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Staatsanleihen : Ankündigungseffekt der Geldpolitik lässt Renditen sinken

Seit’ an Seit’ Bild: f1online.de

Die Renditen kurzfristiger Anleihen Italiens und Spaniens sinken. Beide Länder könnten künftig weniger Langläufer ausgeben. Die Staatsschuld müsste indes schneller umgeschlagen werden.

          Die Entwicklungen der kurzfristigen Renditen in Italien und Spanien belegt die Kraft reiner Ankündigungen von Geldpolitikern, auch wenn ihre Wirkung nur eine vorübergehende sein mag. Seitdem der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, am 26. Juli in London sagte, die EZB werde das Notwendige zur Rettung des Euro unternehmen, sinken die Renditen in den Peripheriestaaten.

          Stark betroffen sind vor allem die Papiere mit kurzen Restlaufzeiten im Spanien und Italien, da Draghi am 2. August die Ankündigung nachschob, die EZB erwäge den Kauf solcher Papiere gegen wirtschaftspolitische Auflagen. In der Zwischenzeit hat die EZB gestreut, dass die Ankaufsprogramme Papiere mit Restlaufzeiten von drei Jahren umfassen sollen.

          Sinkende Renditen in allen Laufzeiten

          Diese Führung der Märkte durch - offizielle wie inoffizielle, zum Teil bislang sogar gänzlich vage - Ankündigungen wirkte auch am Dienstag. In der Peripherie sanken die Renditen über alle Laufzeiten, aber den stärksten Fall verbuchten wieder die Papiere mit kurzen Restlaufzeiten.

          Die spanischen und italienischen Renditestrukturkurven sind seit dem 26. Juli wieder sehr viel steiler geworden, das heißt, die kurzfristigen Renditen liegen deutlich unter den langfristigen Renditen. Am Dienstag erreichte der Renditeabstand zwischen zwei- und zehnjährigen spanischen Papieren 352 Basispunkte. Das ist der höchste Stand seit nahezu zwei Jahrzehnten. Umgekehrt legten die Renditen für als sehr sicher eingeschätzte Papiere wie deutsche Bundesanleihen leicht zu.

          Laufzeiten könnten kürzer werden

          Von der Entspannung an den Märkten für italienische und spanische Papiere profitierten auch die Anleihen in Irland und Portugal, obgleich für diese Länder bislang keine Anleihekaufprogramme diskutiert werden. Sollte sich die wirtschaftliche Lage Spaniens verbessern, dürfte davon allerdings auch der portugiesische Nachbar profitieren.

          In vielen Banken hält man es für wahrscheinlich, dass Ankäufe der EZB die Laufzeitstruktur spanischer und italienischer Papiere ändern werden. Zuletzt haben diese Länder Papiere mit Laufzeiten bis 10 Jahren begeben; an die früher üblichen noch längeren Laufzeiten bis 30 Jahre trauten sich beide Länder nicht mehr heran.

          Refinanzierungsdruck

          Italien weist mit 6 Jahren und sieben Monaten eine im internationalen Vergleich gleichwohl recht hohe durchschnittliche Laufzeit seiner Staatspapiere aus, auch wenn sie in den sieben vergangenen Jahren etwas rückläufig war. Der Vergleichswert für Spanien beträgt 6 Jahre und 3 Monate, was in etwa der durchschnittlichen Laufzeit der deutschen Bundeswertpapiere von 6 Jahren und 2 Monate entspricht.

          Mit den geplanten Ankaufsprogrammen entsteht jedoch ein Anreiz für Spanien und Italien, künftig vorwiegend Papiere mit Laufzeiten bis 3 Jahren zu begeben - jedenfalls, solange die Renditen für längere Laufzeiten nicht ebenfalls deutlich zurückgehen. Mit der häufigen Ausgabe kürzerfristiger Papiere entstünde aber auch die Notwendigkeit, die Staatsschuld in einer immer kürzeren Frist neu zu refinanzieren.

          Spanien hat in den vergangenen Monaten mit der reichlichen Ausgabe von Geldmarktpapieren mit Laufzeiten bis 18 Monaten viele Mittel aufgenommen, so dass nach Schätzungen von Marktteilnehmern Spanien derzeit rund 72 Prozent seines Emissionsbedarfs für das laufende Jahr erfüllt haben dürfte. Gerade Geldmarktpapier müssen innerhalb relativ kurzer Zeit immer wieder refinanziert werden. Sollten die Renditen kurzfristiger spanischer und italienischer Staatsanleihen längere Zeit niedrig bleiben, könnten dort auch die Zinsen für kurzfristige Unternehmenskredite zurückgehen. Nach Berechnungen der EZB lagen die Zinsen für solche Kredite im Juli in Spanien und Italien deutlich höher als in Deutschland.

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