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Niedrige Erträge : Stiftungen leiden unter den mageren Zinsen

Schönes Wetter im Urlaub: Bei niedrigen Renditen im Alter, muss in Zukunft vielleicht auch einmal der Golfplatz um die Ecke ausreichen Bild: mauritius images

Ob Stiftung oder Privathaushalt - die Probleme mit den niedrigen Zinsen ähneln sich. Es gibt nur drei Dinge, die dagegen helfen. Die Vermögensfrage.

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          Eltern wissen aus Erfahrung, dass kleine Kinder kleinen Kummer und große Kinder großen Kummer bereiten. Und wie sieht das beim Geld aus? Bereiten kleine Vermögen kleine Sorgen und große Vermögen große Sorgen? Oder gilt eher die Umkehrung: kleine Vermögen, großer Notstand, große Vermögen, kleiner Notstand? Man kann die Sätze verknüpfen, wie man will, zurzeit sind die meisten Anleger beim Geld ziemlich gleich, weil die Zinsen im Keller sind.

          Volker Looman
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Es ist verblüffend, wie sich die Probleme zum Beispiel in Stiftungen und Privathaushalten ähneln, wenn die Anlagen, egal ob niedrig oder hoch, keine Erträge mehr abwerfen, die Menschen aber dringend auf die Einnahmen angewiesen sind, weil sie sonst nur noch die Wahl zwischen Pest und Cholera haben. Es ist egal, ob sie ihren Betrieb einstellen oder an die Substanz gehen, der kleinste gemeinsame Nenner ist die Tatsache, dass der „Notstand“ in emotionaler Hinsicht mächtig an die Substanz geht, wie in folgendem Beispiel deutlich wird.

          Unterschiedliche Summe, gleich Probleme

          Da ist auf der einen Seite ein Pensionär mit einem Guthaben von 200.000 Euro, und da ist auf der anderen Seite eine Stiftung mit einem Vermögen von 10.000.000 Euro. Die Differenz mag auf den ersten Blick groß sein, doch bei genauem Hinsehen ist der Unterschied winzig. Die beiden Anleger leiden, und der Schmerz ist identisch. Der Ruheständler hat seine Ersparnisse, wie die „Analyse“ des Vermögens zeigt, in zehn Pfandbriefe angelegt. Die Stiftung hat ihr Vermögen, wie die Bilanz zeigt, auf vier Klassen verteilt: Eine Million liegt auf Girokonten, viereinhalb Millionen stecken in Anleihen, dreieinhalb Millionen sind in Immobilien vergraben, und eine Million ist in Aktien investiert worden.

          Der „kleine“ Anleger hat sich vor zehn Jahren, als er sich zur Ruhe setzte, ein einfaches Rezept verordnet. Die Pension liegt nach Abzug von Krankenversicherung und Steuern bei 1.500 Euro. Die Pfandbriefe werfen bei einem Zinssatz von 4 Prozent nach Abzug der Abgeltungsteuer ungefähr 6.000 Euro ab, so dass jeden Monat rund 2.000 Euro zur Verfügung stehen. Dieser Traum ist im Laufe der letzten Jahre zum Albtraum geworden, weil die Zinsen mehr oder wenig auf 0 Prozent gesunken sind, die monatliche Versorgung also auf 1.500 Euro geschrumpft ist.

          Der „große“ Investor hat mit anderen Zahlen gerechnet, doch das Strickmuster ist ähnlich. Er hat beim Bargeld etwa 2 Prozent angesetzt, bei den Anleihen waren es ebenfalls 4 Prozent, die Immobilien wurde mit 5 Prozent gerechnet, und bei den Aktien kalkulierte der Verwalter mit 6 Prozent. Das führte unter dem Strich zu jährlichen Einnahmen von 435.000 Euro, und mit diesem Batzen ließ sich gut wirtschaften. Die Stiftung hat ihre Steuern bezahlt, und sie konnte zahlreiche Projekte unterstützen. Nun sind die Erträge auf 210.000 Euro gesunken, und die Stiftung ist in Not geraten, weil das Loch nicht zu stopfen ist.

          Lage verbessern? Ganz einfach!

          Das sieht bei dem Privatmann nicht anders aus. Die Pension reicht aus, um das Auto, die Kleidung, die Lebensmittel und die Miete zu bezahlen. Die kleinen Freuden des Lebens wie zum Beispiel die Ausflüge an den Wochenenden und die Reisen im Frühjahr und im Herbst wurden aber mit Hilfe der Zinsen bezahlt. Damit ist seit zwei Jahren weitgehend Schluss, das geht mit den kümmerlichen Erträgen, welche die Pfandbriefe abwerfen, einfach nicht mehr.

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