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Strukturierte Anleihen : Leichen im Keller des Verbriefungsmarkts

  • Aktualisiert am

Bild: JP Morgan Asset Management

Der Boom, die Intransparenz und der Mangel an Erfahrungen mit dem Verbriefungsmarkt verdecken anschwellende Risiken, meinen Experten. Derweil bereiten sich die Investmentbanken auf die nächste Runde des Geschäfts vor: das Krisenmanagement.

          Neue Anlageformen haben immer einen großen Nachteil. Dieser besteht darin, dass sie neu sind. Denn zum einen stürzen sich Investoren auf die neuen Vehikel, weil sie sich davon höhere Renditen erhoffen als von klassischen Anlageformen, deren Potential ausgereizt erscheint und von denen sie bereits wissen, was sie erwartet. Das treibt die Preise hoch und liefert zunächst die Renditen, auf die spekuliert wurde.

          Das führt in der Regel dazu, dass sich eine Bewertungsblase aufbaut, weil sich die bezahlten Preise und die unterliegenden Werte auseinander entwickeln. Außerdem können letztere nicht zuverlässig eruiert werden, weil etablierte und akzeptierte Bewertungsmodelle fehlen. Letztlich weiß niemand genau, was die Anlagen wirklich wert sind.

          Hütchenspiele mit Kreditrisiken

          In den vergangenen Jahren ist der Derivatemarkt und speziell der für Kreditderivate, verbriefte Forderungen, strukturierte Anleihen, synthetische Produkte oder wie die Begriffe alle lauten, explodiert. Das hat den Regulatoren des Finanzmarktes schon vor Monaten begonnen, Sorgen zu machen.

          Denn dadurch, dass Kredite von einem Finanzinstitut gewährt werden, diese aber zum Teil weiter verkauft oder auf dem Weg der Verbriefung weiter gegeben werden, wofür nicht nur wiederum neue Kreditverpflichtungen aufgebaut werden, sondern auch die Kredite plötzlich über den Eigenhandel in den Büchern anderer Institute landen, weiß am Ende niemand mehr, wer eigentlich welches Risiko und in welchem Umfang trägt. Und eines ist sicher: Wenn man ein Stück Land immer weiter aufteilt, wird es nicht weniger, allenfalls nutzloser.

          Die Aufteilung der Kreditrisiken aber wiegt den einzelnen Kreditgeber in trügerischer Sicherheit. Und so neigt er dazu, riskantere Kreditgeschäfte einzugehen, die einen höheren Ertrag versprechen. Dieses Risiko wird verteilt. Doch dadurch, dass der einzelne Block ein höheres Risiko trägt, vermag letztlich wiederum niemand genau zu sagen, wie sich das Gesamtrisiko unter dem Strich verändert hat.

          Druck aus dem Subprime-Markt

          Dabei kommt den Investmentbanken, die auf dem Verbriefungsmarkt gute Geschäfte gemacht haben und immer noch machen, zugute, dass der Markt wenig transparent ist. Wie sehr zum Beispiel die Subprime-Krise bereits auf den Markt für Verbriefungen durchgeschlagen hat, sei vielen Anlegern noch gar nicht bewusst, sagt etwa Joseph Mason, Professor für Finanzmarktkunde an der Philadelphia's Drexel University.

          Über 25 Prozent der verbrieften Kredite stammten aus dem Subprime-Markt. Und dort wüchsen die Zahlungsausfälle zu bedrohlichen Dimensionen heran: Allein im April stieg die Zahl der Vollstreckungen gegenüber dem Vorjahr um 62 Prozent.

          Investoren vertrauen vielfach auf die Ratings der Produkte. Doch ein im Dezember 2000 aufgelegtes Derivat der Credit Suisse, das von allen drei Agenturen die Bestnote erhalten hatte, so berichtet die Finanznachrichtenagentur Bloomberg, häufte bis zum Ende des vergangenen Jahres 125 Millionen Dollar Verluste an - bei einem Gesamtvolumen von 340,7 Millionen Dollar.

          Was die Investoren hätte stutzig machen sollen, war indes die versprochene Rendite von zehn Prozent, die bereit seinerzeit um 25 Prozent über dem Durchschnittsertrag von AAA-Anleihen lag.

          Wer bestimmt, wo der Hase lang läuft?

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