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Staatsanleihen : Renditen von Euro-Staatsanleihen im Niemandsland

  • Aktualisiert am

Bild: Bloomberg

Die Zinssenkung, die die Rohstoff- und Aktienmärkte anfeuert und dem Euro zu neuen Rekordständen verhilft, wirkt an den Anleihemärkten deutlich negativ. Vor allem ein verändertes Konjunktur- und Inflationsszenario sorgt in Amerika für Druck, wirkt in Europa indes stabilisierend.

          Die starke Zinssenkung der amerikanischen Zentralbank Fed wurde und wird an den Aktienmärkten immer noch mit Kursaufschlägen gefeiert, selbst wenn am Donnerstag die ersten Gewinnmitnahmen einsetzen und Gewinnwarnungen der Deutschen Bank hierzulande und des Kurierdienstleisters FedEx jenseits des Großen Teichs die Stimmung schon wieder belasten.

          Die Anleihenmärkte haben die Botschaft naturgemäß mit Kursabschlägen hingenommen. Das liegt allein schon an den rechnerischen Veränderungen im Zinsgefüge, ganz abgesehen von den konjunkturellen Implikationen. Die Bevorzugung risikoreicherer Aktienanlagen sorgt für deutliche Umschichtungen.

          Amerikanische Zinsstrukturkurve sollte steiler werden

          Das zeigt sich nicht zuletzt auch auf den Dollar-Geldmärkten, wo die hohen Aufschläge im Interbanken-Geldmarkt seit der Zinssenkung drastisch zurückgingen. Und auch die hohen Renditen für forderungsbesicherte Kurzläufer (Asset-Backed Commercial Paper) fielen massiv, so dass sie am Donnerstagmorgen fast wieder das Niveau verreichten, dass sie vor Beginn der Krise gehabt hatten. Auch die Renditeaufschläge der Kreditderivate sind wieder deutlich geringer geworden und einige Unternehmen wie die BASF kündigten prompt neue Anleihen an.

          Indes zeigen sich auch die negativen Aspekte des Schrittes. Denn was nicht übersehen werden kann, ist dass die - nun weniger stark betonten - Inflationsrisiken fortbestehen und eine Leitzinssenkung diesen Vorschub leistet, wie nicht zuletzt das prompt folgende Ölpreishoch gezeigt hat (Zinssenkung gibt Industrierohstoffen Aufwärtsimpulse).

          Diese Inflationsrisiken, so die Analysten der HSH Nordbank werden bei den langen Laufzeiten der amerikanischen Schatzanweisungen in Form einer höheren Inflationsprämie eingepreist, so dass deren Renditen entsprechend stärker anziehen und damit die Zinsstrukturkurve wieder deutlich steiler wird, allzumal bei den kürzeren Laufzeiten die Aussicht auf eine weitere Zinssenkung eingepreist werde. Der Renditeabstand zwischen zehn- und zweijährigen Laufzeiten sei auf 56 Basispunkte geklettert. Vor einer Woche lag er noch unter 40 Basispunkten.

          Inflationsrisiken beschäftigen Bondsmarkt

          Diese Einschätzung erscheint durchaus als das realistischste Szenario. „Die unmissverständlichen Hinweise von Notenbanken in aller Welt signalisieren, dass sie Wachstum und Finanzmarktstabilität stärker gewichten als die Inflationsbekämpfung“, sagt laut der Nachrichtenagentur Bloomberg auch der Leiter der Analyse für Asien und den Mittleren Osten bei der Bank Julius Baer in Sinagpur, Anantha-Nageswaran auf einer Konferenz in Hongkong.

          Investoren würden daher ab dem zweiten Quartal nächsten Jahres erhebliche Inflationsrisiken einpreisen. Das Ausmaß des Inflationsrisikos könnte diesmal höher sein als in den Krisen am Aktienmarkt 1987 sowie 1998, als der Hedgefonds LTCM infolge eines Zahlungsausfalls bei russische Rubel-Anleihen fast kollabierte, sagte der Analyst weiter.

          Zwar erscheint die Lage der amerikanischen Konjunktur derzeit immer noch unklar, allzumal die Zahl der Erstanträge auf Leistungen im Rahmen der amerikanischen Arbeitslosenversicherung saisonbereinigt um 9.000 auf 311.000 gefallen sind, wohingegen Volkswirte mit einem Anstieg um 1.000 gerechnet hatten. Auch Zentralbankchef Ben Bernanke nannte den Konjunkturausblick am Donnerstag immer unsicherer. Die Fed werde handeln, falls nötig, um Preisstabilität und Wachstum zu fördern. Das macht eine weitere Zinssenkung zumindest nicht unwahrscheinlich.

          Eurobonds im Spannungsfeld zwischen Wachstumsschwäche und Inflationsrisiken

          In diesem Spannungsfeld ist nur allzu selbstverständlich, dass die Analysten der HSH Nordbank mit einer Konsolidierung der Rentenmärkte rechnen. Dies um so mehr, als auch die anstehenden Auktionen über insgesamt 31 Milliarden Dollar Belastungspotential hätten. Sie rechnen vorerst mit einer Rendite der zehnjährigen Schatzanweisungen zwischen 4,45 Prozent und 4,60 Prozent. Aktuell liegt diese bei 4,59 Prozent.

          In der Eurozone nimmt man derweil ebenfalls Abschied vom Konjunkturoptimismus der vergangenen Monate. Außenhandelspräsident Anton Börner fürchtet Wachstumsbeeinträchtigungen durch einen Eurokurs, der bis zu 1,43 Dollar erreichen könne. Der deutsche Export in die Vereinigten Staaten werde in diesem Jahr deshalb um mehr als fünf Prozent sinken und wohl auch 2008 eine Minusrate aufweisen. Auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hat angesichts der amerikanischen Finanzkrise vor einem „Dämpfer“ für die deutsche Konjunktur gewarnt.

          Dies könnte auch die EZB früher oder später vor die Frage stellen, ob eine Zinserhöhung noch politisch opportun ist. Sollte sich das Bild bei den deutschen Geschäftsklimaindizes in der kommenden Woche weiter eintrüben und die Verbraucherpreise im August weiter mäßig gestiegen sein, könnte der Markt auf ein Ende der Zinserhöhungen senken, was die Stimmung für Eurobonds verbessern würde, so die HSH Nordbank.

          Andererseits aber könnten ein rekordhoher Ölpreis und Euro die Inflationsgefahren deutlich anfeuern, darüber hinaus hat die Emissionstätigkeit wieder deutlich zugelegt, so dass die Analysten mit einer tendenziell stagnierenden Rendite für Euro-Staatsanleihen rechnen.

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