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Staatsschuldenkrise : Geht die Monetarisierung der Schulden weiter?

  • Aktualisiert am

Bild: Thomson Reuters, Credit Suisse

Nach zuvor ausgeprägten Verlusten kommt es am Montag an den europäischen Börsen zu einer gewaltigen Erholungsrally. Sind das erste Wetten auf eine Monetarisierung der Schulden in Europa?

          3 Min.

          Nach ausgeprägten Wetten auf fallende Kurse noch in der vergangenen Woche kommt es am Montag an den europäischen Börsen zu einer gewaltigen Erholungsrally. Finanzwerte wie die Aktien der Intesa Sanpaolo, der Erste Bank, der Allianz, der Axa, der deutschen Bank, des Unicredit, der französischen Großbanken und der Commerzbank können im Tagesverlauf Kursgewinne von 7,5 und 13 Prozent verzeichnen.

          Um das zu erreichen werden alle nur denkbaren Krisenszenarien geschürt. Bei einem „ungeordneten“ Auseinanderbrechen der Eurozone würden den Banken in Europa Verluste von 930 Milliarden Euro entstehen. Zu diesem extremen Ergebnis kommt beispielsweise eine Studie der Credit Suisse Group.

          Enorme Verluste bei einem Auseinanderbrechen der Eurozone denkbar

          Die Verluste der Banken im Kern Europas würden sich auf rund 300 Milliarden Euro belaufen. Weitere Verluste von schätzungsweise 630 Milliarden Euro könnten bei den Banken in der Euro-Randzone anfallen, heißt es darin. Italien sei nicht in diese Gruppe eingeordnet worden, da die Auslandsverbindlichkeiten des Landes vergleichsweise gering seien. Die Europäische Zentralbank müsste mit einer Verlustsumme von 150 Milliarden Euro rechnen.

          Die Verluste würden in einem Rahmen anfallen, in welchem die Peripheriestaaten die Eurozone verlassen und eigene Währungen einführen würden. Diese würden aufgrund der mangelhaften Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Staaten um bis zu 50 Prozent abwerten. Das würde die Schulden der Staaten (ex Italien) auf 200 bis 250 Prozent der Bruttoinlandsprodukte steigen lassen und letztlich zu einer Ausfallquote von 40 Prozent bei staatlichen und privaten Schuldnern führen, heißt es in der Studie.

          Immerhin würden die Verbindlichkeiten der Banken in den Peripheriestaaten um rund 800 Milliarden Euro zunehmen. Während die bei ihnen hinterlegten Guthaben eingefroren werden müssten, würde die wieder eingeführte D-Mark stark aufwerten und zu einem Handelskrieg führen. In diesem Rahmen würden die Unternehmensgewinne um bis zu 40 Prozent fallen, während die Aktien der Banken weitere Kursverluste von bis zu 40 Prozent hinnehmen müssten. Während die Exportunternehmen der europäischen Kernstaaten die Nachteile einer starken Währung verdauen müssten, könnten die Konkurrenten in den Peripheriestaaten prosperieren.

          Insgesamt liege das Risiko des Auseinanderbrechens der Eurozone bei zehn Prozent, da die Kosten der Rettung unter jenen lägen, die bei einem Auseinanderbrechen entstehen würden. Während die europäischen Anleihemärkte mit den gegenwärtigen Renditen von überzogenen „Schuldenschnitterwartungen“ ausgingen, seien Staatsverschuldung und Defizite in den europäischen Staaten (mit Ausnahme Griechenlands) geringer als in Großbritannien oder den Vereinigten Staaten. Das größte Risiko liege in Europa darin, dass Italien die Eurozone freiwillig verlasse. Grundsätzlich lasse sich die Wettbewerbsfähigkeit der Peripheriestaaten wieder herstellen, indem die Löhne und Gehälter um acht bis 15 Prozent gesenkt würden.

          Plädoyer für die Monetarisierung der Schulden

          Während sich die Krise Europas durch die Einführung von Eurobonds lösen lasse, dauere es zu lange, um sie einzuführen, heißt es in der Studie weiter. Eine andere Möglichkeit bestünde darin, den Rettungsfonds EFSF in eine Bank umzuwandeln und seine „Einkaufsmacht“ durch die Hilfe der Europäischen Zentralbank zu verzehnfachen. Allerdings sei nicht sicher, ob sich die dafür notwendigen rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen ließen. Eine stille Lösung bestünde darin, dass die Europäische Zentralbank fortführe, Papiere der Peripheriestaaten zu erwerben. Auf diese weise käme es faktisch zu fortgesetzten Fiskaltransfers.

          Die beste Lösung bestünde in einer „schwachen“ Monetarisierung der Staatsschulden und der Abwertung der europäischen Währung, heißt es im Fazit. Das kann kaum verwundern, würden die Banken davon in erster Linie davon profitieren, indem sie die aufgrund falscher Analysen erworbenen Staatsanleihen und die damit verbundenen Risiken günstig auf Kosten der Steuerzahler „entsorgen“ könnten, ohne für die eingegangenen Risiken selbst gerade stehen zu müssen.

          Tatsächlich scheint die Entwicklung in diese Richtung zu gehen. Denn die Europäische Zentralbank erwägt informierten Kreisen zufolge eine Wiederaufnahme ihrer Käufe von Covered Bonds. Diskussionen darüber sollen in der nächsten Woche stattfinden, wie ein Vertreter einer Zentralbank aus dem Euroraum Bloomberg News berichtete. Der Umfang möglicher Käufe von Covered Bonds wurde den Angaben zufolge noch nicht erörtert.

          Auch andere Maßnahmen zur weiteren Lockerung der Geldpolitik würden erwogen, hieß es. Bei der geldpolitischen Sitzung am sechsten Oktober werde auch die Wiedereinführung von 12-Monats-Darlehen für Banken erörtert, berichtete die informierte Person. Sie bat um Anonymität, da die Informationen vertraulich seien. Auch Zinssenkungen dürften debattiert werden, obwohl sie derzeit nicht auf der Tagesordnung stünden.

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