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Staatsanleihen : Kursrutsch bei Ecuadors Anleihen dürfte anhalten

  • Aktualisiert am

Das Volk hofft auf Correa, der Bondsmarkt sorgt sich Bild: REUTERS

Im Oktober hatten Anleiheinvestoren bei der Präsidentenwahl in Ecuador auf einen Sieg des Bananenmagnaten Naboa gehofft. Jetzt hat offenbar sein linker Gegenspieler Correa gesiegt. Die Anleihenkurse brechen ein, da die Angst vor einem Zahlungsmoratorium wächst.

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          Am Anleihenmarkt ist der Mut zum Risiko Trumpf. Das dürfte unter anderem für die Hausse der ecuadorianischen Staatsanleihen verantwortlich sein, die Anfang Oktober begann und bis vor wenigen Tagen lief.

          Wer während des Wahlkampfs um die Präsidentschaft, der die Kurse etwa der 2012 fälligen Anleihe (Isin XS0115748401) zwischen August und Oktober von 104,5 Prozent bis auf 98 Prozent gedrückt hatte, beherzt zugriff, konnte sich im November wieder über einen Kurs von 104,25 Prozent freuen. Am Freitag rentierte das Papier in Frankfurt bei einem Kurs von 103,25 Prozent mit 11,552 Prozent. Am Montag indes ging es für das Papier auf 100 Prozent abwärts, die Rendite kletterte auf 12,358 Prozent.

          Blauäugige Hoffnungen auf den Bananenbaron

          Die Hausse war vom Ergebnis der ersten Runde der Wahlen ausgelöst worden, in der sich der konservative Multimillionär und Bananenpflanzer Alvaro Noboa mit rund 27 Prozent der Stimmen an die Spitze hatte setzen können. Das weckte bei den Anlegern die Hoffnung auf eine liberale und stabilitätsorientierte Wirtschaftspolitik. Auch Ende Oktober hatte Alvaro immer noch die besten Chancen, gewählt zu werden. 49 Prozent der Wähler standen angeblich hinter ihm, wogegen auf den links gerichteten Wirtschaftswissenschaftler Rafael Correa nur rund 34 Prozent entfielen.

          „Ecuador zuerst” ist das Zentrum von Correas Politik

          Dabei störte wenig, daß auch Noboa ein Populist ist, der im Wahlkampf mit Wohnungsbau- und Arbeitsplatzversprechungen agierte. Und da der Unternehmer - genausowenig wie sein Konkurrent Correa - nicht über eine parlamentarische Mehrheit verfügte, waren tiefgreifende politische und gesellschaftliche Veränderungen auch von ihm eigentlich nicht zu erwarten.

          Nun ist es für die Anleiheinhaber noch schlimmer gekommen. Denn offenbar ist Correa der klare Sieger der Stichwahl. Nach Auszählung von 31 Prozent aller Stimmen entfielen fast 67 Prozent auf den 43jährigen Wirtschaftswissenschaftler und nur 33 Prozent auf Noboa, wie das Oberste Wahlgericht in Quito am Montag mitteilte. Das Endergebnis wird für Dienstag erwartet.

          Wahlkampfrhetorik gibt Anlaß zu Sorgen

          Inoffiziellen Hochrechnungen zufolge kommt Correa auf etwa 56,40 Prozent der Stimmen. Der Bananenmagnat Noboa erhielt dagegen nur auf 43,60 Prozent und scheiterte schon zum dritten Mal in einer Stichwahl. Diese Angaben beruhen auf einer Parallelauszählung von 89,50 Prozent der Stimmzettel.

          Correa gilt als Freund des linkspopulistischen venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez und scharfer Kritiker der Vereinigten Staaten. Er kündigte an, die linksgerichteten Wirtschaftsexperten Ricardo Patino und Alberto Acosta mit den Ressorts für Wirtschaft und Energie zu betrauen.

