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Staatsanleihen : Zuversicht an den europäischen Anleihemärkten

Bild: F.A.Z.

Starke Nachfrage nach neuen Anleihen aus Frankreich und Spanien lässt Renditen fallen. Deutsche Einjährige weisen sogar negative Rendite auf.

          An den meisten Märkten für Euro-Staatsanleihen haben die Renditen auch am Donnerstag weiter nachgegeben. Händler nannten gut ausgefallene Auktionen neuer Papiere in Frankreich und Spanien, ein Nachwirken der am Mittwoch angekündigten Währungsgeschäfte der große Zentralbanken sowie Hoffnungen auf schnelle politische Maßnahmen zur Eindämmung der Staatsschuldenkrise als wichtigste Gründe.

          Als gutes Zeichen wurde daneben vermerkt, dass in vielen Ländern die Renditen für Papiere mit kurzen Laufzeiten stärker fallen als die Renditen für Langläufer. Damit werden die Renditestrukturkurven wieder steiler - was als Signal für ein leichtes Nachlassen der Spannungen an den Märkten gedeutet werden kann. Besonders stark waren die Renditerückgänge in Frankreich, Belgien, Spanien, Italien und Österreich. Die Rendite der französischen Zehnjährigen fiel zeitweise um bis zu 25 Basispunkte. Das war der größte Rückgang im Tagesverlauf seit dem Jahr 1991.

          Der Renditeabstand zwischen französischen und deutschen zehnjährigen Staatsanleihen, der vor rund zwei Wochen mit 200 Basispunkten einen historischen Höchststand erreicht hatte, belief sich im Nachmittagshandel auf 93 Basispunkte. Allerdings warnte die Ratingagentur Fitch vor einem möglichen Verlust des „AAA“-Ratings.

          Warnung vor den Folgen hoher Renditen

          Frankreich hatte am Vormittag Staatsanleihen mit verschiedenen Laufzeiten für 4,3 Milliarden Euro versteigert. Die Nachfrage belief sich auf rund 12 Milliarden Euro. Spanien versteigerte für 3,8 Milliarden Euro Anleihen, die mehr als zwei Mal überzeichnet waren. Das Land zahlte zwar höhere Emissionsrenditen als bei der vorangegangenen Auktion, doch begannen auch hier die Renditen im anschließenden Handel deutlich zurückzugehen. Neben den Renditen der Staatsanleihen sanken auch die Preise für Kreditausfallderivate (CDS) auf Staatsanleihen sowie die Renditen vieler Unternehmensanleihen. In Belgien haben Privatanleger im Rahmen einer Werbewoche für Staatsanleihen in den vergangenen Tagen Papiere über 3,1 Milliarden Euro gezeichnet.

          Der italienische Arbeitgeberverband Cofinindustria warnte am Donnerstag vor den Folgen hoher Staatsanleihenrenditen. Verharre die italienische Rendite bei 7 Prozent, habe dies nicht nur für den Staat einen zusätzlichen Zinsaufwand von rund 30 Milliarden Euro in den beiden kommenden Jahren zur Folge. Gleichzeitig würden sich aber auch die Finanzierungskosten für die Wirtschaft zum Nachteil der Investitionen verteuern, warnte der Verband.

          Bei den Bundesanleihen ist in den vergangenen Tagen die Renditestrukturkurve ebenfalls ein wenig steiler geworden. Die Rendite der bis höchstens ein Jahr laufenden Schatzanweisungen (Bubills) lag sogar zeitweise im negativen Bereich. Einjährige Papiere rentierten am Donnerstag um die Nullmarke. Ihr Tief am Mittwoch lag bei minus 0,085 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen Anleihe lag wenig verändert bei 2,27 Prozent.

          „Kontoführungsgebühr“ für Schäuble

          Dass die Renditen von Bundespapieren am kurzen Ende unter Druck geraten sind, führt Unicredit-Analyst Kornelius Purps auf die Erwartung von Leitzinssenkungen zurück. „Der Markt kann sich inzwischen sogar vorstellen, dass die Europäische Zentralbank ihren Leitzins auch auf weniger als ein Prozent senkt“, sagt er. Die negativen Renditen vergleicht er mit einer „Kontoführungsgebühr“ für Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Negative Anleiherenditen seien Ausdruck einer extrem hohen Risikoaversion der Investoren. Diese werde aber nicht am lange Ende gespiegelt.

          Die negativen Renditen begründet Commerzbank-Analyst Rainer Guntermann mit der sehr hohen Präferenz der Investoren für liquide Anlagen. Viele Investoren müssten weiterhin in Euro-Anleihen investieren. Gerade vor dem Jahresende präferierten sie kurzlaufende, sehr liquide Anlagen. Dazu zählten vor allem Bundeswertpapiere. Die Liquiditätspräferenz sei so hoch, dass die Investoren dafür sogar eine negative Rendite in Kauf nähmen. Mit Blick auf eine weitere geldpolitische Lockerung empfiehlt die Royal Bank of Scotland, Bundespapiere mit Laufzeiten bis zu fünf Jahren zu kaufen.

          Die am langen Ende leicht steigenden Renditen sind nach Ansicht Guntermanns auf die in der vergangenen Woche gescheiterte Auktion zehnjähriger Bundesanleihen zurückzuführen. Zudem deuteten die Lösungsansätze für die Euro-Staatsschuldenkrise in Richtung Vergemeinschaftung der Schulden. „Dies untergräbt die Bonität des Bundes“, sagt Guntermann. Bei langlaufenden Papieren aus Deutschland wie aus der Peripherie rät die Royal Bank of Scotland, zunächst die weitere politische Entwicklung abzuwarten.

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