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Staatsanleihen : Rendite der Bundesanleihe erreicht 3 Prozent

Bild: F.A.Z.

Noch immer kann sich der Bund zu historisch günstigen Sätzen refinanzieren. Die Aufstockung zweijähriger Bundesschatzanweisungen aber verlief enttäuschend. Amerikanische Anleihen sind unter Druck.

          Die Investoren trennen sich zunehmend von Bundesanleihen. Die Kursverluste haben die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe am Mittwoch zeitweilig über 3 Prozent getrieben. Mit 3,03 Prozent wurde das höchste Niveau gemessen, das der wichtigste Referenzzins im Euro-Raum seit Mai erreicht hat. Am Vortag waren die Anleihen noch mit einer Rendite von 2,95 Prozent gehandelt worden. Der Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, gab bis zum Abend 37 Basispunkte auf 125,22 Prozent nach.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Zunehmende Zuversicht im Hinblick auf die globalen Wachstumsaussichten reduziert die Nachfrage nach festverzinslichen Anlagen, die sehr geringe Renditen bieten“, sagte Peter Chatwell, Analyst von Crédit Agricole, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Auch amerikanische Staatsanleihen gerieten unter Verkaufsdruck. Die Rendite der zehnjährigen Treasury stieg bis auf 3,30 Prozent nach 3,13 Prozent zum Vortagesschluss. Bereits am Vortag waren die Kurse kräftig gefallen. Die Verkäufe führten Händler auf die am Vortag von Präsident Barack Obama und den oppositionellen Republikanern beschlossenen Steuererleichterungen um bis zu 900 Milliarden Dollar zurück. Nach Ansicht von Analysten bringen die Steuerpläne den amerikanischen Staatshaushalt in eine Zwickmühle. Die Ratingagentur Moody's sieht sogar die erstklassige Bonitätsnote (Aaa) der Vereinigten Staaten in Gefahr.

          Gebote für Bundesschatzanweisungen enttäuschend

          Die Rendite der Bundesanleihe ist in den vergangenen Wochen sehr rasch gestiegen. Ende August wurde noch ein Rekordtief von 2,1 Prozent erreicht. Nach Bloomberg-Daten liegt die Rendite nun auch über dem Durchschnitt der vergangenen zwölf Monate von 2,8 Prozent. Parallel zur Erholung der Aktienmärkte habe Anfang September ein Renditeanstieg in den längeren Laufzeiten begonnen, der für die Frühphase einer konjunkturellen Erholung nichts Ungewöhnliches darstelle, schreiben die Analysten der Nord LB. Ihrer Ansicht nach ist die Entwicklung in den Vereinigten Staaten vergleichbar.

          Noch immer kann sich der Bund zu historisch günstigen Sätzen refinanzieren, denn Anfang des Jahres lag die Anleiherendite noch auf 3,4 Prozent. Jedoch wird die jüngste Entwicklung auch von einem geringeren Interesse der Investoren an neuen Bundesanleihen begleitet. Am Mittwoch verlief die Aufstockung zweijähriger Bundesschatzanweisungen enttäuschend. Die Gebote der Investoren von 4,575 Milliarden Euro blieben unter dem angestrebten Aufstockungsbetrag von 5 Milliarden Euro. Schon in den beiden vorangegangenen Wochen verliefen die Auktionen einer zehn- und einer fünfjährigen Anleihe ähnlich schlecht, als die Gebote der Investoren geringer ausfielen als die angestrebten Emissionsvolumina.

          Die Renditen der finanzschwachen Euro-Länder zeigten sich stabil. Die zehnjährige Anleihe Irlands notierte mit knapp 8 Prozent nahezu unverändert, nachdem am Vorabend die drastischen Sparpläne der irischen Regierung die erste Hürde im Parlament genommen hatten. An den Märkten für Kreditausfallderivate verringerte sich die Risikoprämie für Italien deutlich. Die Absicherung einer fünfjährigen Forderung über 1 Million Euro kostete am Mittwoch eine jährliche Prämie von 19.300 Euro. Am Dienstag waren noch 20.300 Euro erforderlich.

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