          „Wir nehmen diesen Triumph in tiefer Gelassenheit und Bescheidenheit an“, sagt Correa auf einer Pressekonferenz. „Wenn wir unser Amt antreten werden, wird es schließlich das ecuadorianische Volk sein, das die Macht übernimmt.“

          Correa will die heimische Wirtschaft ankurbeln, die Last der Auslandsschulden durch Verhandlungen und notfalls durch ein Moratorium mindern und das fast fertige Freihandelsabkommen mit Washington auf Eis legen. Einer seiner engsten Vertrauten bekräftigte am Wahlabend zudem, daß Ecuador einen Teil seiner „unrechtmäßigen“ Auslandsschulden nicht bezahlen werde. Solche Ankündigungen hatten bereits im Wahlkampf Sorgen an den Finanzmärkten ausgelöst.

          Zahlungseinstellung à la Argentinien?

          Correa, der im vergangenen Jahr vier Monate als Finanzminister amtiert hatte, wollte auch eine Zahlungseinstellung à la Argentinien nicht ausschließen. Zuletzt hatte Ecuador, dessen Anleihen Moody`s mit „Caa1“ und Standard & Poor's mit „CCC+“ bewertet, 1999 die Zahlungen auf die Auslandsschulden eingestellt.

          Damals wurde der Dollar als Landeswährung eingeführt, was Investoren anlockte, das insolvente Bankensystem wiederbelebte und die Inflation im vergangenen Jahr auf 2,1 Prozent von 108 Prozent im Jahr 2000 drückte. 2005 hatte die Wachstumsrate 3,9 Prozent betragen, für dieses Jahr werden 4,4 Prozent erwartet.

          Um das Wählerpotential der elf ausgeschiedenen Kandidaten hinter sich zu sammeln, hatte Correa vor der Stichwahl seine radikale Rhetorik noch gedämpft und damit ebenfalls zur Beruhigung beigetragen.

          Deutliche Kursverluste werden erwartet

          An den Bondmärkten wird allgemein für heute mit deutlichen Kursverlusten der Staatsanleihen gerechnet. „Die Märkte werden das nicht mögen“, sagt Alberto Ramos, Volkswirt bei Goldman Sachs. Die Rendite der 2012 fälligen Staatsanleihe stieg allein am Freitag in New York um 33 Basispunkte auf 11,88 Prozent. Die Kreditabsicherungsderivate verteuerten sich von 2,98 auf 3,12 Prozent. Ramos hält einen Kursverfall bis auf das Niveau, das die Anleihen zu Beginn des Wahlkampfs erreicht hatten, für möglich.

          Correa sagte, es mache ihm keine Sorgen, wenn sich die Kreditkosten für das Land verteuerten. Wenn das Länderrisiko für die Spekulanten steige, weil sie sich um die Zahlungsfähigkeit des Landes sorgten, so berühre ihn das nicht. Das Länderrisiko, das ihn bekümmere, seien leidende Kinder.

          Es ist nicht die Sorge über ein Moratorium alleine, das die Anleiheanleger veranlassen könnte, sich radikal von ihren Investments zu trennen. Correa hat angekündigt, sofort nach seinem Amtsantritt im Januar eine verfassungsgebende Versammlung einzuberufen. Denn im Parlament ist seine Partei „Alianza País“ nicht vertreten, weil Correa aus Protest gegen das Einkammerparlament keine Kandidaten aufgestellt hatte.

          Ohne Mehrheit, dafür aber in Angesicht einer möglicherweise komplexen Verfassungsreform und Neuwahlen dürfte die Aufgabe, den Andenstaat politisch und wirtschaftlich zu stabilisieren, kaum einfacher werden. Seit 1996 hatte Ecuador acht verschiedene Präsidenten. Drei von ihnen verloren ihr Amt unter dem Druck von Straßenprotesten. Insofern dürfte es ratsam sein, sich trotz des schwachen Dollars von ecuadorianischen Anleihen zu trennen.

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