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Staatsanleihen : Argentiniens erstaunliches Comeback an den Anleihemärkten

  • -Aktualisiert am

Rinder: Argentiniens wichtigster Export Bild: REUTERS

Das ehemalige Pleiteland Argentinien ist am Kapitalmarkt wieder salonfähig. Doch die Regierung finanziert sich lieber aus der Rentenkasse und den Reserven der Zentralbank.

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          Argentinien ist mit seinen Gläubigern in der Vergangenheit wenig zimperlich umgegangen. Die Folgen des Staatsbankrotts von 2001, als 82 Milliarden Dollar Anleiheschulden notleidend wurden, sind noch immer nicht ausgestanden.

          Dennoch hat das Pampaland an den Anleihemärkten ein erstaunliches „Comeback“ hingelegt. Im vergangenen Jahr brachten argentinische Dollaranleihen ihren Besitzern nach Daten der Bank J.P. Morgan durch Kursgewinne und Zinseinkünfte einen Gesamtertrag von 35,4 Prozent. Das war nach Jamaika und Belize das beste Ergebnis unter allen Schwellenländern und fast dreimal so viel wie der Durchschnittsgewinn in dieser Anlageklasse. Die an das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gekoppelten BIP-Kupons haben ihren Wert 2010 je nach Währung und rechtlicher Ausstattung der Papiere sogar verdoppelt bis verdreifacht.

          Altschuldenverhandlungen treiben Kurse

          Auch für das Jahr 2011 raten Strategen von J.P. Morgan und der Deutschen Bank, argentinische Anleihen in einem Schwellenländer-Portfolio überzugewichten. Neben einer guten wirtschaftlichen Entwicklung sind die seit einigen Monaten intensivierten Bemühungen der argentinischen Regierung um einen Ausgleich mit den Altgläubigern ursächlich für das wachsende Interesse an argentinischen Anleihen.

          Auch gegenüber den Unternehmen schlagen Staatschefin Cristina Kirchner und ihre Minister seit dem Ableben des Ex-Präsidenten Néstor Kirchner Ende Oktober vergangenen Jahres etwas freundlichere Töne an. Das ehemalige Pleiteland bemühe sich um seine „Rehabilitierung an den Finanzmärkten“, beobachtet Walter Molano von BCP Securities: „Die sehen in Brasilien, was das für Vorteile bringt“.

          Im Dezember führte Argentinien zwei weitere Umschuldungsaktionen durch, um Restbestände der seit dem Jahr 2001 nicht mehr bedienten Altanleihen zu restrukturieren. Damit sind inzwischen rund 93 Prozent der 2001 notleidend gewordenen Anleiheschulden umgeschuldet. Die Regierung hofft nun, dass jene Altgläubiger, die weiterhin auf volle Rückzahlung ihrer Forderungen pochen, mit ihren Pfändungsklagen bei Richtern kein Gehör mehr finden. Noch immer wird vor Gerichten in aller Welt um Gesamtforderungen von mehr als 4 Milliarden Dollar gestritten.

          Vorteile des Wohlverhaltens entdeckt

          Auch mit dem Pariser Club reicher Gläubigerländer, denen Argentinien seit 2001 mehr als 6 Milliarden Dollar schuldig geblieben ist, hat die Regierung vor kurzem Verhandlungen über einen Ausgleich der Rückstände aufgenommen. Erstmals seit vielen Jahren wurde sogar eine Delegation des verpönten Internationalen Währungsfonds ins Land gelassen - wenn auch bisher nicht, um die Lage von Wirtschaft und Staatsfinanzen zu begutachten, sondern lediglich, um fachlichen Rat bei der Überarbeitung der höchst umstrittenen Inflationsmessung des staatlichen Statistikinstituts Indec zu erteilen.

          Vollständig ist Argentiniens Comeback auf dem internationalen Kapitalmarkt bisher freilich nicht. Außer den für die Umschuldung emittierten Anleihen hat das Pampaland seit der Zahlungskrise 2001 bis heute keine neuen Anleihen am internationalen Kapitalmarkt begeben. Aus dem Finanzministerium ist zu hören, der Finanzbedarf für das Jahr 2011 sei aus eigenen Mitteln gedeckt. Zudem seien die Konditionen bisher nicht attraktiv genug. Die Risikoaufschläge in den Renditen argentinischer Staatsanleihen gegenüber amerikanischen Staatspapieren sind zwar in den vergangenen Monaten von fast 9 auf etwa 5 Prozentpunkte zusammengeschmolzen.

          Der Faktor Kirchner

          Doch andere Nachbarländer wie Brasilien, Uruguay oder Chile müssen nur 1 bis 2 Prozentpunkte Aufschlag zahlen. Auch die Einstufung Argentiniens bei den Ratingagenturen ist wesentlich schlechter als die der Nachbarn. In den hohen Risikoprämien und den schlechten Bonitätsnoten schlägt sich neben der noch frischen Erinnerung an die größte Staatspleite der jüngeren Geschichte die eigenwillige Wirtschaftspolitik Argentiniens nieder.

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