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Staatsanleihen : China will Yuan-Anleihe in Hongkong auflegen

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Bild: FAZ.NET

China diversifiziert seine Währungsreserven zunehmend weg vom Dollar. Das lässt sich nicht nur aus steigenden Rohstoffpreisen ablesen, sondern auch aus zunehmenden Bemühungen, den Yuan salonfähiger als bisher zu machen.

          Der amerikanische Dollar steht am Dienstag unter Druck. Er verliert sowohl gegen viele Rohstoffe als auch gegen beinahe alle Währungen weltweit an Wert, gegen die er frei handelbar ist (siehe auch: Schwächt die Verschuldung den Dollar?).

          Dazu tragen sowohl die zunehmende Sorgen über die amerikanische Wirtschafts- und Finanzentwicklung und -lage bei, als auch die offensichtlich intensiver werdenden Bemühungen der Staaten mit hohen Währungsreserven, diese breiter und unabhängiger als bisher vom Dollar zu investieren.

          China diversifiziert seine Währungsreserven zunehmend weg vom Dollar

          So investiert China nicht nur kräftig in Rohstoffe wie Öl, Kupfer und Gold, sondern auch in Anleihen des Internationalen Währungsfonds im Volumen von 50 Milliarden Dollar. Neben der Verschuldungsspirale, die von den Regierungen vieler westlicher Staaten im Rahmen ihrer keynesianischen Ausgabenorgien ausgeht, kommt gleichzeitig auch noch diese supranationale Institution auf den Markt und gibt eigene Anleihen in der eigenen Währung, den Sonderziehungsrechten, aus.

          Der chinesische Aktienmarkt kommt ins Trudeln

          Zudem will das chinesische Finanzministerium erstmals eine Yuan-Staatsanleihe in Hongkong auflegen. Die für den 28. September geplante Emission im Volumen von 6 Milliarden Yuan oder umgerechnet rund 606 Millionen Euro solle den „internationalen Status“ der Landeswährung unterstreichen und zugleich den Finanzplatz Hongkong stärken, erklärte das Pekinger Ministerium in einer Mitteilung.

          „Der Schritt wird dazu beitragen, dass im Ausland Gelder in Yuan veranlagt werden. Auch im grenzübergreifenden Zahlungsverkehr wird die Bezahlung in Yuan gefördert. Es ist ein wichtiger Schritt in Richtung des langfristigen Ziels, den Yuan voll konvertierbar zu machen“, erklärte Shi Lei, Analyst bei Bank of China in Peking gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg.

          China verfolgt das Ziel, den Yuan im internationalen Zahlungsverkehr zunehmend salonfähig zu machen. Premierminister Wen Jiabao hatte im März die Sorge geäußert, der Dollar werde zunehmend abwerten. Damit würden auch Chinas umfangreiche Devisenreserven von 2,1 Billionen Dollar an Wert verlieren. Während China den Wechselkurs im Verhältnis zum Dollar seit Mitte des vergangenen Jahres bei etwa 6,8 Yuan je Dollar festhält, haben zumindest die Terminkontrakte auf Yuan in den vergangenen Tagen etwas zugelegt. Zwölf-Monats-Kontrakte auf den Yuan wurden in Schanghai am Dienstag bei 6,7485 Yuan je Dollar gehandelt - ein Anstieg um 0,3 Prozent und der höchste Wert seit dem 28. Juli.

          Anleger sind auf der Suche nach Yuan-Anlagen

          Die Einwohner der ehemaligen britischen Kronkolonie sind auf der Suche nach Möglichkeiten, vom steigenden Yuan-Kurs zu profitieren. Nach offiziellen Statistiken haben sich die Yuan-Einlagen im Juni um 932 Millionen auf 54,4 Milliarden Yuan erhöht. Die Regierung in Hongkong unterstützt diese Entwicklung. Hongkong will ein Offshore-Finanzplatz werden, nachdem die Regierung in Peking im April die Vorgabe ausgegeben hat, Schanghai bis 2020 als weltweites Finanzzentrum zu etablieren. Die am Dienstag angekündigte Yuan-Anleihe stellt „einen neuen Meilenstein“ dar, teilte die Stadtregierung mit.

          Chinesische Banken, darunter die Bank of China, die Export-Import Bank of China, die Bank of Communications und die China Construction Bank, haben schon Yuan-Bonds in Hongkong emittiert. HSBC Holdings und die Bank of East Asia haben seit Jahresanfang Yuan-Anleihen im Umfang von sechs Milliarden Yuan platziert. Die Nachfrage ist groß. Die HSBC Bank, die HSBC-Tochter auf dem chinesischen Festland, erklärte am Montag, die geplante zweijährige Anleihe mit einer Verzinsung von 2,6 Prozent sei um das 4,4fache überzeichnet. Yuan-Spareinlagen mit einer 12-Monats-Bindung werden derzeit in Hongkong nur mit 0,8 Prozent verzinst.

          Diese Zinsen sind nicht nur deutlich tiefer als die Rendite der zur Ausgabe anstehenden Anleihen, sondern sie sind im Vergleich zu den offiziell ausgewiesenen Wachstumsraten der chinesischen Wirtschaft unerhört tief. Diese Tatsache wirft ein seltsames Licht auf die wirtschaftlichen Verhältnisse und sie erklärt zusammen mit den in den vergangenen Monaten stark gestiegenen Geld- und Kreditmengen sowie der Mentalität der Anleger in China, wieso die Börsen des Landes so anfällig sind für spekulative Exzesse.

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