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Strategie : Verkaufe amerikanische Anleihen - kaufe japanische Aktien

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Marc Faber hat unter Pessimisten eine treue Fangemeinde Bild: Bloomberg

Die Stimmung an den Börsen ist positiv. Die makroökonomischen Ungleichgewichte spielten keine Rolle. Sie beruhten auf einer „Ersparnisschwemme“, sagt etwa Ben Bernanke als künftiger FED-Präsident. „Anlageguru“ Marc Faber ist anderer Meinung.

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          Die Stimmung an den Börsen ist positiv. Trotz der zum Teil deutlichen Kursgewinnen in den vergangenen Monaten rechnen Anleger mit einer so genannten Jahresendrally. Dabei bauen sie vor allem auf die Erfahrungen der Vergangenheit, aber auch auf die in der Tendenz positive Berichterstattung in den Medien.

          So sei das Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten robust und führe zusammen mit den deutlichen Wachstumsraten in den Schwellenländern - allen voran in China - zu einer nachhaltig positiven weltwirtschaftlichen Entwicklung. In diesem Umfeld wären die Unternehmen in der Lage, ihre Gewinne weiter zu steigern, was wiederum die Aktienkurse weiter nach oben bringen werde.

          Die makroökonomischen Ungleichgewichte spielten keine Rolle, wird immer wieder berichtet. Denn sie seien nur das Resultat der Globalisierung und eines ausgeprägten Sparwahns in weiten Teilen der Welt. Er führe dazu, daß sich Amerika und vor allem auch die amerikanischen Konsumenten günstig refinanzieren können. Daran sei nichts schlechtes und schon gar nichts problematisches zu finden, heißt es.

          Bild: Ed Yardeni

          Genau diese Sichtweise wird auch unterstützt von Ben Bernanke, dem künftigen Zentralbankchef in den Vereinigten Staaten. Seine Ernennung wurde vielfach begrüßt mit der Erwartung, die bisherige Geld- und Zinspolitik werde fortgesetzt werden.

          Es gibt allerdings auch kritische Stimmen. Zum Beispiel jene von Marc Faber. Er ist bekannt für seine gute Nase in Bezug auf Anlagemöglichkeiten, vor allem aber auch aufgrund seiner ausgeprägten Meinungsstärke. Sie zeigt sich unter anderem in Form eines fiktiven Interviews auf seiner Web-Site www.gloomboomdoom.com, in das er seine aktuelle Meinung zu den Märkten eingebettet hat.

          Ist die Ernennung von Ben Bernanke positiv für Aktien- und Rentenmärkte, heißt es dort?

          Mittelfristig könnte Herr Bernanke geneigt sein, die Zinsen etwas weiter anzuziehen, als Alan Greenspan es getan hätte. Auf diese Weise könnte er versuchen, sein Image als „Gelddrucker“ zu verbessern und die Glaubwürdigkeit zu erhöhen. Das Wachstum der ausländischen Dollarreserven nimmt deswegen weiterhin ab. Das ist negativ für das weltweite Wachstum, für die Börsen in den Schwellenländern, für die Rohstoffpreise und positiv für den Dollar.

          Sobald jedoch auch für die notorisch optimistische amerikanische Zentralbank deutlich wird, daß sich das amerikanische Wirtschaftswachstum aufgrund der knapperen Liquiditätsversorgung abschwächen wird, könnten die Rentenmärkte ausgehend von einer technisch etwas überkauften Situation zu einer Rally ansetzen.

          Man sollte jedoch keinen Fehler machen. Denn sobald Herr Bernanke realisiert, daß die amerikanische Wirtschaft nicht so gesund ist, wie er gedacht hat und daß steigende Zinsen die Wertpapiermärkte in die Defensive bringt, wird er Geld drucken, als ob es kein Morgen gäbe. Schwache Autoverkaufszahlen und ein nachgebendes Verbrauchervertrauen könnten jetzt schon darauf hinweisen, daß die amerikanische Wirtschaft schwächer ist, als die Anleger glauben.

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