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Staatsanleihen : Argentinien muss Hedgefonds Milliarden zahlen

  • Aktualisiert am

Für Staatspräsidentin Kirchner wird es eng Bild: dpa

Argentinien muss seine Schulden bei einem Hedge-Fonds zurückzahlen, hat der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten entschieden. Argentiniens Präsidentin Kirchner wehrt sich. Droht nun eine neue Staatspleite?

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          Des einen Freud, des anderen Leid: Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten hat Argentiniens Berufungsantrag im Prozess um ausstehende Auslandsschulden abgelehnt. Damit steht das Urteil des New Yorker Richters Thomas Griesa, nach dem Argentinien Gläubiger voll auszahlen soll, die die Schulden-Umstrukturierungen von 2005 und 2010 nicht angenommen hatten. Argentinien kann noch beim Supreme Court eine Revision der Abweisung beantragen. Dies ist aber nur selten erfolgreich.

          Die Börse von Buenos Aires fiel am Montag um 10 Prozent. Es geht um Titel in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar, die sich größtenteils im Besitz von Hedge-Fonds befinden, wie die argentinische Staatschefin Cristina Fernández de Kirchner am Montagabend (Ortszeit) in einer Fernsehansprache sagte. Das Urteil sei von den Inhabern von einem Prozent der Auslandsschulden erreicht worden. Insgesamt waren 8 Prozent nicht in die Umschuldung eingegangen. Die Präsidentin nannte die Gerichtsentscheidung eine „Erpressung“. Wenn Argentinien die geforderten 1,5 Milliarden Dollar zahle, könnten die Inhaber der weiteren 7 Prozent ebenfalls die Auszahlung fordern. Dies würde aber mehr als die Hälfte der Devisenreserven des Landes aufbrauchen. Sie betonte, Argentinien werde den Verpflichtungen aus den umstrukturierten Schulden weiter nachkommen. Gleichzeitig trat Kirchner Befürchtungen entgegen, das Land stehe nach der Justizniederlage kurz vor der Pleite. Es drohe keine Zahlungsunfähigkeit.

          Während das Urteil Gläubiger von Alt-Anleihen wie den Hedgefonds Elliott Management, der das Urteil erreicht hatte, freuen muss, bangen Neu-Gläubiger nun um ihre Anlagen. Denn Marktbeobachter befürchten, dass das Land sich eher abermals für zahlungsunfähig erklären wird, als dem Urteil zu entsprechen. Am 30. Juni muss Argentinien Zahlungen auf eine 2033 fällige Anleihe leisten. Deren Kurs stand am Dienstag deutlich unter Druck.

          Dabei schien Argentinien gerade auf die Füße zu kommen, nachdem sich das Land Ende Mai mit den Gläubigerstaaten des Pariser Clubs auf die Rückzahlung geeinigt und zur Zahlung von 7,2 Milliarden Euro bereit erklärt hatte.

          EU-Industriekommissar Antonio Tajani war mit einer Delegation von rund 50 Unternehmensvertretern aus elf EU-Ländern vor Ort gewesen, um Sondierungsgespräche über eine bilaterale Zusammenarbeit aufzunehmen. Zusammen mit dem Außenminister Héctor Timernman hatte Tajani in Buenos Aires die Europäische Handelskammer eingeweiht, die von den Handelskammern der EU-Staaten gebildet wurde.

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