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Staatsanleihen : Die amerikanische Verschuldung wird teurer

Amerikas Notenbank Bild: AFP

Der amerikanische Staat zahlt für seine neuen Schulden so viel wie seit April 2010 nicht mehr. Die Erwartung einer strafferen Geldpolitik lässt die Zinsen steigen. James Bullard, Präsident der regionalen Fed in St. Louis, hält eine Kürzung des Ankaufs von Staatsanleihen für möglich.

          Der amerikanische Staat zahlt für seine neuen Schulden so viel wie seit April 2010 nicht mehr. Die Versteigerung von 35 Milliarden Dollar Anleihen mit einer Laufzeit von 5 Jahren endete am Dienstag mit einer Rendite von 2,26 Prozent. Am Vortag hatte das Finanzministerium 35 Milliarden Dollar mit einer Laufzeit von 2 Jahren zu einer Rendite von 0,789 Prozent plaziert. Die steigende Rendite gründet überwiegend in der Unsicherheit über den künftigen Kurs der Zentralbank Federal Reserve und in der Erwartung einer besseren Wirtschaftsentwicklung. Mehrere regionale Fed-Präsidenten haben zuletzt in Reden und Interviews einen Dissens im Offenmarktausschuss offenbart.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Am weitesten vorgewagt hat sich dabei James Bullard, Präsident der regionalen Fed in St. Louis, der derzeit freilich keine Stimme im Offenmarktausschuss hat. Er hält angesichts der besser als erwarteten Wirtschaftsentwicklung eine Kürzung des Ankaufs von Staatsanleihen um bis zu 600 Milliarden Dollar („QE2“) um 100 Milliarden Dollar für möglich. Richard Fisher von der Fed in Dallas bekräftigte, dass er nach dem angekündigten Ende des Kaufprogramms im Sommer keiner Verlängerung zustimmen werde. „Ich kann keine Umstände vorhersehen, bei denen ich mehr Liquidität in der Wirtschaft zustimmen werde“, sagte Fisher dem Fernsehsender Fox Business. Die Präsidenten der Federal-Reserve-Banken von Boston und Chicago, Eric Rosengren und Charles Evans, signalisierten dagegen, dass sie den Kauf der Staatsanleihen zur Gänze durchführen wollen. Rosengren ist wie Bullard derzeit nicht stimmberechtigt. Der Vorsitzende der Federal Reserve, Ben Bernanke, hatte zuletzt keine Neigung erkennen lassen, das Ankaufprogramm vorzeitig zu beenden oder im Volumen zu reduzieren.

          Neue Prognosen zur Wirtschafts- und Inflationsentwicklung

          An den Finanzmärkten wird den Äußerungen der geldpolitischen Falken derzeit mehr Gewicht zugemessen. Die Renditen kurzfristiger Anleihen steigen in Erwartung einer geldpolitischen Straffung, die Renditen der längerfristigen Anleihen als Reaktion auf einen besseren Wirtschaftsausblick. Anleihen mit zwei Jahren Laufzeit erzielten am Mittwoch eine Rendite von 0,805 Prozent, rund 20 Basispunkte mehr als vor zwei Wochen; Anleihen mit 10 Jahren Laufzeit erreichten eine Rendite von 3,47 Prozent, 25 Basispunkte mehr als vor zwei Wochen. Die Renditen am kurzen und am langen Ende liegen immer noch ein wenig niedriger als vor einem Jahr, als sich die Wachstumserwartungen gleichfalls stabilisierten und die Fed zunehmend an einen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik dachte. Die europäische Schuldenkrise und die folgende Abschwächung auch der amerikanischen Erholung ließen diese Erwartung nicht aufgehen.

          Der Offenmarktausschuss wird am 27. April über die Geldpolitik beraten. Dann stehen auch neue Prognosen zur Wirtschafts- und Inflationsentwicklung an, die Bernanke erstmals in einer Pressekonferenz erläutern wird. An den Finanzmärkten wird einer ersten Zinserhöhung im Januar 2012 mittlerweile eine Wahrscheinlichkeit von 53 Prozent zugesprochen, vor einer Woche waren es nur 43 Prozent. Seit Dezember 2008 hält die Federal Reserve den Leitzins bei 0 bis 0,25 Prozent.

          In Vorbereitung auf einen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik hat sie wieder begonnen, mit befristeten Rückkaufgeschäften Liquidität aus dem Markt zu nehmen. Nach Angaben der federführenden Federal Reserve von New York ist damit keine Änderung des geldpolitischen Kurses verbunden. Wie schon im vergangenen Jahr geht es darum, die Marktteilnehmer mit dem ungewohnten Instrument der „Reverse Repos“ vertraut zu machen. Die Federal Reserve will diese Methode im größeren Umfang nutzen, wenn sie mit der geldpolitischen Straffung beginnt.

          Aufgeheizte Debatte

          Analysten bewerteten das Ergebnis der Anleiheauktionen durchwachsen. Manche sprachen davon, dass die Auktion der 5-Jahres-Anleihen schlecht gelaufen sei, andere erklärten, bei einer ordentlichen Nachfrage habe das Ministerium dennoch Konzessionen machen müssen. Das Verhältnis von Nachfrage zum Angebot entsprach bei den Anleihen mit 5 Jahren Laufzeit dem Durchschnitt der vergangenen 10 Auktionen und lag bei den Zweijährigen ein wenig darunter.

          Das Finanzministerium nimmt in dieser Woche insgesamt 99 Milliarden Dollar durch Anleihen auf. Am Mittwoch stand eine Auktion über 29 Milliarden Dollar Anleihen mit 7 Jahren Laufzeit an. Händler erwarteten, dass das höhere Zinsniveau die Nachfrage stützen werde.

          Den Zinsausblick belasten aus Sicht des Finanzministeriums die schwelenden finanzpolitischen Unsicherheiten in Washington. Demokraten und Republikaner ringen im Kongress um das Budget. Bis zum 8. April ist die Bundesregierung vorläufig finanziert, danach droht abermals ein Ausgabenstopp. Im April oder Mai stößt die Bundesregierung zudem an die Schuldengrenze von 14,82 Billionen Dollar. Eskaliert der politische Streit und wird die Grenze nicht rechtzeitig angehoben, droht ein weiterer abrupter Schub der langfristigen Zinsen. Die Demokraten haben zuletzt Kürzungen der Staatsausgaben um 20 Milliarden Dollar angeboten, zusätzlich zu schon beschlossenen 10 Milliarden Dollar. Die Republikaner verlangen unter dem Druck der Protestbewegung Tea Party und deren Abgeordneten Einschnitte von insgesamt 62 Milliarden Dollar. In dem Streit geht es um den Haushalt für das schon zur Hälfte abgelaufene aktuelle Fiskaljahr. Nach einer Einigung geht die aufgeheizte Debatte nahtlos mit den Beratungen für das kommende Haushaltsjahr weiter.

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