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Strukturierte Anleihen : Boost-Income-Zertifikat 2: Hoffen auf Verlierer

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Auch die Aktie des finnischen Papierkonzern Stora Enso ist im Korb des Zertifikats enthalten Bild: Stora Enso

Zwei Jahre lang sieben Prozent Festzins lautet der Sirenenruf des Boost-Income-Zertifikats 2. Doch damit am Schluß die Rendite stimmt, darf es 2012 bei zehn von dreißig Aktien kein Kursdebakel geben - eine Wette mit schwer abschätzbaren Aussichten.

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          Sieben Prozent Festzins - das ist ja schon mal was. Mit solch hohen anfänglichen Festzinszahlungen locken derzeit einige Zertifikate. Doch meistens gibt es das Zins-Zuckerl nur für das erste Jahr, oft sogar nur für die ersten 16 Monate.

          So wird dann der Festzins verwässert, bis es an Augenwischerei grenzt. Das Boost-Income-2-Zertifikat (ISIN: DE000SG2J646) der Société Générale bietet ebenfalls anfänglich sieben Prozent Festzins. Indes nicht nur für ein sondern gleich in den ersten beiden Jahren. Das läßt sich schon besser an.

          Alles hängt an den zehn Losern

          Indes wäre ein Zertifikat ja kein Zertifikat, wenn seine Konstruktion unkompliziert wäre. Und das wird es beim Boost-Income-2 dann ab dem dritten Jahr für den Rest der insgesamt siebenjährigen Laufzeit erwartungsgemäß auch.

          Die Zinszahlungen der Folgejahre sind variabel und richten sich nach der Entwicklung der zehn schlechtesten Aktien in einem zugrundeliegenden Korb von 30 Anteilsscheinen. Zinsbasis sind dann weiter die sieben Prozent doch hinzugerechnet werden zehn Prozent der Wertentwicklung eben der zehn Loser-Papiere aus dem Basket.

          Auf diese Weise kann die Verzinsung dann bis auf Null absinken, wenn die zehn Schwächlinge insgesamt 70 Prozent oder mehr Kursverluste im Beobachtungszeitraum haben hinnehmen müssen. Dieser beträgt ein Jahr, gemessen jeweils zu bestimmten Stichtagen in der zweiten Februarhälfte.

          Express mit Teilkasko

          Und weil das immer noch zu einfach wäre, haben die Konstrukteure der französischen Bank noch zwei Extras in die Struktur des Zertifikats eingepackt. Zum ersten gibt es einen „bedingten Kapitalschutz“. Das bedeutet, daß am Ende der ordentlichen Laufzeit im Jahr 2013 der Nominalwert des Papiers auch dann zurückgezahlt wird, wenn die Verlierer-Aktien um nicht mehr als 25 Prozent gegenüber dem Ausgangsniveau des Jahres 2006 gefallen sind.

          Damit das Papier noch spannender wird, ist es zum zweiten als Express-Zertifikat ausgestaltet. Liegt der Wert des Referenzkorbs am Bewertungsstichtag der Laufzeitjahre 3 bis 6 mindestens bei 75 Prozent des Ausgangswerts, so wird das Zertifikat vorzeitig fällig und von Jahr zu Jahr mit einem Zinsaufschlag von sieben Prozentpunkten zurückgezahlt.

          Bei sovielen Wenns und Abers eines Express-Zertifikats mit Teilkasko- und Festzins-Komponente sind Aussagen über die zu erwartende Rendite naturgemäß etwas kompliziert. Im besten Fall liegt der Wert des Referenzkorb nur am Ende der Laufzeit über der Auslösungsschwelle von 75 Prozent, dann bringt es einschließlich der nicht vernachlässigbaren drei Prozent Agio eine Rendite von 6,45 Prozent.

          Rendite kann zum Laufzeitende immer noch verdorben werden

          Dieser Fall der Maximal-Rendite ist indes recht unwahrscheinlich. Denn dies würde bedeuten, daß die zehn Verlierer-Aktien bis 2012 deutlich im Minus liegen und sich erst dann erholen - ein Szenario, von dessen Eintreten man doch recht wenig überzeugt sein kann.

          Bei vorzeitiger Zurückzahlung sinkt die Rendite mit jedem Jahr ab, daß sie früher eintritt, und erreicht nach dem dritten Jahr schließlich nur 5,88 Prozent. Allemal noch genug Ertrag, zumal der Eintritt dieses Szenarios erheblich wahrscheinlicher ist. Denn dies würde voraussetzen, daß die zehn maßgeblichen Aktien gemeinsam nicht mehr als 25 Prozent in drei Jahren verloren haben.

          Mindestens ebenso wahrscheinlich ist indes, daß der Wert des Referenzkorbs bis zum Schluß nicht über die Auslösungsschwelle steigt. Wie das Zertifikat dann rentiert ist völlig offen, da dies von den jeweils gezahlten variablen Zinsen abhängt. Indes bedeutet ein Wert von jeweils unter 75 Prozent des Ausgangswerts maximal eine Zinszahlung von 4,499 Prozent.

          Das klingt zwar immer noch nicht übel - doch wird die Rendite dadurch verdorben, daß der Kapitalschutz am Ende abgeschaltet bleibt. Denn auf diese Weise läßt sich zum Laufzeitende nur noch eine Rendite von maximal rund einem Prozent p.a. verbuchen. Je nach Entwicklung des Referenzkorbs kann die Rendite auch stark negativ werden.

          Freundliche Aktienmärkte: Mitten drin oder nur dabei?

          Insbesondere das letzte Jahr der Laufzeit ist kritisch. Denn sollte das Jahr 2012/2013 ein schlechtes Börsenjahr werden, kann das die bis dahin erzielte Rendite von maximal 4,17 Prozent noch vollkommen ruinieren, weil der Nennwert nicht zurückgezahlt wird.

          Prognosen sind schwierig - denn der erste Stichtag ist ja erst im Februar 2009. Auch der kunterbunte Aktienkorb, dessen Firmen zu 40 Prozent Frankreich und Amerika ihre Heimat nennen und von denen knapp vierte ein Versorger und jede sechste eine Bank ist, macht es nicht leichter. Die BASF-Aktie verzeichnete beispielsweise in den vergangenen vier Jahren eine maximale Wertschwankung von 130 Prozent, andere weisen das Dreifache auf.

          In letzter Konsequenz bedeutet dies, daß die Rendite des Zertifikats letztlich nicht seriös prognostizierbar ist. Es handelt sich daher um eine Zinswette auf eine positive Entwicklung der Aktienmärkte bis ins Jahr 2013, bei der der Anleger sich nicht direkt engagiert. Da fragt sich natürlich, ob man mit einer Direktanlage in Aktien mittendrin nicht besser vertreten ist. Zeichnen kann man das Boost-Income-2-Zertifikat übrigens noch bis zum 17. Februar.

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