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Staatsschulden : Die Agentur, die Deutschland flüssig hält

Bild: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

Merkel, Schäuble & Co. beschließen Jahr für Jahr neue Schulden. Das Geld besorgt eine unscheinbare Gesellschaft in Frankfurt. Die Finanzagentur des Bundes hantiert mit Milliarden und garantiert, dass der Staat sein Konto nicht überzieht.

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          Carl Heinz Daube nimmt dieses Jahr 343 Milliarden Euro auf. Nicht für sich selbst, sondern für Deutschland. Nicht aus Patriotismus, sondern von Berufs wegen. Nicht nervös, sondern ganz gelassen. Er ist der Schuldenmanager des Staates. Er sorgt dafür, dass Deutschland geliehenes Geld rechtzeitig zurückzahlt. Er sorgt dafür, dass das Land sein Konto nicht überzieht. Carl Heinz Daube ist Geschäftsführer der Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland, einer staatseigenen GmbH, die vollkommen unscheinbar in der Lurgi-Allee im Mertonviertel in Frankfurt liegt.

          Alexander Armbruster
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Sein Büro ist im ersten Stock. Nach der Rolltreppe den linken Gang hinunter. Es ist hell und groß, neben dem Schreibtisch steht ein kleiner runder Tisch mit vier Stühlen für Verhandlungen im kleinen Kreis. Besonders bewohnt sieht es nicht aus, denn Carl Heinz Daube reist viel herum. Auf der ganzen Welt leiht sich die Bundesrepublik Geld, auf der ganzen Welt repräsentiert Daube deshalb die Agentur und pflegt Kontakte zu Investoren.

          Deutschland erklären

          Darunter sind große private und staatliche Fondsgesellschaften und auch manche Notenbank. Viele von ihnen wollen Milliardenbeträge langfristig anlegen, und Daube erläutert ihnen, warum deutsche Staatsanleihen eine gute Möglichkeit hierfür sind. Erst im Dezember war er in Asien unterwegs - in Peking, Macao und Hongkong.

          Die Investoren fragen ihn, welche Zinsen sie bekämen, wenn sie Deutschland Geld liehen, und wie sicher sie es zurückbekämen. „Sie wollen auch politische Rahmenbedingungen allgemein erklärt haben und wie einzelne Programme funktionieren, zum Beispiel die Abwrackprämie“, sagt er. Ihm hilft dabei, dass Deutschland an den Finanzmärkten als besonders solider Schuldner gilt.

          Ein Plan für Daube

          Wie viel Geld er innerhalb eines Jahres für Deutschland leiht, entscheidet aber weder er noch irgendjemand anderes in der Finanzagentur. Das macht der Bundestag, wenn er den Bundeshaushalt verabschiedet. Im dazugehörigen Haushaltsgesetz stehen alle geplanten Einnahmen und Ausgaben. Viel Geld bekommt der deutsche Staat über Steuern und Sozialabgaben. Wenn das nicht reicht, was für Deutschland die Regel ist, muss er Geld leihen - so, wie das auch jede Privatperson tun muss, die mehr Geld ausgeben will, als sie hat.

          Das fertige und verabschiedete Haushaltsgesetz inklusive geplanter Schulden landet schließlich auf Daubes Schreibtisch. Seine Agentur erstellt davon ausgehend einen sogenannten Emissionsplan für das ganze Haushaltsjahr. Darin steht, in welchem Monat die Bundesrepublik wie viele Anleihen in welchen Laufzeiten emittieren wird. „Der Emissionskalender ist öffentlich und sehr verlässlich; gerade diese Transparenz ist auch für unsere Kunden besonders wichtig.“

          Denn es geht um horrende Beträge. Allein in diesem Jahr wird Daube für Deutschland die gigantische Summe von 343 Milliarden Euro an den Finanzmärkten aufnehmen, wobei der größte Teil davon verwendet wird, um bestehende Schulden zu tilgen. Der kleinere Teil steht im Bundeshaushalt als Nettokreditaufnahme und soll in diesem Jahr 86 Milliarden Euro betragen.

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