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Spekulative Unternehmensanleihen : In Richtung Abgrund

Rasch wurde es Nacht Bild: REUTERS

Einen dramatischen Anstieg der Ausfallraten bei Emittenten spekulativer Anleihen erwarten die Rating-Agenturen. Nach einer Studie von Standard & Poor's geraten immer mehr Emittenten immer schneller in Zahlungsschwierigkeiten.

          Seit mittlerweile Jahren schon warnen die Rating-Agenturen davor, dass die historisch niedrigen Ausfallraten vor allem im Bereich der spekulativen Anleihen keinen dauerhaften Bestand haben könnten. Erst am Mittwoch prognostizierte Moody's eine Verdreifachung innerhalb der kommenden zwölf Monate.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zum Jahresende dürfte die Ausfallrate von derzeit 2,8 Prozent auf 4,3 Prozent steigen und bis Oktober 2009 10,4 Prozent erreichen. Allein für Europa rechnet Moody's mit einem Anstieg von 1 auf 9,7 Prozent.

          Immer mehr geraten immer schneller in Schwierigkeiten

          Die Konkurrenz von Standard & Poor's (S&P) macht derweil auf mögliche Vorboten aufmerksam. Laut einer Studie der Agentur über 800 europäische Emittenten ist die Zahl der Verstöße gegen Kreditbedingungen im vergangenen und laufenden Jahr gegenüber 2006 explosionsartig gestiegen.

          In den zwölf Monaten bis Oktober zählten die Analysten 38 Verstöße, Gesuche um Zahlungsaussetzung oder Konditionserleichterungen sowie finanzielle Restrukturierungsmaßnahmen - doppelt so viele wie in den vorangegangene zwölf Monaten.

          Was S&P noch mehr beunruhigt, ist das rasche Schrumpfen des Zeitraums, innerhalb dessen Unternehmen nach einer Finanzierungsrunde erneut in Schwierigkeiten geraten. Betrug dieser 2006 noch in der Mehrheit der Fälle mehr als drei Jahre, so waren es 2007 und 2008 fast durchweg weniger als drei Jahre.

          Ehrgeizige Gewinnziele unhaltbar

          Laut der Studie ist es ein mehrfacher Druck, der zunehmend mehr Unternehmen ins Straucheln bringt. Die konjunkturelle Abschwächung, gekoppelt mit den 2007 und zumindest in der ersten Hälfte des laufenden Jahres sehr hohen Rohstoffpreisen, sorgt für ein schwächeres Wachstum der operativen Gewinne. Gleichzeitig aber waren in den guten Jahren zuvor sehr ehrgeizige Entschuldungs- und Gewinnziele festgelegt worden, die nun nicht mehr einzuhalten sind.

          Ein großer Problembereich sind dabei die in den vergangenen Jahren von Finanzinvestoren übernommenen Unternehmen. In diesem Jahr mussten die Investoren in 46 Prozent der Fälle Eigenkapital nachschießen oder auf andere Weise den Unternehmen entgegenkommen. 2007 war dies nur bei jeder dritten Transaktion der Fall gewesen, 2006 nur bei jeder fünften.

          S&P geht davon aus, dass die Bereitschaft der Investoren zur Rekapitalisierung und der Gläubiger zur Erleichterung von Konditionen nachlässt, je mehr Unternehmen in Schwierigkeiten geraten. Dies gelte besonders für Unternehmen, bei denen die Finanzinvestoren schon ihren Schnitt gemacht hätten und für die sie keine hohen Renditeerwartungen mehr hegten.

          Schlechte Konjunktur dürfte Zahlungsausfälle beschleunigen

          Für die nahe Zukunft erwartet die Agentur 25 auf der Basis der aktuellen Studie weitere Zahlungsausfälle nachdem bisher sechs eingetreten sind. Das liege noch unter den eigenen Projektionen für die kommenden zwölf Monate, doch sollten sich die wirtschaftlichen Bedingungen weiter verschlechtern, könnte es auch zu Zahlungsausfällen kommen, ohne dass dem Verstöße gegen Kreditbedingungen oder Umschuldungsgesuche vorangingen.

          Und derzeit sieht es an der konjunkturellen Front nicht gut aus. Nach Einschätzung des Sachverständigenrats wird die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr nicht wachsen. Die Arbeitslosenzahl werde im Jahresdurchschnitt auf 3,3 Millionen Personen steigen.

          Schlimmer stellt sich die Situation in Großbritannien dar: Im dritten Quartal ist das Bruttoinlandsprodukt gemäß einer ersten Schätzung auf Quartalssicht um 0,5 Prozent geschrumpft. Die Zahl der Arbeitslosengeldbezieher stieg im Oktober so stark wie zuletzt 1992 gestiegen. Die Bank of England geht davon aus, dass die britische Wirtschaft bis Mitte 2009 schrumpfen wird. Commerzbank-Volkswirt Peter Dixon rechnet für den Jahresdurchschnitt mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um mindestens 1,5 Prozent.

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