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Staatsanleihen : Italien wird beliebter als Spanien

Der italienische Ministerpräsident und Finanziminister Mario Monti hat seinem Land durch Überzeugungskraft geholfen: „Monti wird momentan viel Sympathie und Vertrauen entgegengebracht“ Bild: dpa

Die Rendite von Staatsanleihen aus Rom ist seit Jahresanfang kräftig gefallen, was dem Finanzminister Mario Monti zu verdanken sein soll. Spanische Papiere weisen eine höhere Risikoprämie auf.

          In der Beliebtheitsskala der Anleihenkäufer haben Italien und Spanien die Plätze getauscht. Noch zu Jahresbeginn wiesen italienische Staatsanleihen eine deutlich höhere Risikoprämie auf als entsprechende spanische Papiere. Zehnjährige, vom Schatzamt in Rom emittierte Anleihen rentierten beispielsweise mit rund 7 Prozent. Zehnjährige spanische Staatsanleihen hingegen kommen auf eine Verzinsung von 5,5 Prozent - also immerhin 1,5 Prozentpunkte niedriger. Mittlerweile liegen die italienischen Renditen unterhalb der spanischen über das komplette Laufzeitspektrum. Die italienische Zehnjahresrendite beträgt aktuell 4,8 Prozent, die spanische 5,1 Prozent. Im zweijährigen Bereich rentieren italienische Titel mit 1,9 Prozent, spanische mit 2,3 Prozent.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Spiegelbildlich dazu stiegen die Kurse der italienischen Anleihen merklich, seitdem das neue Jahr begonnen hat. „Grundsätzlich sitzen Italien und Spanien im selben Boot, deswegen war der hohe Renditeunterschied zum Jahreswechsel vermutlich nicht gerechtfertigt“, sagt David Schnautz, Zinsfachmann der Commerzbank in London. Dass die drittgrößte Volkswirtschaft des Euroraums mittlerweile sogar etwas günstiger an neuen Kredit kommt als Spanien, hängt seiner Ansicht nach vor allem mit aktuell vergleichsweise betrüblichen Nachrichten aus Madrid zusammen.

          Staatsanleihen

          Das spanische Haushaltsdefizit fiel im vergangenen Jahr mit rund 8,5 Prozent der Wirtschaftsleistung deutlich höher aus als erwartet. Außerdem fällt das mit der EU für dieses Jahr vereinbarte Defizitziel von 5,3 Prozent, das die Regierung des Ministerpräsidenten Mariano Rajoy erreichen muss, höher aus als die zunächst avisierten 4,4 Prozent. Darüber hinaus wurde unlängst bekannt, dass wohl der mit einer Staatsgarantie ausgestattete Finanzierer Instituto De Credito Oficial (ICO) spanischen Kommunen und Regionen mit mehr als 30 Milliarden Euro aushilft, um Schulden zu tilgen und offene Rechnungen zu begleichen. Zur Refinanzierung zapft das grob mit der deutschen KfW vergleichbare Institut selbst den Kapitalmarkt an - und könnte damit dem spanischen Staat je nach Größenordnung und Zinsangebot Konkurrenz machen. Nicht klar ist auch, wie viel Geld der spanische Bankenrettungsfonds FROB und der Elektrizitätsfonds FADE aufnehmen werden. „Diese Verknüpfungen sind derzeit nicht so leicht abzuschätzen und zu durchschauen“, sagt Schnautz.

          Die gemessen an der Wirtschaftsleistung im europäischen Vergleich außerordentlich hohe Staatsverschuldung Italiens spielt derzeit am Markt eine wesentlich geringere Rolle. Bedeutsamer ist nach Ansicht der Marktbeobachter von Barclays Capital in diesem Zusammenhang momentan, wem die Konsolidierung leichter fällt angesichts der Wachstumsaussichten. Die hohe Arbeitslosenquote von mehr als 20 Prozent in Spanien wird dabei häufig als Argument genannt für Zweifel an der Realisierbarkeit der Defizitziele. Und schließlich liegt die spanische Staatsverschuldung zwar unter der italienischen, bezieht man den privaten Sektor mit ein, gleichen sich die Quotienten jedoch an (siehe Grafik).

          Finanzminister Monti vermarktet sein Land gut

          Neben den wirtschaftlichen Rahmendaten ist am Markt als ein Grund für das gute Abschneiden Italiens in letzter Zeit auch zu hören, dass besonders der in der Krise ins Amt gekommene Ministerpräsident und Finanzminister Mario Monti sein Land offenbar gut vermarktet - diesseits wie jenseits des Atlantiks. Dasselbe gelte für den Vizefinanzminister Vittorio Grilli. „Monti wird momentan viel Sympathie und Vertrauen entgegengebracht“, sagt Oliver Eichmann, Portfoliomanager der zur Deutschen Bank gehörenden Fondsgesellschaft DWS. „Dabei sitzt Spaniens Regierung fester im Sattel, da Monti ja immer von den ihn tragenden Parteien abhängig ist und man nicht mit Sicherheit weiß, ob diese Unterstützung bleibt.“

          Gleichwohl hat sich ungeachtet des Vergleichs mit Italien die spanische Situation am Anleihemarkt auch durch das Eingreifen der Europäischen Zentralbank entspannt. Am Donnerstag emittierte Spanien problemlos neue Staatsanleihen mit Restlaufzeiten zwischen drei und sechs Jahren und musste dafür niedrigere Zinsen zahlen als beim letzten Mal.

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