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Staatsanleihen : Rückzug der Ölkonzerne drückt venezolanische Anleihen

  • Aktualisiert am

Chávez' Politik wird für Venezuela zunehmend zur Belastung Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Ölkonzerne Exxon Mobil und Conoco Philips ziehen sich aus Venezuela zurück. Das bringt die Anleihen des Landes unter Druck. Längerfristig könnte die Situation für die Papiere sich weiter verschlechtern.

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          Auf Talfahrt befinden sich venezolanische Anleihen nicht erst seit gestern. Waren die Bonds bis Jahresende 2005 noch gefragt, befinden sich ihre Kurse mittlerweile häufig im freien Fall. Die Rendite der 2020 fälligen und mit sechs Prozent verzinsten Dollar-Anleihe ist mittlerweile auf 8,06 Prozent gestiegen.

          Auch am Donnerstag verbuchen die meisten venezolanischen Anleihen deutliche Kursverluste von bis zu 3,3 Prozent. Hintergrund ist, dass die Erkenntnis immer deutlicher wird, dass Venezuelas autoritär regierender Staatspräsident Hugo Chávez, auf Biegen und Brechen seine nationale Variante eines Sozialismus', den so genannten Bolivarismus, durchsetzen will.

          Exxon und Conoco ziehen sich zurück

          Zu diesem Zweck hat der Regent schon vor langer Zeit Vertragsänderungen für die in dem ölreichen Land aktiven internationalen Ölkonzerne angekündigt gehabt, die dem lateinamerikanischen Staat und seiner Bevölkerung mehr Anteile an den Gewinnen verschaffen sollen.

          Am Mittwoch wurde nun bekannt, dass diese aber nicht alle mitspielen - vor allem nicht die Amerikaner, deren Präsident zu den auserkorenen Lieblingsfeinden Chávez' gehört. Die Ölkonzerne Exxon Mobil und Conoco Phillips gaben nun bekannt, sich aus Venezuela zurückzuziehen. Beide Unternehmen sind nicht bereit, die neuen Bedingungen anzunehmen, wonach der venezolanische Staat von nun an in allen Förderbetrieben die Kapitalmehrheit und die operative Leitung übernehmen wird.

          Exxon Mobil sei enttäuscht, dass man keine Einigung mit der staatlichen Ölgesellschaft Pdvsa habe erreichen können, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens. Conoco Phillips verliert mit dem Rückzug rund zehn Prozent seiner Reserven. Die Konzerne müssen jetzt mit Pdvsa über eine Entschädigungszahlung verhandeln. Sollten sie keine Einigung erzielen, bleibt ihnen nur der Gang vor ein internationales Schiedsgericht.

          Andere Ölgesellschaften bleiben

          Andere ausländische Ölgesellschaften wie die französische Total, die amerikanische Chevron, die britische BP und Statoil aus Norwegen haben die neuen Bedingungen grundsätzlich angenommen. Sie wollen als Minderheitspartner weiter mit Pdvsa zusammenarbeiten. Pdvsa hält künftig je nach Projekt 60 bis 83 Prozent der Anteile, bisher waren es im Mittel 39 Prozent.

          Ali Moshiri, Südamerika-Chef von Chevron, nannte die neuen Konditionen „akzeptabel“. Für ein international tätiges Ölunternehmen sei es schwierig, nicht in Venezuela vertreten zu sein. Am Orinoco lagern vermutlich die größten Ölreserven der Welt (geschätzt rund 300 Milliarden Fass). Dabei handelt es sich allerdings um ein schweres, teerartiges Erdöl, das in einem aufwendigen Verfahren zu marktfähigem Synthetiköl aufbereitet werden muss. Amerikas Staatssekretär für Energie, Sam Bodman, sagte, er sei besorgt über den Rückzug der amerikanischen Unternehmen aus Venezuela, weil dies den Ölimport aus dem viertwichtigsten Lieferland der Vereinigten Staaten verringern könnte.

          Erklärtes Ziel von Chávez ist es, anstelle der Vereinigten Staaten andere Abnehmer zu finden. Und die stehen anscheinend schon Schlange, wobei Erinnerungen an die Tage des Kalten Krieges unwillkürlich wach werden. So wird angenommen, dass Chávez während seines derzeitigen Besuchs in Russland nicht nur über den Erwerb von acht russischen U-Booten und eines Raketenabwehrsystems für den Fall einer amerikanischen Invasion verhandelt.

          Erinnerungen an den Kalten Krieg

          Vielmehr wird angenommen, dass es auch um eine Vertiefung der Kooperation auf dem Energiesektor geht. Lukoil sucht bereits im bolivarischen Staat nach Öl und Gazprom soll interessiert sein, eine Gaspipeline von Venezuela nach Argentinien, Uruguay und Paraguay zu verlegen. Pikanterweise besitzt Conoco Philips eine Beteiligung von 21 Prozent an Lukoil.

          Auch China Petrochemical, besser bekannt als Sinopec, verhandelt nach eigenem Bekunden bereits über Bohrrechte. Schon im vergangenen August hatte Chávez einen vertrag über die Lieferung von Energieträgern im Volumen von elf Milliarden Dollar nach China unterzeichnet. Die Lieferungen nach China sollen von derzeit 150.000 Fass am Tag bis 2012 auf eine Million erhöht werden.

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