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Staatsanleihen : Peripherie-Anleihen bleiben Spekulationsobjekte

Bild: F.A.Z.

Nach dem frischen Geld für Griechenland am Wochenende und der erklärten Bereitschaft privater Gläubiger einen Beitrag zur Sanierung des Landes zu leisten, schien eine Bewältigung der Schuldenkrise machbar. Doch die Rating-Agentur S&P spielte nicht mit.

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          Griechenlands Schuldenkrise will kein Ende nehmen. Mühsam hatten sich Banken und Regierungen vorgetastet, um eine sanfte Lösung zu finden, wie private Gläubiger an der Lösung der griechischen Schuldenmisere beteiligt werden könnten, ohne dass das Land dadurch seinen Kapitalmarktzugang verlöre.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Sie schien gefunden, deutsche Banken und Versicherer wollen sich mit etwa 3,2 Milliarden Euro beteiligen, die Allianz hatte eine Summe von 300 Millionen Euro genannt, da machte die erste Rating-Agentur, die sich äußerte, alle Hoffnungen sogleich zunichte.

          Private Beteiligung könnte Zahlungsausfall sein

          Die Pläne der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds (IWF) könnten als teilweiser Zahlungsausfall gewertet werden, lautete die Stellungnahme der amerikanischen Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) am Montagmorgen. Die von der französischen Finanzwirtschaft vorgeschlagene Lösung trüge nach ihren Kriterien zu einem Kreditausfall Griechenlands bei.

          Dem Plan zufolge sollen Privatgläubiger bei Auslaufen einer Anleihe 50 Prozent der Rückzahlung in neue dreißigjährige Anleihen des Landes zu 5,5 Prozent Zinsen sowie einem wachstumsabhängigen Zuschlag investieren, 20 Prozent in Anleihen mit aufschiebender Zinszahlung.

          Der französische Vorschlag entspreche einer Zwangsumschuldung, weil er den Gläubigern weniger Wert biete als die ursprünglichen Papiere versprachen, erklärte S&P am Montag in einer Mitteilung.

          Hinderlich für die Sanierung Griechenlands

          „Sie schaffen damit eindeutig ein Problem im Hinblick auf das bisher Diskutierte“, sagte Marc Ostwald, Stratege für festverzinsliche Papiere bei Monument Securities Ltd. in London. „Es ist ein riskantes Unterfangen. Für die Peripherie, allen voran für die Griechen, ist es ein Dämpfer. Den Bunds wird es etwas Unterstützung geben“, führte Ostwald weiter aus.

          Denn ohne ein einigermaßen akzeptables Rating können viele Investoren wie Versicherungen und Pensionsfonds griechische Anleihen nicht mehr kaufen und auch die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte ausgefallene Schuldverschreibungen nicht mehr für Refinanzierungszwecke akzeptieren.

          Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sieht in der Stellungnahme von S&P einen weitere Beleg dafür, dass offenkundig kein Einvernehmen zwischen Politik und Rating-Agenturen hergestellt ist. Dies sei offenbar auch der Grund dafür, dass die Finanzminister des Euroraums die Entscheidung über ein neues mehrjähriges Kreditpaket am Wochenende verschoben und lediglich eine neue Kredittranche in Höhe von 12 Milliarden Euro freigegeben hatten und nicht allein wie verlautbart, weil die Einigung mit den privaten Geldgebern noch nicht erfolgt sei.

          Krämer geht davon aus, dass am Ende ein neues mehrjähriges Kreditprogramm verabschiedet wird. „Denn ein Zahlungsausfall Griechenlands wäre aus Sicht der Politiker momentan zu riskant, weil er die anderen hoch verschuldeten Peripherieländern anstecken und die gesamte Währungsunion destabilisieren könnte.“

          Fortgesetztes Spekulieren

          Die Reaktion der Anleger ist indes höchst uneindeutig. So fällt etwa der Kurs der 2020 fälligen griechischen Anleihe um mehr als 2 Prozent, ihre Rendite stiegt von 15,51 auf 15,89 Prozent. Die 2015 fällige portugiesische Anleihe verliert 1,4 Prozent, ihre Rendite steigt von 11,18 auf 11,58 Prozent.

          Doch andererseits ist die 2015 fällige griechische Anleihe mit einem Kursaufschlag von 5 Prozent und einem von 23,4 auf 21,8 Prozent fallenden Rendite ebenso gefragt, wie die 2020 fällige portugiesische Anleihe, deren Kurs um 3,6 Prozent zulegt und deren Rendite von 12,11 auf 11,55 Prozent fällt.

          Schon in den vergangenen zwei Wochen brachten griechische Staatspapiere mit einem Ertrag von 5,6 Prozent die höchsten Erträgen ein. „Einige der aggressiveren Hedgefonds hat das wohl gelockt“, sagte David Scammell, Fondsmanager bei Schroders. Spekulanten, die auf fallende Preise gesetzt haben, haben möglicherweise Positionen geschlossen, während heimische Investoren „wohl durch die hohen Renditen ermutigt wurden“, sagte er.

          Das zeigt, dass Anleihen aus der Peripherie derzeit vor allem Spekulationsobjekte sind, mit denen Anleger die kurzfristig politisch bedingten heftigen Ausschläge ausnutzen wollen. Das ist schon für professionelle Händler mit gutem Handelszugang ein hohes Risiko. Für Privatanleger werden die Risiken unkalkulierbar. Denn sollte tatsächlich ein (selektiver) Zahlungsausfall einmal erklärt werden, so gehören sie sicher zu den letzten, die davon erfahren und noch gewisser zu den letzten, die dann verkaufen können - falls sie es dann noch können.

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