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Spanien : Risikoprämie trotz Bankenhilfe nahe Rekordhoch

  • -Aktualisiert am

Doppelt beflaggt: Ein Haus in Madrid Bild: dapd

Obwohl die spanischen Banken bald finanzielle Unterstützung erhalten, ist die Risikoprämie so hoch wie unmittelbar vor den EU-Gipfelbeschlüssen. Der Grund: Es gibt immer mehr Kredite in den Bilanzen der Banken.

          Trotz der bevorstehenden Kredite der Euroländer, die Spanien für die Rekapitalisierung seiner Banken nutzen will, bleibt das Misstrauen auf den Kapitalmärkten groß. Die Rendite spanischer Anleihen war zwar schon höher, da Deutschland jedoch immer weniger Zinsen für seine Schuldtitel bieten muss, ist der Renditeabstand zwischen den Anleihen beider Länder seit Monatsbeginn um mehr als einen Punkt auf 5,8 Prozentpunkte gestiegen. Die Risikoprämie ist damit so hoch wie unmittelbar vor den Gipfelbeschlüssen der Eurostaaten.

          An diesem Donnerstag entscheidet der Deutsche Bundestag über seine Zustimmung zu den Krediten über bis zu 100 Milliarden Euro für Spanien. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) betonte abermals die Haftung der spanischen Regierung. „Der Staat stellt den Antrag, der Staat - über den Restrukturierungsfonds - empfängt das Geld, und der Staat ist auch in der Haftung“, zitierte Regierungssprecher Steffen Seibert den deutschen Finanzminister.

          Immer mehr Kredite in den Bilanzen

          Das Misstrauen auf den Kapitalmärkten richtet sich gegen das spanische Bankensystem. Am Mittwoch wurde bekannt, dass die Zahl der Kredite in den Bilanzen der spanischen Banken, bei denen es schon zu einer Zahlungsstörung gekommen ist, weiter gestiegen ist. Der Anteil der notleidenden Darlehen am ausstehenden Gesamtportfolio stieg im Mai von 8,72 auf 8,95 Prozent, meldete die Zentralbank Banco de España. Das ist der höchste Stand seit April 1994. Das Volumen der Kredite, deren Rückzahlung im Verzug ist, stieg im Mai um 3,1 Milliarden auf 155,84 Milliarden Euro.

          Ursache der Misere ist der vorangegangene Boom auf dem spanischen Immobilienmarkt. Viele Spanier haben überteuerte Häuser gekauft und sich dabei überschuldet. In einem großen Teil der Fälle dürfte die Last zu groß sein, so dass die Banken ihre Forderungen nur zum Teil erfüllt bekommen. Hinzu kommt, dass die Häuserpreise in Spanien stark gesunken sind und ein weiterer Verfall befürchtet wird. Der spanische Häusermarkt habe im zweiten Quartal weiter an Substanz verloren, meldete die spanische Regierung am Mittwoch. Die Preise gaben im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8,3 Prozent nach. Gegenüber den ersten drei Monaten dieses Jahres fiel der Hauspreisindex um 2,5 Prozent. Der durchschnittliche Preis fiel auf 1606 Euro je Quadratmeter.

          Frisches Kapital für die schwächsten Banken

          Für die Banken bedeutet dies, dass zum einen mehr Schuldner nicht mehr zahlen können und dass der Wert der beliehenen Häuser in vielen Fällen geringer ist als der Kredit. Deshalb sollen die schwächsten spanischen Banken nun mit frischem Kapital versorgt werden, damit sie die zu befürchtenden Verluste tragen können. Da jedoch niemand weiß, ob die veranschlagten Summen ausreichen, haben die meisten spanischen Banken keinen Kredit mehr bei der ausländischen Konkurrenz. Ohne Sicherheiten kommen sie fast gar nicht mehr an Kredite auf dem privaten Bankenmarkt.

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          Umso stärker ist das spanische Bankensystem vom Kredit der Notenbanken des Eurosystems abhängig. Seit Jahresbeginn haben sich die Ausleihungen der spanischen Banken bei der spanischen Notenbank nahezu verdreifacht. Zieht man die Einlagen der Geschäftsbanken bei der Notenbank ab, stieg die Nettosumme der Ausleihungen von Dezember bis Juni von 188 auf 337 Milliarden Euro. Spiegelbildlich dazu erhöhten sich die Verbindlichkeiten der spanischen Notenbank gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB) aus dem Zahlungsverkehrssystem Target von 150 auf 371 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Targetforderungen der Deutschen Bundesbank an die EZB stiegen von Dezember bis Juni um rund 265 auf 728 Milliarden Euro.

          Vergleichsweise glimpflich ist die Krise bislang für die Aktionäre der beiden größten spanischen Banken BBVA und Santander verlaufen, die weniger stark vom spanischen Markt abhängig sind. Während zum Beispiel der Kurs der in Schieflage geratenen Bankia seit Jahresbeginn um 84 Prozent gefallen ist, liegen die Aktien der BBVA mit 25 Prozent und die Santander-Titel mit 17 Prozent im Minus.

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