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Staatsanleihen : Lulas Sieg stützt Brasiliens Anleihen

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Strahlender Sieger: Brasiliens neuer und alter Präsident Lula Bild: AP

Mit Zufriedenheit nahmen Investoren die Wiederwahl von Brasiliens Präsident Lula auf. In den kommenden Monaten muß sich zeigen, ob er die zuletzt großzügigeren Staatsausgaben wieder in den Griff bekommt.

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          Am Ende gaben die Armen den Ausschlag. Trotz aller Korruptionsvorwürfe gegen seine Partei ist der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva klar für eine zweite Amtszeit bestätigt worden. Der linksgerichtete Politiker gewann die Stichwahl am Sonntag nach Auszählung fast aller Stimmen mit 61 Prozent vor seinem konservativen Herausforderer Geraldo Alckmin, auf den 39 Prozent entfielen. Analysten zufolge sicherten Millionen von armen Brasilianern Lula da Silva den Sieg in der zweiten Runde.

          Für den Anleihenmarkt war dies grundsätzlich mal eine gute Nachricht. Die Rendite auf die im Januar 2008 fällige Real-Benchmark-Anleihe fiel um 4,7 Basispunkte auf 13,12 Prozent. Ob das nun unbedingt an Lulas politischen Plänen liegt, sei aber dahingestellt. Grundsätzlich sind Investoren eben an Kontinuität interessiert, meint James Barrineau, Fondsmanager bei Alliance Bernstein. Und die bekommen sie jedenfalls. So sollen zumindest Planungsminister Paulo Bernardo und Zentralbankpräsident Henrique Meirelles im Amt bleiben, während Finanzminister Guido Mantega aufgrund von Vorwürfen der Rechtsbeugung derzeit noch als etwas angeschlagen gilt.

          Fiskalische Disziplin im Wahlkampf verloren

          Nichtsdestotrotz werden die Anleger den Start in die zweite Amtszeit genau beobachten. Denn auch wenn Lula fiskalische Disziplin verspricht, gab und gibt es gegenteilige Signale. So war von fiskalischer Disziplin im Wahlkampf kaum etwas zu spüren, böse Zungen meinen sogar, Lula habe sich seinen Sieg regelrecht erkauft.

          Strahlender Sieger: Brasiliens neuer und alter Präsident Lula Bilderstrecke

          Das von seinem Vorgänger gestartete Familienprogramm sichert monatlich elf Millionen Familien den Lebensunterhalt und wurde unter seiner Führung erheblich ausgeweitet. Gemäß seinem Slogan „Null Hunger“ hat Lula 45 Millionen armen Menschen monatlich umgerechnet gut 250 Millionen Euro zukommen lassen. Ihm hat der ehemalige Dreher und Gewerkschaftsführer nach Ansicht von Beobachtern die Wiederwahl im zweiten Anlauf zu verdanken. Insgesamt legten die Staatsausgaben in den ersten neuen Monaten des Jahrs um 16 Prozent zu, wohingegen die Einnahmen lediglich um 12,8 Prozent stiegen.

          Auf Lula da Silvas politischer Tagesordnung steht nunmehr eine Renten- und Steuerreform. „Wir wollen Brasilien zu einer gerechteren und gleicheren Nation machen“, erklärte er. Im kommenden Jahr sei ein Wirtschaftswachstum von fünf Prozent möglich. Dies würde eine Verdopplung bedeuten.

          Erfolge sprechen für Lula

          Gleichzeitig sollen die Kosten der Sozialversicherung sinken, die Bürokratie zurückgedrängt und die Investitionsbedingungen verbessert werden. Ein Teil des Wachstums soll durch Infrastrukturprojekte erreicht werden, die bereits auf dem Weg seien. „Die Lösung für Brasiliens Probleme ist nicht, daß Menschen unter drückenden Anpassungen leiden müssen, sondern Wachstum und höhere Einkommen“, so Lula in der vergangenen Nacht.

          Angesichts dieser eher breit angelegten Programmatik bedarf es anderer Faktoren, die den Anleihenmarkt positiv beeinflussen. Dazu gehört zum einen Lulas Erfolgsbilanz. Immerhin fiel die Inflationsrate während seiner Amtszeit von 14 auf 3,7 Prozent, die Arbeitslosigkeit sank und der Real wertete auf. Dazu trug nicht zuletzt eine Beschneidung der öffentlichen Ausgaben bei.

          Und aus der brasilianische Wirtschaft gibt es derzeit Signale, daß sie auf dem Weg ist, diese Tendenz fortzusetzen. So ist die annualisierte Inflationsrate Im Oktober auf 3,4 Prozent weiter auf das niedrigste Niveau seit 1999 gefallen, nachdem sie vor einem Jahr noch bei 6,2 Prozent gelegen hatte. Daher rechnen die Anleger im November mit der zwölften Leitzinssenkung hintereinander, diesmal auf 13,25 Prozent. Und in dieses optimistische Szenario paßt Lula mit seiner bisherigen Bilanz und seinen zumindest vereinbarten wirtschaftspolitischen Zielen gut hinein.

          Große Ziele für die zweite Amtszeit

          Doch Analysten sind ein wenig zurückhaltend. Paulo Fernando Petrassi von Leme Investimentos, der die derzeitigen Inflationsaussichten für selten gut hält, will für das kommende Jahr steigende Renditen nicht ausschließen. Der Markt, so Petrassi noch vor der Abstimmung, habe ein leicht ungutes Gefühl hinsichtlich der Staatsausgaben.

          Wie es also in Brasilien weitergeht, muß sich erst noch weisen. Lula setzt auf ein höheres Wachstum, das er ohne höhere Staatsausgaben zu erreichen trachtet. Damit könnte er möglicherweise in das klassische Dilemma zwischen Wachstums- und Stabilitätspolitik geraten, besonders wenn sich die Konjunktur in den Vereinigten Staaten, dem Hauptabnehmerland für Brasiliens Exporte, tatsächlich so deutlich abschwächt, wie es derzeit den Anschein hat.

          Derzeit aber haben langlaufende brasilianische Anleihen jedenfalls Konjunktur, worin das Zinsszenario zum Ausdruck kommt. Mit der Wiederwahl Lulas vertrauen die Anleger auf Kontinuität, und das ist sicherlich ein Szenario, das durchaus etwas für sich hat. Indes wird sich erst in den kommenden Monaten weisen, ob es Lula wirklich gelingt, auf die Ausgabenbremse zu treten.

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