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Staatsanleihen : Ungarns Finanzmärkte kommen nicht zur Ruhe

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Hochwasser im ungarischen Ónod: Auch finanziell ist bei der Nation Land unter Bild: picture-alliance/ dpa

Die Unruhe um Ungarn auf den Finanzmärkten hält weiter an. Am Montag erhöhte die Zentralbank die Leitzinsen, um die inflationären Wirkungen des Sparpakets zu dämpfen. Die Renditen ungarischer Anleihen dürften künftig weiter steigen.

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          Die ungarische Notenbank hat am Montag überraschend den Leitzins von sechs auf 6,25 Prozent angehoben. Es ist ihre erste Leitzinserhöhung seit zweieinhalb Jahren. Notenbankpräsident Zsigmond Jarai sagt mit dieser Zinsanhebung dem Preisschub den Kampf an, den die Regierung unter anderem mit einer Mehrwertsteuererhöhung, einem Anstieg der staatlich kontrollierten Gaspreise ab August um 30 Prozent und einer Erhöhung der Zigarettensteuer mitauslösen wird.

          Nach einer Inflationsrate von 3,3 Prozent im Jahr 2006 rechnet die Nationalbank mit einer Verdoppelung des Preisanstieges auf sechs bis sieben Prozent im Jahr 2007. Die Notenbank hat sich zum Ziel gesetzt, die Jahresinflationsrate auf drei Prozent zu begrenzen. Die ungarische Währung Forint fiel am Dienstag auf Kurse von kanpp 276 Forint je Euro - so billig war die ungarische Währung noch nie.

          Weitere Entfernung vom EU-Niveau

          Bereits vor der Zinserhöhung am Montag war das Leitzinsniveau in Ungarn das höchste in der gesamten Europäischen Union gewesen. Analysten der Investmentbank Goldman Sachs oder der niederländischen Bank ABN Amro hatten es aber für unwahrscheinlich gehalten, daß die Notenbank die Zinsen erhöhen würde, solange ein Euro weniger als 275 Forint kostet. Allerdings hatte die Währung bereits am Wochenende auf 273 Forint je Euro abgewertet, nachdem der gewöhnlich wenig schwankungsanfällige Forint nach dem eindeutigen Wahlausgang im April noch auf Kurse von 260 Forint je Euro gestiegen war.

          Nach der isländischen Krone und der türkischen Lira ist der Forint mit einem Jahresverlust von rund zehn Prozent bislang die drittschwächste Währung. Goldman Sachs erwartet, daß bald sogar Kurse von 280 Forint je Euro erreicht werden und der Leitzins in einem Jahr bei sechs Prozent liegt. Da die Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen von derzeit 2,25 Prozent kaum in diesem Ausmaß anheben wird, entfernte sich Ungarn damit weiter vom EU-Niveau.

          Ungarns Anleihen und Ungarns Währung stehen seit Mitte vergangener Woche unter Abgabedruck. Mit der Herabstufung der Bonität durch die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) am Donnerstag ist auch das Strohfeuer erloschen, das die neue sozialistisch-liberale Regierung des Postkommunisten und Millionärs Ferenc Gyurcsany unmittelbar nach den gewonnenen Parlamentswahlen im April an den Finanzmärkten hatte entfachen können.

          Als erste Rating-Agentur hatte zwar Fitch erstmals seit der politischen Wende bereits im Dezember 2005 die Bonität Ungarns herabgestuft. Und seit längerem beklagen alle Rating-Agenturen den Zustand der öffentlichen Finanzen. Doch die Regierung wiegelte bislang ab. Obwohl sie viermal hintereinander ihre Jahresbudgetplanung verfehlt hatte, scheinen die Fondsmanager die Prognosen der Regierung bislang geglaubt zu haben.

          Zweifelhafter Gegenkurs

          Doch jetzt - nach der Regierungsbildung - mußte Premier Gyurcsany den zehn Millionen Bürgern reinen Wein einschenken. Ohne drastische Maßnahmen wüchse in diesem Jahr das Haushaltsdefizit im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt auf 9,6 Prozent, gestand Gyurcsany ein. Im Wahlkampf hatte die Regierung, wider besseres Wissen, wie sie jetzt zugab, ihre Prognose von 6,1 Prozent aufrechterhalten.

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