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Staatsanleihen : Sorgen um Ecuador nehmen ab

  • Aktualisiert am

Bild: Bloomberg

Mit einem „B-“ bewertet S&P neuerdings die Anleihen Ecuadors. Das ist nicht eben ein gutes Rating, nichtsdestoweniger ein Fortschritt, der Hoffnung macht, dass die Regierung Correa auch weiterhin zahlt.

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          Inhaber von Staatsanleihen des südamerikanischen Ecuador haben in den vergangenen Monaten einige Wechselbäder der Gefühle erlebt. Bis Jahresbeginn deutet alles daraufhin, dass das Land seine Anleihen nicht bedienen würde. Das Rating des Landes, das schon in der Ausgangssituation nicht eben gut war, sackte bis auf „Caa2“ bzw. „CCC“ durch.

          Inzwischen scheint sich aber immer stärker herauszukristallisieren, dass eine Zahlungseinstellung nicht erfolgen wird. „Wir versuchen unseren jährlichen Schuldendienst zu reduzieren“, sagte Wirtschaftsminister Fausto Ortiz der Nachrichtenagentur Bloomberg. Man erwäge den Umtausch bestehende Anleihen gegen Papiere mit niedrigerem Kupon.

          Weg vom Ende der Rating-Liste

          Dies kam nicht nur an den Anleihemärkten gut an, sondern auch bei der Rating-Agentur Standrad & Poor's (S&P). Diese hob nun die Bonitätsnote um zwei Stufen auf die Note „B-“ an - ein nicht eben hervorragendes Rating, aber dennoch wieder deutlicher von der Gefahr eines Ausfalls entfernt.

          Alles soll neu in Ecuador werden. Die Straße zum Parlamentsgebäude macht den Anfang
          Alles soll neu in Ecuador werden. Die Straße zum Parlamentsgebäude macht den Anfang : Bild: REUTERS

          Ecuador steht allerdings immer noch ganz am Ende der Liste der Agentur und teilt sich diese Plazierung mit dem Libanon, Bolivien und Grenada, wobei der Ausblick mit Ausnahme des Libanon stabil ist. Moody's ist dem Beispiel bislang nicht gefolgt. Erst Mitte Oktober wurde das Rating von „Caa2“ erneut bestätigt.

          S&P begründet die Anhebung des Ratings vor allem mit den steigenden Öleinnahmen des Landes verwiesen. Immer neue Rekordniveaus beim Rohölpreis stützten den Staatshaushalt der Ölexport-Nation und sorgten so für eine ausreichende Zahlungsfähigkeit.

          Correas Zahlungsunentschlossenheit bleibt

          Indes weist die Agentur in aller Deutlichkeit auf die Schwächen und Gefahren an. Derzeit befindet sich das Land im Umbau, im Zuge dessen niemand so recht beurteilen kann, wo die Reise hingeht.

          Präsident Rafael Correa gilt als Verbündeter des venezolanischen Präsidenten Chavez, dessen Wirtschaftspolitik als nationalistisch und etatistisch beurteilt wird. Im Oktober hat Correa per Gesetz die aus steigenden Ölpreisen resultierenden Mehrgewinne praktisch verstaatlicht. Correa folgt damit den von Chavez und dem bolivianischen Präsidenten Morales vorgegebenen Handlungsmustern, auch in der Sozialpolitik, in der er die Ausgaben erhöht hat und der er höhere Priorität einräumt als dem Schuldendienst.

          Wachstumsschwäche trotz Ölexport

          Dabei haben weder Bolivien noch Ecuador die Substanz um sich eine massive Umverteilungspolitik leisten zu können. S&P bezeichnete die Wachstumsaussichten als schwach. Finanzminister Ortiz räumte ein, dass die Zentralbank des Landes derzeit die Wachstumsprognose auf rund drei Prozent senken werde. Zuletzt lag die Prognose bei 3,4 Prozent, deutlich unter den 4,1 Prozent des Vorjahres, die 2008 wieder erreicht werden sollen. Das World Economic Forum führt Ecuador auf der Liste der Wettbewerbsfähigkeit auf Platz 103 von 131 Nationen.

          Besondere Sorge macht Experten und Regierung die Ölproduktion, mit der das Land rund 40 Prozent seiner Staatseinnahmen erwirtschaftet. Ölminister Galo Chiriboga hofft im laufenden Jahr die Produktion auf 500.000 und im kommenden Jahr auf 530.000 Barrel erhöhen zu können. Dazu beitragen soll auch ein zwei Milliarden Dollar schwerer Investitionsfonds. Ein weiterer Schritt ist der erneute Beitritt zur OPEC, die das Land 1992 verlassen hatte

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