https://www.faz.net/-gv6-nzct

Staatsanleihen : Chinas Inflationsproblem drückt Kurse

  • Aktualisiert am

Vor allem die Lebensmittelpreise steigen in China immer schneller Bild: AP

Chinas Wirtschaft wächst und wächst immer stärker. Doch mittlerweile sieht es immer mehr nach einem Wuchern aus, das die Lenkungsbehörden nicht mehr im Griff haben - am allerwenigsten die Inflation. Gift für Anleihenkurse.

          4 Min.

          Schwellenländer-Anleihen sind derzeit, auch nachdem sich die Märkte vorläufig entschieden haben, dass doch nicht alles so schlimm wird, wie zwischenzeitlich befürchtet, nicht mehr ganz so gefragt wie noch bis Ende Juli.

          Deutlich unter Druck steht am Mittwoch indes die rege gehandelte Anleihe der chinesischen Volksrepublik, die in Stuttgart 1,3 Prozent abgibt und damit zu den Verlierern des Tages gehört. Das mag zunächst überraschen, wenn Anleihen Brasiliens, der Türkei und Jamaikas gefragt sind, gilt die chinesische Wachstumsstory doch als intakt.

          Strukturelles Inflationsproblem

          Aber vielleicht ist ja gerade das auch das Problem. Denn Chinas Notenbank PBoC hat deutlich gemacht, dass sie zunehmende Anzeichen für eine Überhitzung der boomenden Wirtschaft sieht und kündigte darob in ihrem am Mittwoch vorgelegten Quartalsbericht an, die Geldpolitik weiter moderat zu straffen, um die galoppierende Inflation abzubremsen.

          Bild: FAZ.NET

          „Der gegenwärtige Preisanstieg beruht nicht nur auf vorübergehenden Faktoren, der Inflationstrend zeigt vielmehr klar nach oben“, erklärten die Währungshüter. Anleger befürchten, dass ohne ein Gegensteuern der Notenbank die hohe Teuerung den Wirtschaftsboom abrupt beenden und damit auch die Weltwirtschaft in Mitleidenschaft gezogen werden könnte.

          Die chinesischen Verbraucherpreise sind zuletzt im Jahresvergleich um 4,4 Prozent gestiegen und damit so stark wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Inflationstreiber sind vor allem die Lebensmittelpreise, die um mehr als elf Prozent zulegten. Damit lag die Teuerungsrate im ersten Halbjahr bei 3,2 Prozent und somit über dem Ziel der Notenbank von „unter 3 Prozent“.

          Politische Brisanz spitzt sich allmählich zu

          Auch für den restlichen Jahresverlauf erwarten die Währungshüter ein kräftiges Wirtschaftswachstum, das die Preise hoch halten werde. Im zweiten Quartal legte die Wirtschaftsleistung um knapp zwölf Prozent zu und damit so stark wie seit elf Jahren
          nicht. China ist damit auf Kurs, möglicherweise noch in diesem Jahr Deutschland als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt abzulösen.

          Mit Blick auf den Handelsüberschuss, der zuletzt im Juni auf das Monatsrekordniveau von knapp 27 Milliarden Dollar stieg, sagte die Zentralbank ebenfalls keine Entspannung voraus. Dieses werde voraussichtlich weiter hoch bleiben. Der Überschuss ist den chinesischen Handelspartnern ein Dorn im Auge, da sie wegen des künstlich niedrig gehaltenen Yuan Nachteile am Weltmarkt erleiden.

          Zuletzt hatte amerikanischen Finanzminister Henry Paulson bei einem Besuch in Peking erneut eine völlig Freigabe des Wechselkurses gefordert. Chinas Zentralbank stellte aber klar, dass nach ihrer Sicht die Währung nur eine Stellschraube sei, um das Problem der Handelsungleichgewichte zu lösen. Überlegungen, Handelssanktionen gegen China zu verhängen, konterte China nach Meldungen britischer Zeitungen aber damit, dass man drohte, amerikanische Staatsanleihen zu verkaufen, was deren Kurse angesichts der hohen Bestände in chinesischer Hand deutlich unter Druck bringen könnte.

          Monetäre Steuerung scheint nicht stark genug

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kreuz und Blumen auf dem Grab eines Corona-Opfers in Valle de Chalco, Mexico

          Johns-Hopkins-Universität : Mehr als eine Million Corona-Tote weltweit

          UN-Generalsekretär António Guterres spricht von einem „qualvollen Meilenstein“, sagt aber auch: „Wir können diese Herausforderung überwinden.“ Dafür brauche es verantwortungsbewusste Führungsstärke, Wissenschaft und weltweite Zusammenarbeit.
          Deutsche Alpen: Auch Urlaub in den eigenen Staatsgrenzen kann erholsam sein.

          Corona-Risikogebiete : Wo dürfen wir Urlaub machen?

          Immer mehr Urlaubsländer werden zum Corona-Risikogebiet. Strengere Quarantäne-Regeln machen das Reisen noch unangenehmer. Und die Kontrollen werden schärfer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.