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Staatsanleihen : Neue Maßnahmen der Notenbanken beeinflussen den Markt

Folgt die Fed der Bank of England? Bild: AFP

Am Mittwoch könnte die amerikanische Notenbank der Bank von England folgen und den Kauf von Staatsanleihen beschließen. Deren Politik beeinflusst die Kurse mittlerweile direkt.

          3 Min.

          Nur wenige Notenbanken auf der Welt haben noch so viel Spielraum wie die brasilianische Zentralbank. Sie hat am Donnerstag ihren Leitzins um deutliche 1,5 Prozentpunkte zurückgenommen. Gleichwohl liegt der Leitzins in Brasilien immer noch auf 11,25 Prozent.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die meisten anderen wichtigen Zentralbanken auf der Welt dagegen haben im Kampf gegen eine Kreditklemme unter Banken und die Rezession die Leitzinsen schon in die Nähe von null gesenkt. Und Notenbanken kleinerer Länder zum Beispiel in Osteuropa sehen von weiteren Leitzinssenkungen ab, weil sie den Kapitalabzug aus der Region nicht noch weiter befördern wollen.

          Britische Vorreiter

          Deshalb kommen neue unkonventionelle Maßnahmen ins Spiel. Vorreiter ist die Bank von England. Sie will in dieser Woche Staatsanleihen im Volumen von 13 Milliarden Pfund ankaufen. Die britische Notenbank hat verschiedene Anleihen mit Restlaufzeiten zwischen 5 und 21 Jahren zum Ziel.

          Während Notenbanken mit ihrem Leitzins bisher nur direkten Einfluss auf das kurze Ende der Renditekurve nahmen, versucht die Bank von England nun, auch die Renditen für längere Laufzeiten zu drücken. Dafür hat sie insgesamt 75 Milliarden Pfund bereit- gestellt. Am Mittwoch könnte die amerikanische Notenbank dem britischen Beispiel folgen und ebenfalls beschließen, Staatsanleihen aufzukaufen.

          Die Fed ist schon als Käufer von Hypothekarkrediten und Anleihen staatlicher Organisationen (Agencies) aktiv. Nach dem letzten Treffen des Offenmarktausschusses am 28. Januar hatten die amerikanischen Währungshüter unter Führung von Ben Bernanke bekanntgegeben, sie erwögen auch den Kauf von Staatsanleihen (Treasuries), falls die Rahmenbedingungen darauf schließen ließen, dass derartige Transaktionen im Hinblick auf die Verbesserung der Situation an den privaten Kreditmärkten besonders effektiv seien.

          Folgt Amerika?

          Nun trifft sich der Offenmarktausschuss am Mittwoch wieder. Seit dem letzten Treffen ist die Rendite für zehnjährige Treasuries um gut 0,3 Prozentpunkte von 2,55 auf 2,89 Prozent gestiegen. Unternehmen mit nicht erstklassiger Bonität (High-Yield) müssen fast 4 Prozentpunkte mehr Renditeaufschlag bieten als vor eineinhalb Monaten, wenn sie Anleihen begeben. Insofern haben sich die Rahmenbedingungen verschärft.

          Dagegen sind auf dem Markt für Hypothekarkredite die Zinsen für Ausleihungen über 30 Jahre um etwa 0,25 Prozentpunkte gefallen. Das könnte die Fed ermutigen, ihr Rückkaufprogramm nicht länger auf Hypothekarkredite zu begrenzen.

          Auch die ersten Erfahrungen aus Großbritannien könnten die Fed darin bestärken, künftig auch Staatsanleihen aufzukaufen. Nachdem die Bank von England in der vergangenen Woche zum ersten Mal in Auktionen 2 Milliarden Pfund für Staatsanleihen einsetzte, ist die Rendite für zehnjährige britische Gilts erstmals seit sieben Jahren wieder unter die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen gefallen. Sie kletterte in der vergangenen Woche von 2,89 bis in der Spitze auf 3,14 Prozent.

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