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Steigende Verpflichtungen : Niedrige Zinsen erhöhen die Pensionslasten

Die Deutsche Telekom hat nur 12 Prozent ihrer Verpflichtungen angelegt - ein Fünftel davon in Aktien Bild: dapd

Die Kapitalmarktlage verschlechtert die Bilanzen von Unternehmen: Die Verpflichtungen gegenüber den Mitarbeitern, denen sie eine Pensionszusage gemacht haben, wachsen an.

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          Für die deutschen Unternehmen werden die niedrigen Kapitalmarktzinsen zunehmend zur Belastung. Denn sie lassen die Verpflichtungen gegenüber ihren Mitarbeitern stark anwachsen, denen sie eine Pensionszusage gemacht haben. Allein für die 30 Dax-Konzerne könnte deren aktueller Wert am Ende des Jahres um bis zu 40 Milliarden auf 300 Milliarden Euro steigen. Das geht aus einer Erhebung des Beratungsunternehmens Mercer hervor. Schon in den ersten sechs Monaten dieses Jahres wuchsen sie um 22 auf 281 Milliarden Euro, haben die Fachleute des Wettbewerbers Towers Watson errechnet.

          Philipp Krohn
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Der Hauptgrund für den deutlichen Anstieg ist ein Rückgang des Rechnungszinses, den die Konzerne verwenden, um den aktuellen Wert ihrer künftigen Zahlungen an Pensionäre zu ermitteln. Er basiert auf der Umlaufrendite von Anleihen mit langer Laufzeit und höchster Bonität. Da die Vorschriften Interpretationsspielräume lassen, kommen unterschiedliche Ergebnisse zustande. Towers Watson etwa rechnet zum Stichtag Ende Juni mit einem Zins von 4,09 Prozent - gegenüber 4,75 Prozent ein halbes Jahr zuvor. Der Zins spiegelt, welche Rendite die Betriebe mindestens erzielen müssen, um ihren Verpflichtungen nachzukommen. Gelingt ihnen das nicht, müssen sie Geld aus dem Eigenkapital nachschießen.

          Das Jahresergebnis wird nicht belastet

          Die Unternehmen können ihre Verpflichtungen aus dem operativen Geldzufluss erfüllen oder Rückstellungen bilden. Derzeit haben die Dax-Konzerne 62 Prozent ihrer Verpflichtungen in Planvermögen angelegt - überwiegend in festverzinslichen Papieren, zu einem größeren Teil als Lebensversicherer oder Pensionskassen auch in Aktien (siehe Grafik). Noch vor einem halben Jahr lag der Grad der Ausfinanzierung um 3,6 Prozentpunkte höher. Dass sich diese Vermögen um durchschnittlich 4,3 Prozent verzinst haben, reichte also nicht aus, um den Anstieg des Rechnungszinses auszugleichen. Unter den M-Dax-Werten waren durch diese Entwicklung nur noch 46,4 Prozent der Verpflichtungen ausfinanziert - gegen 49,1 Prozent ein halbes Jahr zuvor.

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          Für die Konzerne bedeutet das zunächst nur, dass in der Bilanz höhere Werte festgeschrieben werden. Das Jahresergebnis wird nicht belastet. „Deshalb sind keine direkten Maßnahmen erforderlich, da der Zins bei einer gegenläufigen Entwicklung auch wieder steigt“, sagt Thomas Hagemann, Chefaktuar von Mercer Deutschland. Eine lang anhaltende Niedrigzinsphase würde die Unternehmen aber zwingen, mehr Mittel zurückzustellen, wenn sie weiterhin hohe Grade an Ausfinanzierung anstreben wie die großen deutschen Banken oder SAP.

          Einige Unternehmen entscheiden sich gegen hohe Planvermögen. Die Deutsche Telekom hat nur 12 Prozent ihrer Verpflichtungen angelegt - ein Fünftel davon in Aktien. Die jährlichen Versorgungszahlungen betragen 400 Millionen Euro bei einem Mittelzufluss von 6 bis 7 Milliarden Euro. „Der Betrag ist prozentual so gering, dass wir ihn leicht aus dem operativen Geldzufluss bedienen können“, sagt ein Sprecher. Mit 7 Milliarden Euro sind die Verpflichtungen niedriger als in anderen Konzernen. Die Berater von Towers Watson sehen in hohen Planvermögen kein Qualitätsmerkmal. „Ob ein Konzern ausfinanziert, ist eine unternehmensindivuelle Entscheidung“, sagt Berater Thomas Jasper.

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