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Staatsanleihen : Sorgen um Bundesanleihen

Gerät auch Deutschland in den Euro-Strudel? Bild: ZB

Die Renditen für Bundesanleihen steigen weiter. Die Fondsgesellschaft Pimco warnt vor zunehmenden Risiken und einem Qualitätsverlust deutscher Staatspapiere.

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          Die seit Tagen beobachtbare Tendenz steigender Renditen für Bundesanleihen hat sich auch zur Wochenmitte fortgesetzt. So errechnete sich bei der Aufstockung einer zehnjährigen Anleihe um 4 Milliarden Euro eine Rendite von 1,52 Prozent. Am Nachmittag betrug die Rendite 1,47 Prozent. Das ist im historischen Vergleich immer noch sehr niedrig, allerdings hatte die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen zu Monatsbeginn mit 1,17 Prozent spürbar niedriger gelegen. Seit rund zwei Wochen steigen zudem auch die Renditen anderer als sehr sicher geltender Staatspapiere wieder; darunter auch aus Ländern außerhalb des Euroraums wie Dänemark, Schweden oder Großbritannien (siehe Grafik).

          Für diese Entwicklung werden von Marktteilnehmern mehrere Gründe genannt. Die schwierige Lage der Währungsunion strahle nun auch auf bislang als „sichere Häfen“ geschätzte Märkte wie den deutschen aus, lautet ein Argument. Es sei am vergangenen Dienstag das erste Mal seit 1994 gewesen, dass die Renditen von Bundesanleihen und anderen europäischen Staatsanleihen gleichzeitig in die Höhe gingen, sagte Andrew Bosomworth, Geschäftsführer der Fondsgesellschaft Pimco in Deutschland, am Mittwoch in Frankfurt. „Deutschland verliert durch die zunehmenden Risiken an Qualität“, sagte Bosomworth weiter und spielte damit auf die hohen Garantiezusagen der Bundesregierung im Zuge der europäischen Schuldenkrise an.

          Renditen für deutsche, britische und dänische Staatsanleihen

          Der Preis für Bundesanleihen habe einfach nicht mehr gestimmt. Wenn sich Europa in Richtung einer politischen und Fiskalunion entwickle, dann sei eine Angleichung der Zinsen im Euroraum auf die Durchschnittsrendite zu erwarten. Und dann seien höhere Renditen für Bundesanleihen die Folge. Pimco habe wegen der hohen Staatsverschuldung Bundesanleihen wie auch viele andere europäische Staatsanleihen in seinen Rentenfonds derzeit untergewichtet. Auch gegenüber amerikanischen Staatsanleihen zeigt sich die vom Rentenfondsmanager Bill Gross gegründete Pimco zurückhaltend.

          Die Interpretation von Pimco ist allerdings nicht unumstritten, da nach Ansicht der Rabobank im Falle eines nachlassenden Vertrauens in die deutschen Anleihen der Preis für Kreditausfallderivate (CDS) auf Bundesanleihen stärker steigen müsste. In den vergangenen Tagen sei dieser Preis aber kaum mehr gestiegen. Am Mittwochnachmittag notierte der CDS für fünfjährige Bundesanleihen bei 109 Basispunkten.

          Da auch die Renditen von Anleihen aus Ländern außerhalb des Euroraums zulegen, muss es für diese Entwicklung noch andere Gründe geben. Hier verweisen Marktteilnehmer auf die Lockerung von Anlagevorschriften für Pensionsfonds in mehreren skandinavischen Ländern und in den Niederlanden. Danach besteht für diese Fonds weniger Zwang als zuvor, langlaufende Staatsanleihen zu kaufen.

          „Früher mussten sich die Fonds bei sinkenden Renditen durch den Kauf langlaufender Anleihen und dazu passende Swapgeschäfte absichern“, sagte Allan van Mehren, Anlagestratege bei der Danske Bank in Kopenhagen, der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Das ist nun anders. Viele Fonds verkaufen langlaufende Anleihen, vor allem aus Deutschland.“ Als dritter Grund für die steigenden Renditen wurde ein umfangreiches Angebot neuer Anleihen verschiedener Emittenten mit sehr gutem Rating genannt.

          Über die weitere Entwicklung ist man sich an den Märkten unsicher. In der Royal Bank of Canada halten Analysten einen Anstieg der Renditen für zehnjährige Bundesanleihen bis auf 1,75 Prozent für denkbar; man glaubt aber nicht, dass die Niedrigzinsphase dauerhaft beendet sein könnte. Viele Analysten schauen zudem auf den Preis des Bund-Terminkontrakts. Er schwankte am Mittwoch um 142 Punkte, wo aus charttechnischer Sicht eine Unterstützungslinie verläuft. Ein Fall unter 142 Punkte würde nach dieser Interpretation für eine Fortsetzung sinkender Kurse beziehungsweise steigender Renditen sprechen.

          Kurzfristig schaut der Markt zudem auf Italien, das am Mittwoch für 6,5 Milliarden Euro einjährige Papiere mit einer sehr hohen Rendite von 3,97 Prozent plazierte. Am Donnerstag bringt Italien mehrjährige Anleihen.

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