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Staatsanleihen : EZB-Entscheidung ändert für Rentenmärkte wenig

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EZB-Präsident Trichet: Diesmal besonders kryptisch Bild: REUTERS

„Diesmal besonders kryptisch“ nannten Analysten die Erläuterungen, die EZB-Präsident Trichet zur weiteren Geldpolitik gab. Letztlich hat sich wenig geändert, schlussfolgerten am Ende die Märkte. Und so dürften sie auch weiter seitwärts gehen.

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          Der Donnerstag war sicher kein guter Tag für die europäischen Rentenmärkte. Hatte der Bund-Future schon zu Tagesbeginn infolge der weitere Erholung der Aktienmärkte im Minus begonnen, so setzte ihm zunächst die starken Zahlen zur deutschen Industrieproduktion zu.

          Im Gegensatz zu den Auftragseingängen wuchs diese im Januar von 1,9 Prozent. Zudem wurde der Dezemberwert von minus 0,5 auf plus 0,1 Prozent nach oben revidiert. Damit stieg die Jahresrate entgegen den Erwartungen sogar von revidiert 6,1 Prozent auf 7,9 Prozent. Der kräftige Lagerabbau scheint nach dem Dafürhalten der Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt ebenfalls beendet zu sein.

          Wachstum höher, Inflation niedriger

          Nahmen die Rentenhändler das noch mit relativem Gleichmut hin, so reagierten sie dagegen auf die erwartete Zinserhöhung durch die EZB auf 3,75 Prozent mit heftigen Verkäufen und ließen den Bund-Future von 116 Prozent auf ein Tagestief von 115,85 Prozent fallen. Danach konnte sich der Terminkontrakt wieder fangen und sich auf das Niveau vom Tagesanfang erholen.

          Doch wie immer war es weniger die eingepreiste Zinserhöhung als vor allem der Kommentar der EZB, der den Rentiers Kummer machte. Denn die Zentralbank hat ihre Wachstumsprojektionen für 2007 erhöht und zugleich ihre Inflationsprojektion gesenkt. Im laufenden Jahr erwarte die Zentralbank nun eine Inflationsrate von 1,8 statt wie bisher 2,0 Prozent.

          Die Prognose für das Wirtschaftswachstum in der Eurozone im laufenden Jahr erhöhte die Zentralbank um 0,3 Punkte auf 2,5 von bisher 2,2 Prozent. Auch für 2008 erwarten die Experten nun ein höheres Wachstum von 2,4 statt wie bisher 2,3 Prozent. Indes erwartet sie eine höhere Inflationsrate von 2,0 statt 1,9 Prozent. Nach dem Duktus der Banker könnte diese Prognose ist Preisstabilität bei einer Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent gewährleistet.

          Geldpolitik immer noch akkomodierend

          Die verbesserten Wachstumsprognosen stützen damit den Eindruck, den die Produktionsdaten hinterließen, namentlich, dass die befürchtete Eintrübung im ersten Quartal 2007 geringer ausfällt als gedacht. Zudem könnten die verringerten Inflationsprognosen bedeuten, dass weitere Zinserhöhungen erst im kommenden Jahr zu erwarten sind.

          Doch die Zinserhöhungen sind mitnichten vom Tisch. Denn die Lohnentwicklung bereitet den Währungshütern Sorgen: Sie fürchten, dass angesichts der guten Konjunktur die Löhne und Gehälter kräftig steigen und so den Preisauftrieb beschleunigen könnten. Entschlossenes und rechtzeitiges Handeln bleibe weiterhin geboten, um mittelfristig die Preisstabilität zu sichern, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. Man werde alle Entwicklungen „sehr genau beobachten“. Mit ähnlichen Formulierungen hatte Trichet die Finanzmärkte in der Vergangenheit auf weiter steigende Zinsen eingestimmt.

          Zudem nannte der Präsident die Geldpolitik weiter akkomodierend und das Zinsniveau noch immer moderat. Das Geld- und Kreditwachstum „sei kräftig“ und die Liquidität in der Eurozone „reichlich“, was auf mittelfristige Inflationsrisiken hindeute. Die Inflation dürfte im Frühjahr und Sommer fallen, bevor sie danach wieder anziehe.

          Trichet „diesmal besonders kryptisch“

          Damit könnte sich höchstens die für Juni eingeplante Zinserhöhung auf vier Prozent kurzfristig verschieben, aber selbst das ist eine eher vage Spekulation. Im Gegenteil: Für Veronika Lammer von der Ersten Bank hat sich die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im Juni mit der heutigen Sitzung erhöht.

          Hinsichtlich der zukünftigen Geldpolitik habe sich Trichet zwar „diesmal besonders kryptisch“ ausgedrückt, doch sei der Grundtenor eindeutig schärfer als bisher nach einer erfolgten Zinserhöhung üblich gewesen. Das Risiko für eine Fortführung des Zinserhöhungszyklus sei daher auch als höher einzuschätzen, obwohl sich andererseits eine über Juni hinausgehende Straffung der Geldpolitik nicht ableiten lasse.

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