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Staatsanleihen : Bedingungen für Forint-Anleihen trüben sich ein

  • Aktualisiert am

Ungarns Parlamentarier sind zum Sparen gefordert Bild: AP

Nachdem sich in Ungarn die Verhältnisse beruhigt hatten, konnten die Staatsanleihen des Landes in den vergangenen Monaten eine deutliche Erholungsrally hinlegen. Mittlerweile haben sich die Bedingungen erneut eingetrübt.

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          Ungarische Staatsanleihen haben den Bond-Anlegern sehr viel Kopfzerbrechen bereitet. Mit einem explodierenden Haushaltsdefizit, Rating-Abstufungen und Unruhen in der Hauptstadt Budapest brachen die Kurse im Jahresverlauf deutlich ein.

          Doch an den Finanzmärkten gilt: Beständig ist lediglich der Wechsel. In den vergangenen Monaten tendierten die Anleihen des mittelosteuropäischen Landes nach oben und gewannen deutlich hinzu.

          Der Gewöhnungseffekt

          Zugute kam den Papieren eine wieder deutlich gestiegene Risikofreude, die zu einem größeren Interesse an Schwellenländer-Anleihen führte. Vor allem ungarische Forint-Anleihen waren beliebt. Mit Renditen von sieben bis über acht Prozent (siehe FAZ.NET-Infografik) sind sie die höchstrentierlichen Zinspapiere in der EU. In der Konsequenz stieg auch der Anteil der ausländischen Gläubiger der Forint-Schulden in der vergangenen Woche um immerhin vier Prozent.

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          Das brachte auch den Forint wieder nach vorne, und das macht die Papiere für ausländische Investoren wiederum attraktiver - der Boom nährt sich selbst. Am Donnerstag der Vorwoche notierte der Euro bei 256,20 Forint. Damit war die ungarische Währung so stark wie seit acht Monaten nicht mehr.

          Aber auch die Nachrichtenlage hatte sich deutlich verbessert, obwohl es im Oktober am Nationalfeiertag noch einmal zu kleineren Unruhen kam. Aber an die haben sich die Investoren schon gewöhnt - das geht eben schnell an den Finanzmärkten.

          Gute Vorsätze für den Haushalt

          Viel mehr Augenmerk schenkten sie den Fortschritten bei den Sparmaßnahmen und Preiserhöhungen, mit denen die vormals so verschwenderische sozialistische Regierung nun versucht, der Misere Herr zu werden, die sie selbst mit großzügigen Wahlkampfgeschenken angerichtet hat.

          So wird das Defizit bis Ende des Monats wohl nur 85 Prozent der Zielmarke erreichen, so daß Hoffnung besteht, daß immerhin die revidierte Zielmarke von 10,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts eingehalten werden wird. Zudem will die Regierung eine neue Vorschrift etablieren, nach der der Primärhaushalt (ohne Sozialversicherung) künftig ohne Defizit geplant werden muß. Das würde zwar die chronische Gießkanne ungarischer Wahlkampfgeschenke, die Renten, ausschließen, wäre aber immerhin schon einmal ein Fortschritt. Bis 2009 soll der Fehlbetrag auf 3,2 Prozent schrumpfen.

          Indes ziehen sich derzeit dunkle Wolken zusammen, die bereits dafür gesorgt haben, daß die Rally bei den Staatsanleihen bald vorüber sein könnte. Und so ist die Rally auch bereits am Donnerstag ins Stocken geraten.

          Fitch spielt mit Gedanken an Herabstufung...

          Zunächst kam am Mittwoch nur eine kleine ungünstige Nachricht. 130 Milliarden Forint oder 500 Millionen Euro wird die vierprozentige Rentenerhöhung zu Jahresbeginn verschlingen, wobei neben der regulären Erhöhung auch eine zusätzliche Anhebung der niedrigsten und der Früh- und Invalidenrenten erfolgt.

          Am Freitag aber war es die Rating-Agentur Fitch, die für schlechte Stimmung sorgte. Für das Rating des Landes gebe es zahlreiche Abwärtsrisiken, warnte Edward Parker, Direktor für internationale Staatsfinanzen bei Fitch. Die Tatsache, daß die Autorität von Ministerpräsident Gyurcsány angekratzt sei, habe seine Fähigkeit gemindert, das Sparprogramm umzusetzen. Fitch habe daher den Ausblick für das Rating gesenkt.

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