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Staatsanleihen : Fünfzigjährige Anleihen kommen in Mode

Deutsche Schuldverschreibung aus dem Jahr 1938 Bild: Picture-Alliance

Nach Spanien könnte nun auch Italien mit einer Anleihe auf den Markt kommen, die erst in 50 Jahren fällig wird. Typische Käufer sind Großanleger.

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          Das sehr niedrige Zinsniveau lädt immer mehr staatliche Schuldner dazu ein, Anleihen mit ungewöhnlich langen Laufzeiten auszugeben. Solche Anleihen hat es auch früher immer wieder einmal gegeben, aber bislang galten sie als Exoten. Nun sieht es so aus, als nähme das Interesse auch bei den Anlegern zu.

          Nachdem vor wenigen Wochen Frankreich und Belgien mit fünfzigjährigen Anleihen am Markt waren, testet in diesen Tagen Spanien den Markt. Nach Berichten aus dem Handel sollen dem Finanzministerium Gebote über mehr als 10 Milliarden Euro für ein solches Papier vorliegen.

          „Es sieht so aus, als wäre Spanien Italien zuvorgekommen“, sagte David Schnautz von der Commerzbank. „Die Faustregel lautet: Je länger die Laufzeit einer Anleihe ist, umso geringer wird die Zahl der kaufwilligen Anleger. Daher muss ein Emittent darauf achten, dass er seine Anleger interessieren kann; andernfalls kann die Ausgabe einer Anleihe mit sehr langer Laufzeit sehr schwierig werden.“ Das italienische Finanzministerium hatte am Dienstag mitgeteilt, es prüfe die Nachfrage für eine eigene Staatsanleihe mit 50 Jahren Laufzeit. Das heiße aber nicht, dass schon eine Entscheidung getroffen worden sei.

          Risikoreiche Investments

          Solche Papiere sind interessant für Anleger, die an vergleichsweise hohen Zinskupons interessiert sind und sich auf spätere Auszahlungen an Kunden vorbereiten wollen. Das sind zum Beispiel Versicherer und Pensionsfonds. Allerdings haben solche sehr lang laufenden Anleihen auch Eigenschaften, die gegen sie sprechen: Gewöhnlich werden sie nur wenig gehandelt; das ist ein Problem für Anleger, die während der Laufzeit verkaufen wollen oder müssen.

          Zweitens entsteht bei einem vorzeitigen Verkauf während der Laufzeit ein Kursrisiko. Hier gilt: Je länger die Laufzeit, umso größer ist das Kursrisiko. Und drittens lässt sich die Bonität eines Schuldners nicht über eine Laufzeit von mehreren Jahrzehnten voraussagen. Ob Spanien in den kommenden Jahrzehnten in der Lage sein wird, alle fälligen Zinsen zu zahlen und die Anleihe im Jahr 2066 vollständig zu tilgen, weiß heute niemand.

          Vor rund zwei Jahren war Spanien schon einmal mit einer fünfzigjährigen Staatsanleihe am Markt, ebenso wie Kanada oder die Schweiz. Die Bundesrepublik Deutschland belässt es bisher bei dreißigjährigen Anleihen im sehr langfristigen Segment.

          50 Jahre sind nicht einmal das Maximum. In den vergangenen Jahren haben der mexikanische Staat und Unternehmen wie der französische Energiekonzern Engie (früher GDF Suez) und der deutsche Pharmariese Bayer Anleihen mit einer Laufzeit von 100 Jahren an den Markt gebracht. Bei solchen Papieren lässt sich natürlich erst recht nichts über die Bonität des Schuldners zu Beginn des 22. Jahrhunderts vorhersagen.

          Die „Krönung“ sind Anleihen, die bei ihrer Ausgabe gar keine Laufzeitbegrenzung besitzen. Sie werden als ewige Anleihen oder als Konsols bezeichnet. Der Prototyp ist eine englische Anleihe aus dem Jahre 1752 mit einem Kupon von damals 3,5 Prozent. Die meisten formal ewigen Anleihen besitzen allerdings ein Sonderkündigungsrecht des Schuldners.

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