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Stabilitätskonzepte : Geldpolitik im Teufelskreis

Bild: F.A.Z.

In der Krise bewegt sich die Geldpolitik auf einem schmalen Grat zwischen Deflation und Inflation. Geldwertstabilität, Finanzstabilität und die Tragfähigkeit der Staatsverschuldung sind miteinander verbundene Konzepte.

          Die im Jahre 2007 ausgebrochene Finanzkrise hat Zweifel an zuvor verbreiteten ökonomischen Konzepten genährt. Vor der Krise galt das „Inflation Targeting“ als eine empfehlenswerte Strategie zur Geldwertsicherung. Die Inflationsrate war die direkte Zielgröße, die direkt mit Hilfe des Leitzinses gesteuert werden sollte. Die Stabilität des Finanzsystems und die Tragfähigkeit der Staatsverschuldung wurden als gegeben angenommen und konnten unabhängig von der Finanzaufsicht und den Regierungen (Fiskalbehörden) abgesichert werden.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Wie die Krise lehrt, sind Geldwertstabilität, Finanzstabilität und die Tragfähigkeit der Staatsverschuldung jedoch keine voneinander unabhängigen, sondern miteinander verbundene Konzepte. Eine Geldpolitik, die dies nicht erkennt, begibt sich in Gefahr, von Regierungen oder Banken unter Druck zu geraten und eine Geldpolitik zu betreiben, die sie vom Ziel der Geldwertstabilität wegführt. Das Ergebnis kann entweder hohe Inflation oder Deflation sein.

          Drei Stabilitätskonzepte

          Die Verbundenheit der drei Stabilitätskonzepte ergibt sich aus einer Analyse, die Ineffizienzen von Finanzmärkten berücksichtigt, die Rolle von Banken ernst nimmt und Verteilungseffekte zwischen produktiven und weniger produktiven Wirtschaftseinheiten betrachtet. In dieser Analyse spielt die Verteilung der Vermögen eine Rolle für die Kredittätigkeit und das Wirtschaftswachstum. In der Krise unterbleibt eine optimale Allokation von Ersparnissen, weil unterkapitalisierte Banken in ihrer Kreditvergabe gehemmt sind.

          Die dominierenden makroökonomischen Modelle können solche Prozesse nicht untersuchen, weil sie von einem für die Wirtschaft repräsentativen Individuum bevölkert werden. Alternative Modelle unterteilen die Gesamtwirtschaft in Sektoren, deren Ausstattung und Präferenzen verschieden sein können. Um ein Beispiel zu geben: Für deutsche Anleger, die Geldvermögen gegenüber Sachvermögen bevorzugen, spielt Inflation eine andere Rolle als für einen Investor in Spanien, der mit einem Bankkredit den Kauf einer Immobilie finanziert hat.

          Passive Geldpolitik in der Krise begünstigt Deflation

          Der Auslöser einer Krise kann ein negativer Schock oder auch die gewonnene Erkenntnis sein, dass der bisherige Wachstumspfad nicht nachhaltig aufrechtzuerhalten ist. Eine Geldpolitik, die sich nach dem Ausbruch der Krise passiv verhält, kann schweren Schaden anrichten. Der Schock verursacht Wertverluste auf den Aktivseiten von Banken, zum Beispiel in Gestalt fauler Kredite für Wohn- und Gewerbeimmobilien. Die Banken werden auf diese Wertverluste mit dem Versuch reagieren, ihr Geschäft, sprich ihre Bilanzsumme, zu reduzieren, indem sie Aktiva verkaufen und ihre Kreditvergabe zurückfahren.

          Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht ist eine geringere Kreditvergabe gleichbedeutend mit einer rückläufigen Geldschöpfung, da die Banken weniger Sichteinlagen produktiv einsetzen. Die Verringerung der Geldmenge erzeugt Deflationsgefahr, die ihrerseits den Realwert der Verbindlichkeiten von Banken und Unternehmen bedroht.

          Finanzsektor der Vereinigten Staaten

          Beide Seiten der Bankbilanz schaffen Probleme: Auf der Aktivseite verlieren ihre Forderungen an Wert, während auf der Passivseite der reale Wert ihrer Verbindlichkeiten zunimmt. Angesichts dieser Malaise werden sie versuchen, ihre Bilanzsumme weiter zu reduzieren, was zusätzlichen Deflationsdruck erzeugt, der wiederum die Bankbilanzen unter weiteren Druck setzt. Es entsteht ein erster Teufelskreis: Wenn die Geldpolitik nicht eingreift, droht die Wirtschaft in eine Deflationsspirale zu stürzen, wie sie in der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre von dem amerikanischen Ökonomen Irving Fisher beschrieben wurde.

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