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Staatsanleihen : Sorgen um Pakistan

  • Aktualisiert am

Die Finanzmärkte hoffen, dass in Pakistans Einkaufszentren bald wieder konsumiert wird Bild: REUTERS

Belastend wirkte sich die Ermordung der pakistanischen Oppositionsführerin Benazir Bhutto auf die Finanzmärkte in Asien und Amerika aus und dürfte auch den Dax am Freitag schwächen. Längerfristig aber rechnen Beobachter nicht mit Belastungen und hoffen dies auch für pakistanische Staatsanleihen.

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          Die Ermordung der pakistanischen Oppositionsführerin Bhutto ist keineswegs ein lokales und keineswegs ein rein politisches Ereignis. Welche Signalwirkung dem Attentat beigemessen wird, zeigt die Tatsache, dass die Finanzmärkte in Amerika und Asien deutlich darauf reagieren.

          Schon am Vorabend schlossen die Aktienkurse an der Wall Street deutlich schwächer. Der Dow-Jones-Index verlor 1,4 Prozent, der S&P-500 ebenfalls und auch der Nasdaq Composite gab 1,7 Prozent nach. Der Mord, so Händler, habe für erhebliche Verunsicherung gesorgt. Es bedeute eine Destabilisierung einer Region und eines Staates, mit dem die Vereinigten Staaten halbwegs freundschaftliche Beziehungen pflegten, so Analyst Marc Pado von Cantor Fitzgerald. Die Aktien an der Tokioter Börse und in Singapur zeigten sich mit einem Minus von rund 1,7 Prozent am Morgen gleichfalls schwach.

          Der Dollar trägt die Hauptlast

          Zudem kletterte der Ölpreis schon am Abend und erreichte am Freitagmorgen in Asien den bisher höchsten Stand im Dezember mit 96,84 Dollar für ein Barrel der Referenzsorte Light Sweet Crude. Indes wirke sich der Mord allenfalls indirekt aus, so Marktexperte Peter
          Beutel von Cameron Hanover, der den Anstieg auf den schwächeren Dollar zurückführt.

          Bild: FAZ.NET

          Dieser sei in Reaktion auf die Nachricht mit der dadurch wieder gestiegenen Risikoaversion der Marktakteure verkauft worden. Yuji Saito, Analyst bei der Société Générale, sieht auch den Dollar deutlichen Belastungen ausgesetzt. Der Mord habe Anleger gezwungen, Dollar-Positionen aufzulösen und so mit der politischen Situation verbundene Währungsrisiken zu verringern. Dies habe auch zu einer deutlichen Aufwertung des Yen geführt. „Es ist eindeutig ein Grund für Dollar-Verkäufe, weil die Vereinigten Staaten tief in Pakistan involviert sind“, erläutert Saito.

          Anlass zu Gewinnmitnahmen

          Laut Händlern nutzen kurzfristig orientierte Investoren die Nachricht, um mit dem Argument der Risikovermeidung kurz vor dem Jahresende Dollar-Positionen abzubauen und ihre Gewinne zu sichern. „Sollten die Aktienmärkte in Indien, das ja geographisch nah zu Pakistan liegt, schwach schließen, dann dürften auch die kurzfristigen Anleger im Londoner Handel den Dollar weiter verkaufen“, prognostiziert ein Händler. Aktuell liegt der indische Leitindex Sensex nur leicht im Minus.

          Indes glauben viele Händler an den asiatischen Märkten, die politische Unsicherheit in Pakistan werde nur von begrenzter Dauer sein, wohingegen langfristig die Wachstumsaussichten in Indien die Investoren überzeugen würden, auch wenn die indische Rupie prompt abwertete, weil Befürchtungen laut wurden, dass weltweit investierende Fonds ihr Engagement in der Region überdenken könnten.

          Wesentlich stärker dürfte die Nachricht die nicht eben stabilen pakistanischen Finanzmärkte treffen und dürften am Aktienmarkt, der bislang mit einem Kursgewinn von 47 Prozent ein Rekordjahr verzeichnet hatte und zu Wochenbeginn ein Rekordhoch von 14.814,55 Punkten erreichte, wohl für einige Verluste sorgen.

          Hoffen auf „business as usual“

          Am härtesten dürfte es indes die Staatsanleihen treffen. Die Aufschläge der Kreditversicherungen schossen am Donnerstag von 412 auf 495 Basispunkte hoch und kletterten am Freitag noch höher auf 530 Basispunkte, liegen damit aber immer noch unter dem rekordhoch von 550 Basispunkten, das sie nach der Verkündung des Ausnahmezustandes im November erreicht hatten. Noch hoffen die Investoren darauf, dass sich die Lage in den kommenden Tagen wieder beruhigt.

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