https://www.faz.net/-gv6-qfkd

Spanische Anleihen : Richtig sorgen tun wir uns erst morgen

Fast jeder fünfte arbeitsfähige Spanier steht am Arbeitsamt Schlange Bild: AP

Bisweilen möchte man meinen, der kollektive Staatsbankrott Südeuropas stehe unmittelbar bevor. Der Anleihenmarkt beschreibt die Situation realistischer. Spanien zahlt für seine neue Emission mehr - aber in einem angemessenen Rahmen.

          3 Min.

          Hinter vorgehaltener Hand zweifelt so mancher Beobachter daran, dass es bei den Sorgen um die griechische Haushaltslage wirklich um Griechenland geht. Die Zahlenfälschung hatte die Athener Regierung schon Anfang Oktober eingeräumt. Auf die Kurse griechischer Staatsanleihen wirkte sich das aber erst aus, als die Rating-Agentur Fitch rund acht Wochen später ihre Bonitätseinschätzung senkte. Als dann in den vergangenen Wochen praktisch das gesamte Südeuropa in denselben Topf geworfen wurde, verfestigte sich der Eindruck von gezielter Spekulation und Panikmache.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Demgegenüber zeigt sich der Anleihenmarkt besonnen. Bislang war keine neue Anleihe davon bedroht, nicht gezeichnet zu werden. Zwar haben sich die Konditionen für die Gläubiger verbessert, was womöglich auch das Ziel der geäußerten Besorgnis war. Allerdings kann man nicht davon sprechen, dass das bisweilen an die Wand gemalte Schreckensszenario hinreichend entlohnt worden wäre.

          „Spanien bietet eine angemessene Risikoprämie“

          Portugal konnte eine Anleihe mit einer Laufzeit von 10 Jahren und 4 Monaten mit einem Kupon von 4,8 Prozent und einem Aufschlag von 140 Basispunkten zum Referenzzinssatz plazieren. Die Emission war vierfach überzeichnet. Spanien zahlt nun für eine Anleihe mit einer Laufzeit von 15 Jahren und drei Monaten im Volumen von 5 Milliarden Euro 4,65 Prozent und einen Aufschlag von 85 Basispunkten.

          Bild: F.A.Z.

          Beide Länder haben früher weniger gezahlt und auch ist der Risikoaufschlag, den Anleger für spanische Bonds gegenüber deutschen Bundesanleihen verlangen, inzwischen sechsmal höher als vor zwei Jahren. Doch wer sich um einen Staatsbankrott sorgt, zeichnet zu diesen Konditionen trotzdem keine 15jährigen Anleihen. Aber Spanien soll Zeichnungsaufträge für 13 Milliarden Euro erhalten haben.

          Und Analysten sind nicht eben ängstlich: „Spanien bietet eine angemessene Risikoprämie. Mit einer Laufzeit von 15 Jahren ist der Bond für langfristige Investoren, etwa Pensionsfonds, attraktiv“, sagte Axel Botte, Stratege für festverzinsliche Anlagen bei Axa Investment Managers in Paris. Spanien gehe aktiv an den Markt heran, und stelle seine Finanzierung sicher, trotz der gegenwärtigen Volatilität am Markt, fügte Botte hinzu.

          Die Dynamik macht's

          Angst ist auch wohl nicht wirklich angebracht. Spanien weist zwar das dritthöchste Haushaltsdefizit unter den Staaten der Eurozone aus, der Schuldenstand des Staates liegt nach Prognosen der DZ Bank aber mit rund 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aber deutlich unter den mehr als 75 Prozent in Deutschland und mehr als 80 Prozent in Frankreich.

          Doch, wie es etwa Pierre-Yves Bareau formuliert, der bei der Fondsgesellschaft J.P. Morgan das Team für Schwellenländeranleihen leitet, kommt es bei der Beurteilung des Länderrisikos vor allem auf die Dynamik an. Und an dieser gebricht es Spanien. Nach den Prognosen des Internationale Währungsfonds (IWF) wird Spanien als einziges größeres Land in der EU 2010 kein Wachstum erzielen. Die DZ-Bank geht von einem Minus von 0,6 Prozent aus.

          Die Strukturschwäche der spanischen Wirtschaft wurde in den vergangenen Jahren von einem überbordenden Immobilienmarkt verdeckt, der nun um so mehr darbt. Immer noch sinken die Hauspreise und das dürfte das Jahr über so bleiben. Die Arbeitslosenrate ist mit 19 Prozent die höchste der Eurozone - vor allem weil die Baubranche nicht läuft.

          Der spanische EU-Währungskommissar Joaquín Almunia bescheinigte dem Land jüngst erst, dass es „seit Beginn der Währungsunion permanent an Wettbewerbsfähigkeit“ verliere. Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero versucht derzeit einen Pakt mit der Opposition zu schließen, um ein Reformpaket zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und zum Abbau des Haushaltsdefizit auszuhandeln.

          Wenig Alternativen für 15 Jahre

          Insofern sind Bankrottsorgen derzeit noch unangebracht. Gelingt es dem land allerdings nicht, die richtigen Weichenstellungen vorzunehmen, könnte sich die Situation währen der Laufzeit der Anleihe noch drastisch verändern, auch so, dass Bankrottsorgen wirklich angebracht sind.

          Für Privatanleger ist die neue Emission mit einer Emissionsrendite von 4,67 Prozent dennoch dann nicht uninteressant, soweit sie Anleihen mit einer derart langen Laufzeit überhaupt suchen. Das liegt nicht zuletzt am Mangel an Alternativen: Viele der am Sekundärmarkt gehandelten Anleihen mit Restlaufzeiten bis 2025 in verbraucherfreundlicher Stückelung von weniger als 1000 Euro stammen von angeschlagenen Emittenten wie etwa der Deutschen Pfandbriefbank (früher Hypo Real Estate), spanischen Bausparkassen oder etwa Irland, dessen Haushaltslage wohl kaum besser einzuschätzen ist als die Spaniens.

          Allerdings bietet sie mit 5,36 Prozent auch mehr Rendite, ebenso Polen mit 5,42 Prozent. Die Anleihe Finnland, dessen Solvenz derzeit nicht in Frage gestellt wird, rentiert indes nur mit 3,93 Prozent.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          CDU-Chef Armin Laschet und CSU-Chef Markus Söder

          Wahlprogramm der Union : CDU und CSU versprechen Entlastungen

          Die Unionsparteien wollen laut einem Entwurf ihres Wahlprogramms den Solidaritätszuschlag vollständig abschaffen und die Steuerstufen bei der Einkommenssteuer verschieben. Die Verdienstgrenze bei Minijobs soll um 100 Euro erhöht werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.