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Staatsanleihen : Jamaika entrinnt Gustav

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Die Bwohner wissen sich immer wieder zu helfen Bild: AP

Hurrikane können nicht nur die karibischen Länder selbst, sondern auch deren Staatshaushalte verwüsten. Jamaika scheint „Gustav“ noch einmal entkommen zu sein. Dennoch hat sich das Umfeld zuletzt weiter eingetrübt.

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          Tropenstürme in der Karibik machen sich auch an den Finanzmärkten immer wieder bemerkbar. Das galt für „Kathrina“ wie für „Rita“ und gilt auch für „Gustav“, der derzeit auf New Orleans zusteuert. Sie beeindrucken in der Regel den Ölmarkt, hinterlassen aber auch auf dem Anleihenmarkt ihre Spuren.

          Die Zahlungsausfälle der Insel Grenada und des mittelamerikanischen Belize in den vergangenen Jahren etwa waren Resultate der Hurrikanschäden, die die schwachen Volkswirtschaften und Staatshaushalte nicht in der Lage waren zu tragen.

          Relativ glimpflich davon gekommen

          „Gustav“ ist nun mit Wucht über Jamaika gerast, einem Inselstaat, der als Emittent hochverzinslicher Anleihen auf dem deutschen Markt sehr wohl bekannt ist. Die Sturmpanik hielt sich indes in Grenzen. Am ehesten bemerkbar machte sich der Sturm noch im Kurs der 2014 fälligen, mit 10,5 Prozent verzinsten Rente, der auf den niedrigsten Stand seit April 2005 fiel. Die Rendite stieg damit innerhalb von vier Tagen um 57 Basispunkte. Indes blieb diese Reaktion eher eine Ausnahme.

          Bild: F.A.Z.

          Das kann insofern nicht verwundern, als dass Jamaikas Wirtschaft doch zehnmal so groß ist wie die Belizes, die wiederum rund dreimal so groß ist, wie die Grenadas. Insofern kann die Inselrepublik die Schäden durch „Gustav“, die in einer ersten Bilanz auf drei Milliarden Jamaika-Dollar und damit lediglich 0,35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts geschätzt werden, eher verkraften.

          Weitere Belastung für die wachstumsschwache Wirtschaft

          Das heißt nicht, dass es ihr leicht fiele. Die Schäden an der Infrastruktur werden zu Wachstumsverlusten führen, die der angeschlagenen Volkswirtschaft nicht gut tun und die landwirtschaftlichen Gebiete im Osten der Insel, die sich noch vom Hurrikan „Dean“ des Vorjahres nicht erholt hatten, haben auch diesmal am stärksten gelitten. 70 Prozent der Bananenblüten wurden vernichtet und aufgrund der starken Regenfälle fürchten die Zuckerfarmer deutliche Ernteausfälle im kommenden Jahr.

          Seit Jahrzehnten zeigt sich die Wirtschaft wachstumsschwach. Im vergangenen Jahr betrug die Rate 1,2 Prozent nach einem starken Rückgang im vierten Quartal. Damit lag sie im Schnitt der vergangenen 15 Jahre.

          Inflationsrekorde

          Erst vor kurzem senkte die Nationalbank ihre Wachstumsprognosen für das Haushaltsjahr 2008/2009 auf 1,2 bis 2,2 Prozent. Gleichzeitig erhöhte sie ihre Inflationsprognose von 11,5 bis 14,5 auf 15 bis 17 Prozent, so dass diese damit auf dem Niveau des Vorjahres liegt, in dem sie ein Elf-Jahres-Hoch erreicht hat.

          Die niedrigeren Wachstumsprognosen könnten sich als noch zu optimistisch erweisen, da sie allein auf einem schwächeren weltwirtschaftlichen Umfeld beruhen. Doch gerade das dritte Quartal sollte eigentlich einen höheren Wachstumsbeitrag leisten, nachdem die Wirtschaft im ersten Halbjahr nach vorläufigen Zahlen praktisch stagnierte.

          Währung unter Dauerdruck

          Der Jamaika-Dollar wertet seit 1989 ununterbrochen gegen den amerikanischen Dollar ab und ist auf ein Zwölftel seines Wertes gefallen. Das hält zwar tendenziell die Exporte wettbewerbsfähig, nichtsdestoweniger ist die Leistungsbilanz chronisch defizitär mit einem Minus von rund zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

          Die laufende Abwertung der Landeswährung macht auch die Bedienung der immensen Auslandschulden nicht einfacher. Mit 135 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ist der Staat verschuldet, 57,1 Prozent beträgt die Quote der Auslandsverschuldung. Diese hatte in den frühen neunziger Jahren deutlich höher gelegen. Doch der rapide Schuldenabbau nach 1992 fand schon 1996 ein Ende. 2004 wurde ein neues Rekordhoch erreicht, seitdem ist sie nur unwesentlich gesunken.

          Latentes Risiko

          Insgesamt aber hat sich an der angespannten Situation des Karibikstaates zwar nichts Spektakuläres verändert. Dennoch ist das Gesamtumfeld ungünstiger geworden. Nachdem zuletzt auch die Renditen der in Inlandswährung denominierten 3-Monats-Anleihen stiegen, zweifeln immer mehr Beobachter, dass es der Regierung gelingen wird, ihr Defizitziel von 4,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts einzuhalten, allzumal weitere Renditeanstiege folgen könnten, da die Rendite unter den Inflationsprognosen liegt.

          Bislang ist es Jamaika stets gelungen, zahlungsfähig zu bleiben. Auch die Rating-Agenturen bescheinigen der Regierung den Willen, Schulden zu tilgen, das Wachstum zu fördern und die Haushaltsdisziplin zu wahren. Das hat auch zu einer Konstanz der Ratings bei „B1/B“ geführt. Doch das Land ist anfällig und der Weg aus dem Sumpf der Altschulden schwer, verdrängt der Staat doch weiterhin private Investitionen vom Kapitalmarkt.

          Insofern ist es kurzfristig positiv zu werten, dass Jamaika „Gustav“ vergleichsweise glimpflich überstanden hat. 1988 etwa verwüstete der Hurrikan „Gilbert“ die Insel fast völlig. Längerfristig sind die Anleihen dennoch mit hohen Risiken behaftet. Ein Zahlungsausfall ist immer möglich - nur weil es ihn bislang noch nicht gab, heißt dies nicht, dass es für immer so bleiben muss.

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