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Slowakische Anleihen : Besser auf die Wahlen warten

Risikofaktor für slowakische Anleihen: Oppositionsführer Robert Fico Bild: dpa

Die Slowakei gehört derzeit zu den stabilen und stabilitätsorientierten Staaten des Euroraums. Doch nach den Wahlen im März könnte sich das Blatt auch rasch wenden.

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          Europäische Staatsanleihen sind zu Sorgenkindern geworden. Die Anleihen zahlreicher Staaten des Euroraums sind bei eher konservativen Anlegern gar nicht mehr so begehrt, dafür sind die anderer Mitglieder der Währungsunion zwar gefragt, aber ihre Renditen eher bescheiden.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Eine Alternative bietet seit einigen Tagen eine neue Anleihe der Slowakei. Diese ist mit einer Laufzeit von fünf Jahren, einer Mindestanlagesumme von 1 Euro und einem Zinskupon von 4,625 Prozent sehr privatanlegerfreundlich ausgestattet. Auch derzeit rentiert die Anleihe noch mit 4,3 Prozent und bietet somit einen satten Aufschlag von rund 3,5 Prozentpunkten gegenüber der fünfjährigen Bundesobligation.

          Schwierige Plazierungen 2011

          Doch kommen diese Renditen nicht von ungefähr, hatte das Land doch jüngst mit der Plazierung von Anleihen einige Schwierigkeiten. Ende 2011 musste die Emission einer Anleihe mit 14 Jahren Laufzeit abgebrochen und stattdessen Schatzwechsel mit dreimonatiger Laufzeit plaziert werden. Schon zuvor konnte bei der Emission einer dreijährigen Anleihe nur ein Fünftel des Volumens plaziert werden. Die fünf jährige Anleihe mit einem Volumen von einer Milliarde Euro fand indes problemlos Abnehmer, mehr als die Hälfte davon Investoren aus Österreich und Deutschland.

          Die Schwierigkeiten bei der Plazierung Ende des vergangenen Jahres darf man indes nicht überbewerten, hatte doch die Riosikoaversion gegenüber Staatsanleihen aus dem Euroraum seinerzeit einen Höhepunkt erreicht. Seit Mitte Dezember ist der Renditeabstand zwischen der zehnjährigen slowakischen Staatsanleihe und der gleichlaufenden Bundesanleihe etwa gleich geblieben, die slowakische Rendite ist von ihrem Höchstwert von 5,06 Prozent mittlerweile spürbar zurückgekommen.

          Schuldenbremse mit persönlicher Haftung

          Die aktuelle slowakische Regierung stützt in Fragen der Eurokrise mehrheitlich die deutsch-französische Linie. In die Verfassung wurde 2011 eine Schuldenbremse aufgenommen. Diese sieht vor, dass die Verschuldung bis 2017 maximal 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts betragen darf und danach jährlich um einen Prozentpunkt bis auf 50 Prozent fallen muss. Ein Überschreiten der Grenzen sieht gestufte Sparmaßnahmen vor – eine der ersten ist die Kürzung der Ministergehälter, am Ende steht eine Vertrauensabstimmung im Parlament.

          Tatsächlich stieg die slowakische Staatsverschuldung im vergangenen Jahr wohl auf 44 Prozent, liegt also noch deutlich unter der Grenze von 60 Prozent. Allerdings stieg sie damit im vergangen Jahr um rund drei Prozentpunkte, stehen doch die öffentlichen Finanzen der Slowakei seit Beginn der Finanzkrise unter Druck.

          Nachdem die Jahre 2004 bis 2008 mehrheitlich Budgetüberschüsse brachten, schnellte das Defizit 2009 auf fast 8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nach oben und fiel 2010 kaum niedriger aus. 2011 sank das Defizit immerhin auf nur noch 4,6 Prozent des BIP und lag damit unter der ursprünglichen Planung von 4,9 Prozent.

          Arbeitslosigkeit belastet

          2009 war die Wirtschaft des kleinen, offenen Landes um 4,8 Prozent geschrumpft, nachdem sie im Jahr davor noch um 5,8 Prozent gewachsen war. Seit dem haben sich die Wachstumsraten zwar erholt, doch ist das Niveau geringer. Erst jüngst senkte die Regierung ihre Schätzung abermals auf nur noch 1,7 Prozent für 2012. Vor allem belastet die Arbeitslosigkeit, die von einer Quote von 9,6 Prozent im Jahr 2008 bis auf 14,4 Prozent im Jahr 2010 anstieg und zuletzt bei 13,6 Prozent lag.

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