiben ansehnlich“, schreibt S&P und beruft sich auf Daten von Merrill Lynch. Demnach habe das europäische Hochzinssegment im ersten Quartal einen Ertrag von 1,53 Prozent gebracht, in den Vereinigten Staaten waren es 2,72 Prozent.

          „Die beeindruckende Wertentwicklung in den vergangenen Jahren lässt wenig Raum für riesige Gewinne 2007“, heißt in der Studie. Aber es sei trotzdem davon auszugehen, dass weiterhin viel Geld in Hochzinsanleihen fließe, solange „die Investoren Geld im Überfluss haben und die Kreditqualität nicht substantiell schwankt.“ Mit anderen Worten: Wenn die Ausfallraten heftig nach oben schnellen, was alles andere als unrealistisch ist, dürfte die Party am Markt für Hochzinsanleihen ganz schnell vorbei sein.

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