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Strukturierte Anleihen : Telekom-Cobold kommt mit fairer Ausgestaltung

  • Aktualisiert am

Telekomfirmen wie die Deutsche Telekom gelten immer noch als solvente Schuldner Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Cobold-Anleihen haben es in sich. Eine höhere Verzinsung soll die multiplen Risiken ausgleichen. Im Falle des Telecom-Cobolds der DZ Bank sind Ausgestaltung und Risiken durchaus akzeptabel.

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          Ordentliche Renditen am Anleihenmarkt einzustreichen ist momentan reichlich schwer. Deutsche Staatsanleihen bringen durchschnittlich 3,27 Prozent, erstklassige Unternehmensanleihen in der Regel auch nicht viel mehr.

          Eine fünfjährige Anleihe mit einer Emissionsrendite von 4,5 Prozent, herausgegeben von der DZ Bank, läßt da schon aufhorchen - auch wenn es sich um eine synthetische Anleihe handelt, die sich auf Unternehmensanleihen bezieht.

          Anleihe mit Renditevorsprung...

          „Richtig verbunden mit fünf Telekomwerten“ ist das Motto des Produkts. Folgerichtig liegen ihm fünf Anleihen der größten europäischen Telekommunikationsgesellschaften (Deutsche Telekom, British Telecom, France Telecom, Telefonica und Telecom Italia) zugrunde. Diese haben immerhin Ratings zwischen Baa2 (Telecom Italia) und A3 (Deutsche Telekom und France Telecom).

          Den Basiswerten gegenüber bietet die Anleihe einen Renditevorsprung von 44 bis 55 Basispunkten. Das klingt auf den ersten Blick zunächst durchaus attraktiv. Doch die Anleihe ist ein Cobold, genauer gesagt die 67. Auflage eines „Corporate Bond Linked Debt“ der Zentralbank des Volksbanken-Raiffeisenbanken-Verbundes.

          Solche Anlagen haben zumeist den gewaltigen Haken in der Form, daß das Risiko zwar grundsätzlich nicht anders als bei herkömmlichen Unternehmensanleihen in der Bonität der zugrundeliegenden Referenzunternehmen liegt, aber sich multipliziert. Konkret bedeutet dies folgendes: bei Eintritt eines sogenannten „Kreditereignisses“ wird die Anleihe fällig und durch Anlieferung der Anleihe getilgt, bei der das Ereignis eingetreten ist.

          ... und kleinem Risikohaken

          Ein Kreditereignis besteht unter anderem in der Insolvenz, aber auch der Schuldenrestrukturierung, zum Beispiel durch Reduzierung vereinbarter Zinssätze oder Zinszahlungen. In diesem Fall werden auch keine weiteren Kuponzahlungen mehr geleistet.

          Das Risiko wird meist unterschätzt, da sich das Gesamtrisiko aus dem Produkt der Einzelrisiken der zugrundeliegenden Anleihen berechnet. Die Ausfallwahrscheinlichkeit einer Siemens-Anleihe liegt beispielsweise bei circa 0,5 Prozent, das einer BASF-Anleihe ebenfalls. Die Wahrscheinlichkeit, daß keine der beiden Anleihen ausfällt, liegt statistisch nicht bei 99,5 Prozent, sondern vielmehr bei 99 Prozent. Anders gewendet: Die Wahrscheinlichkeit, daß eine der beiden Anleihen ausfällt, beträgt fast ein Prozent.

          Faires Angebot

          Für die Cobold 67-Anleihe ergibt sich daraus ein statistisches Ausfallrisiko von etwa fünf Prozent, gegenüber circa 0,5 bis zwei Prozent für die Basiswerte. Diese Wahrscheinlichkeit entspricht in etwa der für Anleihen mit einem Rating zwischen Baa3/BBB- und Ba1/BB+. Zwei vergleichbare Unternehmensanleihen finden sich, eine vom Telekommunikationsausrüster Ericsson, die mit 4,51 Prozent rentiert sowie eine des britischen Tabakkonzerns Gallaher mit einer Rendite von 3,64 Prozent.

          Unter diesen Umständen erscheint die Cobold 67-Anleihe durchaus fair ausgestaltet. Allerdings trägt das Produkt einen Steuermalus. Nach derzeitiger Rechtslage, so die Emittentin, sei es als Finanzinnovation einzustufen. Damit unterliegen nicht nur die laufenden Zinserträge, sondern auch realisierte Kursgewinne bei Privatanlegern grundsätzlich in voller Höhe der Einkommensteuer. Das macht ein zwischenzeitlichen Ausstieg unter Umständen unattraktiv.

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