https://www.faz.net/-gv6-qhwa

Strategie : Riskante Wetten auf geldpolitische Kursinflation

  • Aktualisiert am

Bild: Gallup

An den Finanzmärkten macht sich Euphorie breit. Die Rohstoffpreise und Kurse werden von geldpolitischen Impulsen getrieben. Auf der anderen Seite haben sich die Staaten stark verschuldet. Die Schulden können das teuer erkaufte Wachstum dämpfen.

          2 Min.

          An den Finanzmärkten macht sich langsam Euphorie breit. Von Krisen oder Bedenken will in der Woche nach einem harm- und bisslosen Treffen der Finanzminister der G-20-Staaten niemand etwas wissen. Alles setzen auf den Status Quo.

          Und der bedeutet die Fortsetzung der in den vergangenen Wochen etablierten Erwartungen, nach welchen manche Zentralbanken - allen voran die amerikanische, die britische und die japanische - die Finanzmärkte mit Liquidität fluten und auf diese Weise unabhängig von sonstigen fundamentalen Überlegungen für Kursauftrieb sorgen werden. Aus diesen Gründen steigen die Kurse an den Börsen und den Rentenmärkten gleichzeitig, während der Dollar am Devisenmarkt und an den Rohstoffmärkten an Wert verliert.

          Preise und Kurse werden von den geldpolitischen Impulsen getrieben

          Starke Kursgewinne an den überbewerteten chinesischen Börsen sprechen eine deutliche Sprache. Immerhin wird die Geldpolitik Chinas im Kern durch die amerikanische Zentralbank bestimmt, da China seine Währung mehr oder weniger stark an den Dollar gebunden hat. In diesem Rahmen muss das Land stark intervenieren, um die eigene Währung trotz der massiven Überschüsse im Außenhandel auf dem schwachen Niveau der amerikanischen Währung zu halten.

          Da die stark wachsenden Devisenreserven kaum vernünftig anzulegen und sterilisieren sind, sorgen sie zusammen mit weiterem heißem Geld, das auf eine Aufwertung der chinesischen Währung spekuliert, für gewaltige inflationäre Impulse in China. Sie zeigen sich sowohl in Form ausgeprägter Immobilienpreis- als auch in Aktienkursblasen. Selbst die Inflationsindizes entwickeln zusammen mit den stark steigenden Rohstoffpreise immer mehr Dynamik nach oben. Diese Entwicklung wäre nur zu stoppen, wenn China die Zinsen stark erhöhen oder die eigene Währung deutlich aufwerten lassen würde.

          So lange das nicht der Fall ist, bleiben die Exportprodukte des Landes ungemein günstig. Es exportiert über diese Schiene deflationäre Impulse in den Rest der Welt. Aus diesem Grund bleiben die Konsumentenpreisindizes in weiten Teilen der Welt vergleichweise tief und verleiten die dortigen Zentralbanken zu vergleichsweise expansiven geldpolitischen Strategien. Diese Konstellation verleitet Anleger trotz der im historischen Vergleich sehr tiefen Zinsen zum Kauf von Anleihen, von Aktien und von Rohstoffen.

          Hohe Schulden führen schließlich zu Wachstumsdämpfern

          Zum Kurs- und Preisauftrieb trägt nicht nur die Geldpolitik bei, sondern nach massiven Ausgabenprogrammen auf Pump - die Staatsschulden haben in den vergangenen Monaten zum Teil dramatisch zugenommen - können viele Unternehmen in Verbindung mit den Kostensenkungsprogrammen der vergangenen Monate hohe Gewinne ausweisen. Konjunkturindikatoren sehen im Vergleich mit schwachen Vorjahresperioden optisch sehr attraktiv aus - mit Ausnahme der Verschuldungszahlen natürlich. Die zeigen, wie das Wachstum zustande kam und wie teuer es erkauft wurde.

          Hohe Schulden müssen schließlich bedient und refinanziert oder gar getilgt werden. Diese Belastungen werden die künftige Wirtschaftsentwicklung belasten (siehe auch: „Defizite und Schulden ohne Ende sind nicht möglich“)-. Schon heute sind die Folgen in den Randstaaten Europas und in Großbritannien zu spüren. Selbst in den Vereinigten Staaten ist die Konsumneigung so gering wie schon lange nicht mehr. Umfragen von Gallup widerlegen die optisch „gut“ aussehenden, aber statistisch bearbeiteten Zahlen des Census Bureaus. Auf dieser Basis dürften kritische Anleger den gegenwärtigen Optimismus mit der notwendigen Skepsis begleiten und sich entsprechend verhalten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Klärungsbedarf: Zübeyde und Peter Feldmann am Abend der Wiederwahl des Oberbürgermeisters

          Feldmann und die Kita-Affäre : Gut bezahlte Nebenrolle

          Als Zübeyde Temizel noch am Konzept für eine Kita in Wiesbaden gearbeitet haben soll, besichtigte Peter Feldmann schon die „Dostluk“-Baustelle in Frankfurt. Und das ist längst nicht die einzige Ungereimtheit in der Sache.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.