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Staatsanleihen : Dem EZB-Kaufprogramm fehlen die Verkäufer

Die EZB steht vor einer großen Herausforderung, denn sie findet keine Verkäufer für ihr Programm. Bild: dpa

In zehn Tagen wird das Programm zum Kauf von Staatsanleihen der EZB beginnen. Die Notenbank will für mehr als eine Billion Anleihen kaufen. Doch Banken und andere Investoren sind wenig interessiert, denn sie wollen die Titel behalten.

          In zehn Tagen wird die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Kaufprogramm für Staatsanleihen starten. Doch bei Banken, Versicherern und anderen professionellen Anlegern herrscht Zurückhaltung. Denn sie wollen keine Staatsanleihen verkaufen. „Angesichts der geplanten Kaufvolumina und des Umlaufs an Staatsanleihen steht die EZB vor einer großen Herausforderung“, sagt Stefan Kreuzkamp, Anleihestratege der Deutschen Asset & Wealth Management, des Vermögensverwalters der Deutschen Bank.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bei den Banken selbst ist derzeit alles andere als Euphorie zu beobachten über das EZB-Vorhaben, die Märkte mit mehr als eine Billion Euro zu fluten. EZB-Präsident Mario Draghi will von diesem März bis September 2016 monatlich für 60 Milliarden Euro Schuldtitel, vor allem Staatsanleihen kaufen. „Wir haben den Eindruck, dass die Anleger eher zögerlich reagieren“, berichtet Thomas Meißner, Leiter der Rentenmarktanalyse der DZ Bank, von seinen Gesprächen mit anderen Investoren. Seinen Worten zufolge sehen viele von ihnen die Staatsanleihen in ihren Depots als wertvoll an, weil sie noch aus Zeiten mit höheren Kupons stammen.

          So ähnlich hatte es vor einer Woche auch der Vorstandsvorsitzende der ING-Diba, Roland Boekhout, formuliert. Er hält den Verkauf von Wertpapieren nur dann für sinnvoll, wenn es bessere Alternativen gibt. Doch danach sieht es gegenwärtig nicht aus. Auch Anshu Jain, Ko-Vorstandschef der Deutschen Bank, und Martin Blessing, Vorstandschef der Commerzbank, hatten eine nur sehr geringe Verkaufsbereitschaft signalisiert. „Die Anleger können mit der Liquidität aus Verkäufen nur wenig anfangen. Die EZB verlangt für Einlagen der Geschäftsbanken inzwischen einen Strafzins“, sagt Meißner. Die Geschäftsbanken müssen für ihre Gelder, die sie bei der Zentralbank parken, einen Strafzins von minus 0,2 Prozent zahlen. Aber auch Vermögensverwalter und Versicherer sind davon betroffen, denn die Banken reichen den Strafzins der EZB an hohe Guthaben von Großkunden weiter.

          Bundesanleihen werden noch knapper

          „Wir planen derzeit in unseren Fonds keine Umschichtungen in Staatsanleihen“, sagt Kreuzkamp. Das lässt sich als Absage an die EZB interpretieren, Titel verkaufen zu wollen. Laut Kreuzkamp werden schon jetzt für Bundesanleihen Knappheitspreise bezahlt. Künftig würden Bundesanleihen noch knapper, befürchtet die DZ Bank. Derzeit laufen Schuldtitel des deutschen Staates im Volumen von 1,1 Billionen Euro um. Davon halten nach Schätzung der Analysten der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley deutsche Banken 15 Prozent.

          Gut ein Drittel entfällt auf ausländische Banken, Versicherer und Fonds. Die wichtigste Investorengruppe für Bundesanleihen stellen ausländische Notenbanken dar. An den Bundesanleihen dürften sie etwa ein Viertel halten. Das Problem für die EZB: Die Notenbanken, die nicht zum Euroraum gehören, betrachten deutsche Staatsanleihen als wichtigen Bestandteil ihrer Devisenreserven. So soll die Schweizerische Nationalbank mit einem Bestand von 100 Milliarden Euro der größte Gläubiger des deutschen Staates sein. Diese Notenbanken werden aber ihre Titel kaum an die EZB verkaufen.

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