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Staatsanleihen-Ratings : Westeuropas Bonität sinkt, Südamerika kommt

Spektakulär und teuer: Griechenlands (Teil-)Pleite Bild: dpa

Mit der Herabstufung seiner Bonitätsnote ist Frankreich aus dem exklusiven Kreis der Top-Schuldner in die 2. Liga abgestiegen. Doch auch sonst haben sich die Bonitätsnoten in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert.

          143 Staaten der Erde haben eine Bonitätsnote von einer oder mehreren Rating-Agenturen inne. Die beiden größten Agenturen Standard&Poor’s (S&P) und Moody’s bewerten 83 bzw. 75 Prozent dieser Staatengruppe, die nächstgrößere, Fitch, rund zwei Drittel.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Verteilung zwischen den Staaten, deren Anleihen als investmentwürdig und denen, deren Bonds als spekulativ gelten, ist nicht bei allen Agenturen gleich. Dennoch hat im Durchschnitt derzeit jeder zweite Schuldner ein Investment-Grad-Rating. Deutlich zeigt sich dabei die Eurokrise waren die Investment-Grad-Staaten noch deutlich in der Mehrheit.

          Rating-Rutsch

          In der Tendenz fallen dabei die Noten von Moody's weiter ein wenig besser aus. Zwar wird die Bestnote „Aaa“ von allen drei Agenturen etwa gleich oft vergeben, nämlich rund 15mal. Das ist weniger oft als im Mai 2010, als Moody’s die Bestnote noch 17mal vergab.

          Erteilte Moody's damals die zweitbeste Bewertung „Aa“ noch öfter als die Konkurrenz, so ist der Unterschied seitdem in den Notenklassen nach unten gewandert. Es ist vor allem die unterste Investment-Grad-Klasse „BBB“, die bei Moddy’s knapp 30 Prozent der Schuldner erhalten. Bei S&P sind es nur knapp 20 Prozent. Fitch ist dagegen mit „A“-Noten und besseren zurückhaltender als die beiden anderen.

          Zahlungsausfälle wie Sand am Meer

          Wirklich schlechte Ratings sind bei allen Agenturen selten. Nur etwa 7 Prozent der Ratings lauten auf „B-“ oder schlechter. Das liegt aber auch im System begründet. Erstens leisten sich finanzschwache Staaten selten ein Rating, weil sie ohnehin wenig Chancen haben, ihren Finanzbedarf auf den internationalen Kapitalmärkten zu decken.

          Zweitens werden Ratings bei Zahlungsausfällen häufig zurückgezogen, so dass die schwächsten Schuldner bisweilen von den Listen verschwinden. Das war beispielsweise im August bei der mittelamerikanischen Republik Belize so: Nachdem das Land fällige Zinsen auf eine Anleihe erst gar nicht und dann nur teilweise bezahlte, änderte S&P den Status auf „Selective default - teilweiser Zahlungsausfall“

          Zahlungsausfälle von Staaten sind historisch gesehen ein häufiges Phänomen. Europa erlebte im 19. Jahrhundert 28 Staatsbankrotte, Nordamerika 12. In Südamerika waren in diesem Zeitraum alle Länder mehrfach pleite. Insofern verging damals kaum ein Jahr ohne Staatsbankrott. Seit Beginn der 80er Jahre werden insgesamt rund 120 Zahlungsausfälle von Staaten gezählt. Das sind fast vier pro Jahr. Mehr als 70 Prozent ereigneten sich indes zwischen 1981 und 1992, seitdem ist es insgesamt bedeutend ruhiger geworden - auch wenn die argentinische und griechische Pleite den Blick verstellen.

          Seit der Finanzkrise wieder mehr Pleiten

          Die Geschichte der mit einem Rating versehene Länder sieht zunächst besser aus. Die Agentur Moody's verzeichnete zwischen 1983 und 1998 keinen Zahlungsausfall. Allerdings liegt dies zum einen an der Breite der Datenbasis. Moody's beurteilte zum Ende der Achtziger lediglich die Kreditwürdigkeit von 29 Staaten, 1997 waren es 68. Zum anderen hatten die von Moody's beurteilten Emittenten in den achtziger Jahren noch alle ein Investment-Grade-Rating inne. Auch 1990 betrug der Anteil der spekulativen Emittenten nur 10 Prozent. Erst Ende der Neunziger stieg dieser auf mehr als einem Drittel.

          Seit 1998 zählt Moody's insgesamt 18 Zahlungsausfälle von Staatsanleihen. Das ist im Durchschnitt mehr als einer pro Jahr. In 16 Fällen hatten die Staaten ein Rating der Agentur gehabt. Hatte sich die Situation in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrzehnts etwas entspannt, so begannen sich die Ausfälle seit 2008 wieder zu häufen.

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