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Staatsanleihen : Türkische Anleihen unter Druck

  • Aktualisiert am

Nicht alle Türken sind mit einem Kandidaten Gül einverstanden Bild: dpa

Die politische Zukunft der Türkei ist aufgrund der kaum verhüllten Putschdrohungen des türkischen Militärs mit einem Mal unsicher geworden. Die Anleger bekommen wieder einmal die politischen Risiken von Anleihen aus Schwellenländern zu spüren.

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          Die Risiken von Investitionen in Schwellenländern wurden und werden seit einigen Jahren heruntergespielt und so floss selten viel Geld in in die Emerging Markets. Zwar gab es immer wieder einige Warnschüsse hinsichtlich der politischen Risiken, doch die jüngsten Ereignisse im land des EU-Aspiranten Türkei machen deutlich, dass sich trotz globalisierterer Weltwirtschaft an den politischen Sprengsätzen in einigen Ländern nichts geändert hat.

          Schwankten die Anleger noch in der vergangenen Woche zwischen Hoffen und Bangen, so führte die jüngste Zuspitzung der Krise um die Wahl des neuen Staatspräsidenten, wo das Militär noch kaum verhüllt mit einem Putsch droht, nachdem Ministerpräsident Erdogan seinen Außenminister Abdullah Gül als Kandidaten für das Amt des Staatspräsidenten benannte. Weltlich orientierte Türken befürchten, Gül könne die Trennung von Kirche und Staat auflösen.

          Unklarheit über weiteren Kurs

          Die Krise um die Präsidentenwahl war in der Nacht zum Samstag eskaliert, als der Generalstab in Ankara in scharfer Form vor einer Islamisierung der Türkei und damit indirekt vor einer Wahl von Außenminister Abdullah Gül zum Staatsoberhaupt gewarnt hatte. Bei einem Massenprotest von Hunderttausenden in Istanbul waren am Sonntag Rufe nach einem Rücktritt der Regierung laut geworden.

          Gül, der beim ersten Wahlgang im Parlament die erforderliche Zweidrittelmehrheit knapp verfehlt hatte, bekräftigte unterdessen, dass er an seiner Kandidatur festhalten werde. Ob die Wahl, wie von der parlamentarischen Opposition gefordert, ausgesetzt wird, wird das Verfassungsgericht in Ankara voraussichtlich an diesem Dienstag, spätestens aber vor der für Mittwoch geplanten zweiten Wahlrunde entscheiden.

          Angesichts der Spannungen zwischen der islamisch-konservativen Regierung und der Armeeführung hat der einflussreiche türkische Unternehmerverband TÜSIAD vorgezogene Parlamentswahlen als „zwingend“ bezeichnet.

          Währung und Börse brechen ein

          Am Montagmorgen brach daher die Istanbuler Börse stark ein. Der Leitindex sackte bei der Eröffnung um fast acht Prozent auf 43.116 Punkte ab. Zwar kann sie sich danach etwas erholen, dennoch bleibt es bei deutlichen Abschlägen von über sechs Prozent.

          Auch die Währung des Landes steht unter Druck. Die Türkische Lira verlor in der Spitze bis zu 4,5 Prozent. Auch die Intervention der EU, hinsichtlich der Verhandlungen der Türkei über einen EU-Beitritt sollte das Land demokratische Grundprinzipien nicht verletzten, halfen dem Kurs nicht zu einer durchgreifenden Erholung. Bei 1,3654 Lira für den Dollar zeigt sich die Währung am Montag zwar verhältnismäßig stabil, dennoch hat sie seit Freitag rund 2,7 Prozent abgewertet. Ähnlich verhält sie sich gegen den Euro.

          Am besten halten sich noch die Anleihen, obgleich auch diese deutlich abgeben. Die Kandidatur Güls hatte sogar ursprünglich für Auftrieb gesorgt, weil Marktteilnehmer eher befürchteten, dass Erdogan islamistische Ziele verfolgen und dies die Türkei von Europa entfernen werde. Die in amerikanischen Dollar notierende und bis 2030 laufende Benchmark-Anleihe (WKN 451038) stand in der vergangenen Woche sogar knapp vor ihrem Allzeithoch, berichtet Daniel Förtsch von der Wertpapierhandelsgesellschaft Walter Ludwig.

          Dollar-Anleihen brechen Aufwärtstrend ab

          Tatsächlich sind langlaufende türkische Dollar-Anleihen in den vergangenen Wochen recht beliebt gewesen und haben sehr nahe an ihren Höchstkursen notiert. Im Gegensatz dazu standen Euro-Anleihen weiter unter Druck. Darin dürfte aber mehr die relative Verfassung der Anleihenmärkte zum Ausdruck kommen als eine unterschiedliche Einschätzung des Risikos.

          Denn während Dollar-Anleger aufgrund der Schwäche der amerikanischen Wirtschaft und des Immobilienmarktes vermehrt in Staatsanleihen investieren, sind die Vorzeichen für den Euro-Markt andere. Am Montag indessen steigt die Rendite der 2009 fälligen Lira-Anleihen um 92 Basispunkte auf 19,24 Prozent.

          Die aktuellen Geschehnisse zeigen abermals deutlich, dass Schwellenländer-Investments mit höheren Risiken behaftet sind und Staatsanleihen dieser Nationen nicht ohne Grund höhere Renditen bieten. Eine Instabilität in der türkischen Politik könnte die Stabilisierungspolitik des Landes gefährden. Bereits jetzt ist das Land bei einer aktuellen Inflationsrate von 10,9 Prozent deutlich von der zum Jahresende seitens der Zentralbank angestrebten ziel eine Preissteigerungsrate von vier Prozent entfernt.

          Eine schwache Regierung oder eine um Legitimierung ringende Militärregierung oder eine von ihr eingesetzte Zivilregierung könnte dazu neigen, die Fiskalpolitik weiter zu lockern. Dies könnet wiederum zulasten der Preisstabilität gehen und die Notenbank zu Zinserhöhungen zwingen. Am meisten aber hasst der Markt wohl die derzeitige Unsicherheit.

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