https://www.faz.net/-gv6-713pb

Staatsanleihen : Anleger verklagen Griechenland auf Entschädigung

  • -Aktualisiert am

Im Mittelpunkt des Streits: griechische Anleihen Bild: dapd

Mehrere tausend Anleger wollen angeblich Griechenland wegen des Anleihentauschs verklagen. Auch auf die Bundesregierung könnte eine Staatshaftungsklage zukommen.

          Anlegerschützer wollen den Rechtsweg einschlagen, um für Besitzer von Griechenland-Anleihen „zu retten, was zu retten ist“. Das kündigte die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Dienstag an. „Die erlittenen Verluste, die betroffene Privatanleger im Rahmen der sogenannten freiwilligen Umschuldung hinnehmen mussten, sind immens“, sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler: „Eine Chance, dem Tausch zu widersprechen, hatten sie nicht.“ Mehrere tausend Geschädigte hätten sich schon gemeldet, um gegen die „Enteignung durch die griechische Regierung“ vorzugehen. Der Anlegerverband hatte hierfür die „Arbeitsgemeinschaft Griechenland-Anleihen“ (AGA) ins Leben gerufen.

          Möglichkeit der Staatshaftungsklage

          Die DSW-Juristen sehen mehrere Möglichkeiten für einen Prozess. Für erfolgversprechend halten sie individuelle Klagen auf Entschädigung vor griechischen Gerichten. Dort sei nicht nur die Rechtslage günstig, sondern es gelte auch eine lange Verjährungsfrist von fünf Jahren. „Der entscheidende Vorteil besteht allerdings darin, dass am Ende des Weges ein Zahlungstitel steht“, sagte DSW-Geschäftsführer Thomas Hechtfischer.

          Einen weiteren Rechtsweg sieht die Anlegerlobby in Verfahren vor der deutschen Justiz. Gläubiger könnten dort einen direkten Zahlungsanspruch gegen die Hellenische Republik geltend machen. Innerhalb dieser Verfahren werde dann geprüft, ob der „Greek-Bondholder-Act“ - also das der Umschuldung zugrunde liegende Gesetz - rechtswidrig ist. Gerichtsstand ist dabei nach Hechtfischers Angaben jeweils der Wohnsitz des Anlegers.

          Und noch eine dritte Variante haben die Juristen ausgetüftelt. Inhaber von Anleihen können demnach auf einen Staatsvertrag pochen, den Deutschland im Jahr 1961 zum gegenseitigen Schutz von Kapitalanlagen mit dem damaligen Königreich Griechenland abgeschlossen hat. Investoren könnten daraus wohl keinen direkten Klagegrund ableiten, räumt die DSW ein. Aber wenn Deutschland keine entsprechenden Verhandlungen mit Athen aufnehme, könne die deutsche Regierung mit einer Staatshaftungsklage in Regress genommen werden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Brexit-Votum in London : Die Niederlage von Westminster

          So hat eine britische Regierung in der Moderne noch nicht verloren. Schon gar nicht in einer Sache, die von solch existentieller Bedeutung ist, wie der Brexit-Deal. Man kann gespannt sein, wie es weitergeht. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.