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Staatsanleihen : Zahlungsausfall Ecuadors könnte teuer werden

Correa zahlt nicht Bild: AP

Nun ist es Tatsache: Ecuador bezahlt Zinsen auf seine Anleihen nicht, da ein großer Teil der Schulden „illegitim“ sei. Es könnten für die Gläubiger die größten Umschuldungsverluste seit dem II. Weltkrieg werden.

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          Lange hatte Raffael Correa gedroht, nun macht Ecuadors Präsident ernst: Schon im Präsidentschaftswahlkampf vor zwei Jahren hatte der Politiker geäußert, Ecuador werde nur als legitim erachtete Auslandsschulden weiter bedienen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der nach einem „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ strebende Staatschef verfügte nun, dass die am Montag fällige Zinszahlung von 30,6 Millionen Dollar nicht erfolgen wird. Ein großer Teil der Auslandsschulden sei „illegitim“ und „unmoralisch“. Ecuador werde darum von den Anleihegläubigern „einen hohen Nachlass“ verlangen, erklärte Correa.

          Offiziell säumig

          Die Zinszahlungen für die 2012 auslaufende Anleihe war schon am 15. November fällig. Am Montag läuft nun die Nachzahlungsfrist aus, so dass Ecuador damit offiziell säumig ist. Zudem werden am Montag weitere 30,5 Millionen Dollar an Zinsen auf eine bis 2015 laufende Anleihe fällig.

          Bild: F.A.Z.

          Die Anleihenschulden des Landes belaufen sich auf 4,16 Milliarden Dollar und machen rund ein Drittel der gesamten Auslandsschulden Ecuadors aus. Die Regierung, die ihre Währungsreserven auf 5,7 Milliarden Dollar beziffert, hatte bis zuletzt betont, die fälligen Leistungen durchaus zahlen zu können.

          Die gesamten Staatsschulden entsprechen auch lediglich 26,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Doch die Zahlungsfähigkeit des Landes, das unter anderem stark von Erdölexporten abhängig ist, hat unter dem Verfall der Rohölpreise gelitten. Der Haushalt des Andenstaates hängt zu 40 Prozent vom Erlös aus der Ölförderung ab.

          Größte Verluste seit dem II. Weltkrieg möglich

          Die Ankündigung wird von Beobachtern in Quito vor allem deshalb als äußerst riskant bezeichnet, da das Land damit seine Chancen am Kapitalmarkt gefährdet.

          Für die Gläubiger könnten dies die größten Verluste durch eine Umschuldung seit dem II. Weltkrieg sein. Derzeit notieren die Anleihen deutlich unter 30 Prozent und damit etwa auf dem höchsten Niveau, was als einbringlich gilt. Das ist indes noch weniger als Investoren aus der argentinischen Umschuldung im Jahr 2005 erhielten, die bereits die drastischste seit dem Kriege war, so Arturo Porzecanski, Professor für Internationales Finanzwesen in Washington gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg.

          Für Ecuador wäre es nicht der erste Zahlungsausfall. Seit der Abspaltung von Groß-Kolumbien im Jahr 1830 hat der Staat sechsmal die Zahlungen eingestellt. Gerade die in Frage gestellten 2012 und 2030 fälligen Papiere sind Anleihen, die nach dem bisher letzten Zahlungsausfall im Jahr 1999 umstrukturiert wurden.

          Venezuela: Ölpreis nur noch halb so hoch wie nötig

          Die aktuelle Krise lenkt den Blick auf ein noch bedrohlicher erscheinendes Szenario in Lateinamerika, die Lage Venezuelas. Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat jüngst den Ausblick für die die Staatsanleihen des Landes auf negativ gesenkt.

          Was den Analysten Kummer macht, ist die Befürchtung, dass Präsident Hugo Chavez nicht gewillt sein wird, seine Ausgabenprogramme zu kürzen. Dies aber könnte bitter nötig sein.

          Denn der Preis für Öl, das rund 50 Prozent der Staatseinnahmen einbringt, ist mittlerweile um 70 Prozent gefallen. Am Freitag wurden für venezolanisches Öl nur noch 31,36 Dollar bezahlt, S&P rechnen im Jahresdurchschnitt mit 40 Dollar. Der am Donnerstag verabschiedete Haushalt kalkuliert aber mit 60 Dollar, zudem noch mit höheren Exportmengen.

          Selbst Staatspräsident Chavez bezifferte den Ölpreis, bis zu dem man sich keine Sorgen machen müsse, noch auf 55 Dollar. Da aber Chavez im März sich mittels eines Referendums eine neue Amtszeit bewilligen lassen will, ist von Ausgabenkürzungen nicht auszugehen.

          Gedankenspiel Kettenreaktion

          Alejandro Grisanti, Volkswirt bei Barclays, sieht Chavez im Zwang nach dem Referendum den Bolivar abzuwerten, Steuern zu erhöhen oder Subventionen zu verringern, glaubt aber selbst an eine Radikalisierung der Politik.

          Zahlungsschwierigkeiten Venezuelas könnten eine Kettenreaktion auslösen. Denn dies dürfte fast unweigerlich das immer noch kaum kapitalmarktfähige Argentinien zu Fall bringen, das seinerseits das mit ihm eng verbundene Uruguay mit sich reißen könnte.

          Leben von der Substanz

          Noch kann Venezuela allerdings von seinen aufgehäuften Reserven leben, die auf 87 Milliarden Dollar beziffert werden, womit sich das auf 25 Milliarden Dollar geschätzte Etatloch stopfen ließe. Das erklärt auch, warum die Preise der Kreditausfallversicherungen jüngst erst deutlich sanken. „Sie haben ein riesiges Kissen. Niemand ist besorgt, dass Venezuela zahlungsunfähig wird“, sagt etwa Edwin Gutierrez, Rentenfondsmanager bei Aberdeen.

          Auf knapp 26 Milliarden Dollar beläuft sich das Volumen venezolanischer Anleihen an deutschen Handelsplätzen, deren zeitliche Verteilung für das Land allerdings sehr bequem ist. Erst 2010 wird die erste Rente im Volumen von 1,5 Milliarden Dollar fällig und erst 20207 erreicht das Tilgungsvolumen einen Gipfel.

          Insofern hat Chavez noch Zeit gegenzusteuern und seine Politik an die geänderten Verhältnisse anzupassen und eine weniger substanzverzehrende Wirtschaftspolitik einzuleiten. Eingedenk der Traditionen lateinamerikanischer Politik ist davon aber nicht unbedingt auszugehen, so dass Zahlungsschwierigkeiten zu einem späteren Zeitpunkt nicht auszuschließen sind.

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