https://www.faz.net/-gv6-6mlwq

Staatsanleihe : Südkorea bietet interessante Renditeaufschläge

Was wäre die Handy-Welt ohne Korea? Bild: dapd

Schwellenländeranleihen gelten so manchem an der Zahlungsfähigkeit der europäischen Länder zweifelnden Anleger als Alternative. Südkoreanische Papiere bieten interessante Aufschläge.

          3 Min.

          Derweil die Schulden der meisten Staaten Europas und der Vereinigten Staaten überborden, suchen Anleger verzweifelt nach sichereren Alternativen. Immer wieder kommen Anleihen aus Schwellenländern in den Sinn, doch die Unsicherheit hinsichtlich deren Solidität ist fast ebenso groß, sind doch die Detailkenntnisse wenig verbreitet.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nicht jedes Schwellenland - oder das was als solches bezeichnet wird - ist auf dem gleichen Niveau. Sicherheit verspricht aber eher eine schockresistente Volkswirtschaft, die auf eigenen Füßen ruht und vom Export nicht in existenzieller Weise abhängig ist.

          Offene große Volkswirtschaft

          Eine Anlagealternative ist Südkorea. Hinsichtlich des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf liegt das Land an Nummer 45 in der Welt, noch vor Israel, Spanien und Neuseeland und nur knapp hinter Italien. 58 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entfallen auf den Dienstleistungssektor, 39 Prozent auf die Industrie.

          Bild: F.A.Z.

          Die Volkswirtschaft ist sehr offen: Südkorea ist der Welt achtgrößter Exporteur und elftgrößter Importeur. Es ergibt sich daraus eine recht hohe Außenhandelsabhängigkeit, doch kommt die Welt beispielsweise in den Bereichen Schiffsbau, Elektronik, Automobil- und Stahlindustrie sowie im Telekommunikationssektor kaum noch ohne das Land aus.

          China: Vorteil und Achillesferse

          Südkorea hatte die Finanzkrise rasch überwunden. Nach einer Stagnation im Jahr 2009, überstieg die Wachstumsrate im vergangenen Jahr 6 Prozent. Mittlerweile hat sich das Wachstum aber deutlich abgeschwächt: Im zweiten Quartal wuchs die Wirtschaft nur noch um 0,9 Prozent. Auf Jahressicht dürften es zwischen 3 und 3,4 Prozent werden.

          Grund ist vor allem die Abschwächung des chinesischen Wachstums: Der Anteil Chinas an den koreanischen Gesamtexporten beträgt rund 30 Prozent. Indes ist auch die Binnennachfrage eine Stütze der Wirtschaft, nicht zuletzt als Reflex einer florierenden Exportwirtschaft. Der private Konsum macht 52,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus und wächst. Dagegen beträgt der Staatsverbrauch nur 15,4 Prozent des BIP - in Deutschland sind es 19,5 Prozent, in Frankreich 22,3 Prozent.

          Solide Staatsfinanzen

          Im Gegensatz zu den beiden Kernstaaten der EU verzeichnet Südkorea zudem Haushaltsüberschüsse. 2008 war der Budgetsaldo ausgeglichen, 2009 betrug er 1,6 Prozent, 2010 2,1 Prozent des BIP. Deutschlands Defizitquote überstieg dagegen in den beiden Vorjahren 3 Prozent, in Frankreich waren es gar mehr als 7 Prozent.

          Auch bei der Staatsverschuldung steht das asiatische Land besser da: Während diese in Deutschland und Frankreich mittlerweile 80 Prozent des BIP überschritten hat, sind es in Südkorea lediglich rund 23 Prozent. Das können in der EU lediglich Estland, Luxemburg und Bulgarien unterbieten.

          Interessante Renditeaufschläge

          Dafür bieten südkoreanische Staatsanleihen aber interessante Renditeaufschläge. Die 2015 fällige Euro-Anleihe rentiert mit 3,5, das 2021 fällige Papier mit 4,6 Prozent. In der gleichen Rating-Kategorie finden sich bei der Agentur Moody's Israel, Tschechien und die Slowakei. Israels vergleichbare Anleihe mit vierjähriger Restlaufzeit rentiert lediglich mit 3,1 Prozent. Tschechiens 2021 fälliges Rentenpapier bringt es gerade einmal auf eine Rendite von 3,8 Prozent. Wermutstropfen: Der 2021 fällige südkoreanische Bond hat eine Stückelung von 50.000 Euro.

          Trotz oder gerade wegen der noch gut laufenden Konjunktur befindet sich das Land allerdings derzeit in einem Dilemma wie andere Schwellenländer auch. Mit dem Boom der vergangenen Monate hat sich ein unverkennbarer Inflationsdruck aufgebaut. Im August stiegen die Verbraucherpreise um 5,3 Prozent, so schnell wie seit drei Jahren nicht mehr. Nach den Zielvorgaben der Zentralbank aber sollten es höchstens 4 Prozent sein.

          Zwischen Wachstumsabschwächung und Inflationsdruck

          Gleichzeitig schwächt sich das Wachstum zusehends ab. Im ersten Jahresviertel hatte die viertgrößte Volkswirtschaft Asiens Zuwachsraten von 1,3 Prozent im Quartals- und 4,2 Prozent im Jahresvergleich verzeichnet, zwischen April und Juni nur 0,9 bzw. 3,4 Prozent.

          Als Alternative bietet sich auch der Griff zu einem Rentenfonds an, der in der Region Asien/Pazifik anlegt. Dort spielt Südkorea eine gewichtige Rolle, zudem Anleihen aus Singapur Thailand oder Indonesien. Indes ist Fonds hier nicht gleich Fonds. Unter den Eurofonds haben vor allem die in Dollar aufgelegten Investmentvehikel, die gegen Währungsverluste abgesichert sein sollen in der jüngsten Vergangenheit im allgemeinen schwächer abgeschnitten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.