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Staatsanleihen : Türkische Anleihen sind ein guter Kompromiß

  • Aktualisiert am

Bosporus: Auch akzeptable Renditen sind hier zu finden Bild: picture-alliance/ dpa

Wer fürs kommende Jahr gute Schwellenländer-Anleihen sucht, hat es nicht leicht. Die renditestärksten Titel haben wie immer ihre Tücken. Türkische Renten bieten sich als Kompromiß an.

          Glaubt man den Prognosen, so haben es Rentenanleger im kommenden Jahr nicht leicht. Glaubte man den Prognosen, hätten sie es auch in den vergangenen Jahren schon nicht leicht gehabt haben - und es ist doch anders gekommen. Selbst das laufende Jahr nahm nach einem unansehnlichen vierten Quartal schließlich doch noch einen versöhnlichen Abschluß.

          Ob das die Entwarnung darstellt, ist eine andere Frage. Jedenfalls haben die Kassandrarufe auf den Rentenmärkten Konjunktur - nicht ganz grundlos. In diesem Jahr sind die Erträge an vielen Anleihemärkten niedriger ausgefallen als noch 2004. Das vierte Quartal 2004 war für die Anleihemärkte die schlechteste Periode des Jahres, lediglich in Südafrika, Großbritannien, Australien und Neuseeland konnten sich die Anleger über einen Ertrag von mehr als einem Prozent freuen.

          Warnungen vor der inversen Zinskurve

          Steigen wie prognostiziert die Renditen in den Vereinigte Staaten wird auch das die Erträge schmälern, ja ihnen sogar Verluste bringen, legt man einige Prognosen zugrunde. Was Südafrika betrifft, so verweisen Experten darauf, daß sich die Rendite der zehnjährigen Papiere inzwischen so sehr dem Leitzinssatz angenähert hat, daß die Aussichten bestenfalls bescheiden seien, während bei ungarischen und polnischen Papieren die Euro-Beitrittseuphorie verflogen sei.

          Mit Blick auf die Invertierung der Renditestrukturkurve in den Vereinigten Staaten rät die Investmentbank Morgan Stanley zum Verkauf europäischer Anleihen, wenn sich eine Wachstumsabschwächung in den Vereinigte Staaten abzeichne. Eine inverse Kurve, also wenn zweijährige Staatsanleihen höher rentieren als zehnjährige Papiere, sei den vergangenen vier Rezessionen in den Vereinigten Staaten vorausgegangen.

          Doch jenseits der pessimistischen Einschätzungen sehen viele Strategen das Ganze nicht als so dramatisch an. Es gebe keinen Inflationsdruck und damit dürften auch die Leitzinsen nur moderat steigen und so solle man Anleihen ruhig halten und überhaupt gehörten Zinstitel als stabilisierender Faktor in jedes Depot. Unter diesen Umständen drängen sich nun doch wieder hochprozentige Anleihen von Unternehmen und Schwellenländern als Beimischung auf, da das Zinsniveau in Amerika und Europa recht niedrig bleiben dürfte.

          Jamaika bietet die höchste Rendite

          Wer unter den gegebenen Umständen etwas Ansprechendes sucht, hat es indes nicht leicht. Geht man von überschaubaren Laufzeiten bis zu fünf Jahren aus und will man sich Fremdwährungsrisiken nicht antun, so dünnt sich das Feld rasch aus (siehe auch Infografik).

          Richtig Rendite bietet mit aktuell 6,31 Prozent überhaupt nur eine Staatsanleihe. Emittent ist Jamaika. Das Papier ist nominal mit 10,5 Prozent verzinst. Der Karibikstaat ist mit einer Verschuldungsquote von 136,6 Prozent des Bruttosozialprodukts eines der höchstverschuldeten Länder der Welt. Insgesamt ist der Inselstaat wirtschaftlich anfällig und hat sein marodes Finanzsystem noch nicht endgültig sanieren können. Indes waren die jüngsten Wachstumszahlen stabil, wenn auch nicht berauschend und das Land gilt allgemein als auf der richtigen Spur befindlich.

          Türkische Anleihen als Kompromiß

          Wer sich an Jamaika nicht herantraut, muß schon kleinere Brötchen backen. 4,96 Prozent Rendite bietet aktuell eine zehnjährige brasilianische Anleihe, die nominal mit elf Prozent verzinst ist. Allerdings steht sie mit 121,95 Prozent so hoch im Kurs wie keine andere Schwellenländer-Anleihe auch nur annähernd. Und wer hoch steigt, kann auch tief fallen.

          Gemäßigter scheint da die venezolanische Anleihe, die eine Rendite von 4,353 Prozent aufweist. Auch sie hat einen Kupon von elf Prozent. Momentan schwimmt das Land auf der Welle des Ölbooms. Doch Präsident Chavez hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder als ausgesprochen unberechenbar erwiesen und will sein Geld in argentinischen Staatsanleihen anlegen. Nicht zuletzt der Spitzenpolitiker des Landes dürfte dafür verantwortlich sein, daß der Kurs der Anleihe seit September um 3,5 Prozent nachgegeben hat, während vergleichbare Anleihen zulegten.

          Unter diesen Umständen dürfte den zuletzt gleichfalls gebeutelten türkischen Anleihen mehr Sympathie entgegenbringen zu sein. Die schlimmsten Beitrittsenttäuschungen sind überstanden und das Land am Bosporus gilt als wirtschaftlich stabil. Mit Renditen über vier Prozent rentieren die Papiere überdies höher als Renten aus Kolumbien, Marokko oder Rumänien. Insofern erscheinen sie noch als einer der besten Kompromisse zwischen Rendite und Risiko.

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